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Die Bilderschrift in der Lyrik Christine Lavants
 
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Die Bilderschrift in der Lyrik Christine Lavants [Taschenbuch]

Solveig Michelsen

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Kurzbeschreibung

Zusammenfassung: Bei der Lektüre von Christine Lavants Gedichten wird man unweigerlich mit einer Fülle aufsteigender Bilder konfrontiert, beinahe überwältigt von ihnen, wobei man nicht immer genau weiß, woher sie eigentlich stammen. Sie sind weder leicht zu verstehen noch eindeutig aufschlüsselbar durch Ansetzen einer Folie, die ein festgesetztes Zeichensystem decodieren könnte. Christine Lavant verschreibt sich stattdessen recht eigenwilligen, höchst individuellen Schöpfungen, die mit „Mustern” an sich wenig gemein haben. Wolfgang Nehring spricht sogar von der „Originalität und [...] Intensität des bildlichen Ausdrucks, die neue Maßstäbe setzen”; Johann Strutz merkt an, „daß für [Christine Lavant] eine gültige poetische Aussage nur durch das Bild im weitesten Sinne möglich” ist. Schon beim flüchtigen Lesen wird man feststellen können, daß der Wortschatz, aus dem die Dichterin ihre vielschichtigen Texte zusammensetzt, äußerst begrenzt ist, sich dabei außerdem mit relativ einfachen, meist aus der nächsten Umgebung entlehnten Vokabeln begnügt. Trotzdem besitzen Christine Lavants Herzen, Engel, Monde, usw. eine weitaus größere Tragweite als diesen Begriffen traditionellerweise zugeordnet wird. Sie scheinen weder neu-romantische Töne anzuschlagen, noch rutschen sie in die Sparte „Kitsch” ab, denn die Art und Weise, wie die Dichterin sie einsetzt - meist in einer völlig entfremdeten Umgebung - enttäuscht die Kontexterwartung des Lesers und ermutigt damit eine Neudefinierung abgenutzter Begriffe. Diese verlagern sich damit „außerhalb ihres normalen Bedeutungsspektrums” und bieten Raum für mehrere „metasprachliche” Ebenen. Dieser „Um-gang“ Christine Lavants – im wortwörtlichsten Sinne – mit vorgegebenen Strukturen läßt beinahe ein poetologisches „Programm“ erkennen, das sie selbst allerdings nie als solches gekennzeichnet hat. Zumindest aber darf es als charakteristisch für ihre Dichtung angesehen werden, daß es ihr gelingt, aus deutlich beschränktem Material ein äußerst dichtes Netz an Bildern entstehen zu lassen. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen setzt Christine Lavant nicht – wie viele ihrer Zeitgenossen – an der äußeren Form an, sondern entwickelt eine Neuorientierung von innen heraus; nicht die Sprache wird verändert und künstlichen Spielereien unterworfen, sondern ihr Gehalt wird modifiziert. Denn ihre Wortschöpfungen greifen auf ein lyrisch verhältnismäßig verbrauchtes Repertoire zurück, übernehmen aber nicht automatisch die überlieferten Bedeutungen. Auch der Gebrauch von Interpunktionen, sowie die häufige Gereimtheit ihrer Gedichte, sind konventionell; ihr Satzbau ist ebenfalls frei von nennenswerten Neuerungen. Es scheint also, als ob Christine Lavant völlig unberührt geblieben ist von literarischen „Trends“ der 50er Jahre, wozu auch die vorherrschende Sprachskepsis zählt, die besonders die lyrischen Werke Ingeborg Bachmanns und Paul Celans prägen und den dringenden Verdacht auf die Unzulänglichkeit der Sprache als zentrales Problem immer wieder aufgreifen. Christine Lavants Lyrik hingegen befaßt sich ausschließlich mit sich selbst, verläßt nie „den Bereich der Ich-Lyrik“; sie greift als Nachkriegs-Autorin keine politisch brisanten Themen wie Vergangenheitsbewältigung o.ä. auf und läßt sich auch keiner bestimmten Gruppierung zuordnen, der ein gemeinsames poetisches Manifest zugrunde läge. Diese Position hat ihr den Ruf eingebracht, anachronistisch zu sein und zeitlos; Lübbe-Grothues spricht von einem „epochalen Befremden”. Harald Weinrich stellt sogar Fragen wie „Sind das wirklich Gedichte aus unserem Jahrhundert?” und sinniert, „ob Christine Lavant überhaupt zu unserer [deutschen] Literaturgeschichte gehört”. Beim Versuch, Christine Lavant in einen literaturgeschichtlichen Zusammenhang einzubetten, stellt ihre bilderreiche Sprache eine der größten Hürden dar. Ihr metaphorisches Sprechen besitzt scheinbar wenig Kontinuität oder Definierbarkeit und läßt sich deshalb nicht verallgemeinernd interpretieren