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Die Bildweberin. Roman Taschenbuch – 1. September 2009


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Produktinformation

  • Taschenbuch: 576 Seiten
  • Verlag: Diana Taschenbuch; Auflage: Taschenbucherstausgabe (1. September 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453353161
  • ISBN-13: 978-3453353169
  • Größe und/oder Gewicht: 12 x 4,6 x 18,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 599.599 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Katrin Keil, 1971 in Süddeutschland geboren, studierte Medienwissenschaften und lebt heute als Texterin und Konzept-Entwicklerin in Hamburg.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Donauwörth, 1515

Sophie!"
"Sophieeee!"
Die Stimmen ihrer Schwestern Agnes und Katharina nahmen langsam einen schrillen Ton an. Sophie lächelte still in sich hinein und wich weiter hinter die großen Ballen zurück, die gestern erst aus Italien eingetroffen waren. Sie hatten einen langen Weg hinter sich und rochen nach der großen weiten Welt. Sophies kleine Finger mogelten sich durch die Verpackung und fühlten die weiche, langflorige Wolle, die in Florenz zu feinem Tuch gewebt und noch vor wenigen Tagen über den Sankt-Gotthard-Pass geschaukelt worden war. Im nächsten Ballen erfühlten Sophies geübte Fingerspitzen etwas, das sie mit größtem Entzücken erfüllte. Seide! Nur selten handelte ihr Vater mit diesem exquisiten Gewebe, das Sophie meistens nur in Form schmaler Bänder oder Borten in die Finger bekam. Einmal hatte sie ihn gefragt, von welchen Schafen denn eine so feine Wolle geschoren wurde. Ihr Vater hatte gelacht und ihr dann von Marco Polo erzählt, der bereits vor über zweihundert Jahren den Weg in ein Land entdeckt hatte, in dem dieser hauchdünne Luxus aus dem feinen Faden einer Raupe hergestellt wurde. Da sie keine Raupen finden konnte, hatte Sophie sich daraufhin den Faden der Kreuzspinnen angesehen, die in den Holzbalken des Lagers ihre Netze spannen, und befunden, dass es fast Zauberkunst sein musste, etwas so Hauchdünnes und Klebriges zu einem Gewebe zu verarbeiten. Nur zu gerne hätte sie sich selbst auf den Weg gemacht, die berühmte Seidenstraße zu bereisen, um die kleinen Raupen und die sagenhaften Weber mit eigenen Augen zu sehen. Ihr Vater hatte ihr daraufhin erklärt, dass diese Tiere inzwischen auch in Norditalien gezüchtet wurden, das wesentlich näher lag. Aber Sophie war noch nie weiter aus Donauwörth herausgekommen als bis zum Landhaus ihres Vaters an der Donau, wo die Familie regelmäßig die Sommerfrische genoss. "Sophie!"
Jetzt wurde Agnes wirklich böse. Sophie kannte jede Nuance der Stimme ihrer ältesten Schwester und hörte, wie sie langsam, aber sicher die Geduld verlor.
"Ich drehe diesem Wechselbalg eigenhändig den Hals um, ich schwöre es!"
Unwillkürlich sah Sophie Agnes' flächiges Gesicht mit dem schmalen Mund vor sich, der jetzt sicher noch schmaler war.
"Ich komme noch zu spät zur Kirche. Sie verdirbt mir meine ganze Hochzeit!"
"Sophie, komm sofort her und kleide dich um!", schimpfte Katharina, ihre andere Schwester, jetzt. "Wenn du nicht gleich herauskommst, lassen wir dich einfach hier."
Sophie schnaubte ungeduldig. Die beiden waren selbst schuld. Sie hätten ihr einfach ein Kleid aus Seide oder wenigstens Brokat erlauben sollen, wie sie es selbst an diesem Festtag trugen. Aber für "das Kind", wie sie die achtjährige Sophie noch immer nannten, waren Leinen und Batist ja gut genug. Sophie lehnte sich seelenruhig gegen einen Tuchballen und betrachtete trotzig den Staub, der durch die Morgensonne tanzte. Vater würde nie erlauben, dass sie Sophie zurückließen.
Schließlich brach Agnes in Tränen aus, und Katharina appellierte an Sophies Mitgefühl. "Jetzt komm schon her", bat sie. "Du willst doch nicht, dass deine Schwester mit roten, verquollenen Augen ihren Liebsten in der Kirche erblickt?"
Ihren Liebsten! Sophie verzog angewidert das Gesicht. Der kleine, untersetzte Konz Wohlfahrt war angehender Goldschmiedemeister und würde einmal die vornehmste Juwelierwerkstatt der Stadt von seinem Vater erben. Er hatte Agnes' lange Ohren und kurzen Hals großzügig mit herrlichem Geschmeide behängt, bis sie sich von ihm küssen ließ und einwilligte, seine Frau zu werden. Eingekauft hatte er sie, dachte Sophie, und schwor sich im selben Augenblick, dass es keinem Mann je gelingen sollte, so etwas mit ihr zu tun. Aber Vater war sehr zufrieden mit der guten Partie, und Sophie freute sich, dass Agnes bald ausziehen und nicht länger die Mutterstelle bei ihr vertreten würde. Sie konnte sich zwar nicht mehr an ihre richtige Mutter erinnern, die wenige Monate nach der Geburt ihres jüngsten Kindes gestorben war, aber sanfter, netter und schöner als Agnes war sie allemal gewesen.
"Sophie, komm jetzt", rief Katharina streng. Dann wechselte sie in einen schmeichlerischen Ton. "Ich schenke dir auch die kornblumenblauen Seidenbänder, die ich heute eigentlich selbst tragen wollte. Damit kannst du dein neues Kleid auf das Hübscheste herausputzen."
Sophie horchte auf. Das war durchaus ein Angebot. Sie hatte die besonders breiten Bänder schon in den Fingern gehabt und würde sie sich nur zu gerne in die blonden Haare binden. Sie würden genau zur Farbe ihrer Augen passen, und sie waren lang genug, um auch sanft ihren Hals zu streicheln.
"Wo ist Sophie?", hörte sie jetzt ihren Vater, der zu den beiden Schwestern getreten war. "Ist sie noch nicht fertig? Agnes, was stehst du im Hochzeitskleid hier im Hof herum?"
"Sie hat sich versteckt, um uns zu ärgern", greinte Agnes. Sofort setzte Sophie sich in Bewegung und kam aus dem Lagerschuppen. Ihre Schwestern standen in ihren feinen Kleidern mitten im Hof und wirkten wie verkleidete Prinzessinnen, die eine böse Fee aus ihrem Märchenschloss fortgezaubert hatte. Katharinas Kleid war aus schwerem dunkelroten Brokat mit kobaltblauen Stickereien. Auf dem Kopf trug sie ein Straußenfedernbarett, das irgendwie nicht zu ihrer zierlichen Gestalt passen wollte. Agnes wirkte in ihrem etwas zu weißen Brautkleid mit den weiten, gepufften Ärmeln und der aus Goldstoff gefertigten Kugelhaube unnatürlich blass. Sophie bemerkte mit leichter Genugtuung, dass der goldbestickte Saum auf der Suche nach der kleinen Schwester schon etwas staubig geworden war.
"Hier bin ich schon, Vater", rief sie mit glockenheller Stimme und schmiegte sich an die stattliche Figur ihres Vaters. "Ich ziehe gleich mein neues Kleid an." Sie schielte Katharina von unten herauf an. "Katharina schenkt mir auch ihre blauen Bänder, damit ich sie heute zu Agnes' Ehrentag tragen kann."
"Das ist sehr großzügig, Katharina", lobte der Vater. "Aber jetzt beeilt euch. Wir dürfen uns nicht verspäten."
Katharina schnaubte ihre kleine Schwester wütend an, da sie jetzt das Gefühl hatte, ihre Bänder umsonst geopfert zu haben.
"Sie riecht nach feuchter Wolle", stellte sie fest. "Sie wird mit ihrem Geruch die ganze Kirche verpesten."
"Die Wolle ist gar nicht feucht", verteidigte sich Sophie. "Und außerdem kommt gegen diesen unerträglich stinkenden Weihrauch ohnehin nichts an."
Sophies Vater lachte laut auf und zog seiner jüngsten Tochter eine Wollfluse aus den blonden Locken.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Carmen Vicari TOP 500 REZENSENTVINE-PRODUKTTESTER am 13. Juni 2010
Format: Taschenbuch
In ihrem ersten Roman beschreibt die Autorin das Leben der Kaufmannstochter Sophie. Der Leser lernt Sophie als 8jähriges Mädchen kennen und verfolgt ihr Leben über die ganzen Schickisalsschläge bis hin zu ihrem Glück.
Kurz vor Sophies Hochzeit mit einem Freiherrn, trifft sie der erste Schicksalsschlag, ihr Vater kommt in den Schuldenturm und ihr Verlobter löst auf Grund dessen die Verlobung. Ab hier muss Sophie kämpfen. Aber es gibt auch schöne Zeiten, so findet sie im Kloster zur Bildweberei. Katrin Keil versteht es, die Kunst des Bildwebens in die fließende Geschichte einfließen zu lassen und man bekommt als Leser einen interessanten Einblick in dieses Gewerbe.
Die knapp 570 Seiten sind schnell gelesen und man hat am Ende das Gefühl, gute Freunde zu verlassen.
Die Geschichte ist fesselnd, die Erläuterung gut nachvollziehbar und die Hauptpersonen lebendig beschrieben.

Alles in allem eine Empfehlung, man darf sich von der Dicke des Buches nicht abschrecken lassen. Es lohnt sich zu lesen!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von H.F. am 17. Dezember 2012
Format: Taschenbuch
Die Bildweberin – ein Buch mit einem viel versprechenden Klappentext, der schon auf Seite 150 abgearbeitet ist. Wer bis dahin die Spannung vermisst hat, wird bis zum Ende des Buches auch keine finden. Der Rest sumpft in einer langweiligen Vermarktung der Webprodukte aus Sophies Werkstatt dahin. Der Handlungsstrang ist dürftig und mit ihrer Flucht aus dem Kloster beendet. Der historische Hintergrund ist blass und für die Handlung bedeutungslos.

Sophie wird im Kloster gut aufgenommen und arbeitet sich zur Weberin empor. Zudem bekommt sie von ihren Mitschwestern viel Zuneigung. Die vermeintlichen „Schikanen“ im Kloster entpuppen sich als unbedeutende Sticheleien einer Mitschwester. Daran ändert auch die Attacke mit der Suppe nichts, die von der Autorin ziemlich aufgezogen wird, weil ja sonst nichts passiert.

So wie alle anderen Figuren bleibt auch Maler Thilmann eine blasse Randfigur, die je nach Bedarf wieder aus der Versenkung geholt wird. Thilmanns Liebe zu Sophie wirkt für mich nicht überzeugend herausgearbeitet. Seine Liebesbemühungen halten sich in Grenzen.

Frau Keil klebt förmlich an ihrer Protagonistin. Jedes Kapitel, jeder Abschnitt und fast jeder Satz dreht sich nur um Sophie. Kein Abschweifen zu Thilmann nach Italien (wo immer er sich auch aufgehalten haben mag, wird nur angedeutet) oder dem Bruder bzw. den Schwestern. Ereignisse werden dem Leser nur im Erzählstrang mitgeteilt. Der Überfall auf das Kloster hätte mit Sicherheit etwas Leben in den Roman gebracht, anstatt diesen wie alles andere auch nur zu erwähnen.
Als Sophie den Weber Frank Adam heiratet, ist vorhersehbar, dass dieser ums Leben kommt.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Sandra Kuhn - Grosse-Literatur am 27. Oktober 2010
Format: Taschenbuch
"Die Bildweberin" ist ein überraschend bildgewaltiger Roman, der eine eigentümliche historische Atmosphäre des 16. Jahrhunderts schafft und mit einigem Wissen aufwartet.

Sophie ist die Tochter des angesehenen Tuchhändlers Stefan Ballheim - klug und mit kaufmännischem Geschick. Durch übertriebenen Ehrgeiz verliert ihr Vater seinen guten Ruf als Tuchhändler in Donauwörth. Sophie und ihr Bruder Thomas müssen alles Hab und Gut verkaufen um die entstandenen Schulden zu begleichen und ihren Vater aus dem Schuldturm holen zu können. Doch dieser ist bereits ernstlich erkrankt und stirbt nur einen Tag nach seiner Entlassung. Während Sophie bei ihrer älteren, verheirateten Schwester Agnes unterkommt, zieht es Thomas in die Ferne - er will sich als Soldat bewähren. Sophies Verlobter, Heinrich von Sternau, zieht sich nach dem Skandal aus Sophies Leben zurück. In Agnes' Augen bleibt für die junge Sophie nur der Weg ins Kloster. In Eichstätt erlernt Sophie schließlich die hohe Kunst des Webens und Wirkens bei Schwester Augusta, die Sophie schon bald ins Herz geschlossen hat. Zwar hadert sie noch damit, ihr ganzes Leben in Eichstätt zu verbringen, doch schon bald kann sie sich ein Leben innerhalb des Klosters hinter dem Webstuhl vorstellen. Als sie wenig später jedoch auf den jungen Maler Thilmann Weber trifft, der im Auftrag der Äbtissin das Altarretabel der Kirche malt, ändert sich Sophies Leben schlagartig. Die beiden verstricken sich in künstlerische Debatten und fühlen sich immer mehr zueinander hingezogen. Als sie an Thilmanns letztem Abend erwischt werden, glaubt Sophie ihn nie wieder zu sehen.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Dr. Petra Buchholz am 8. Dezember 2009
Format: Taschenbuch
Also, bei historischen Romanen bin ich sonst eher skeptisch. Aber die Liebe der Bildweberin hat mich überzeugt, weil der Roman sehr spannend konstruiert ist, so dass man ihn nicht mehr aus der Hand legen kann. Die Protagonistin Sophie kämpft darum, ein sebstbestimmtes Leben zu führen, was in den historischen Irrungen und Wirren gegen zahlreiche Widerstände stößt. Durch die gelungene Sprache fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Die zu überwindenden Hindernisse erscheinen im Kontrast dazu aber sehr modern, weswegen man sich dann teilweise auch wieder finden kann. Hoffentlich erscheint ein Fortsetzungsroman.
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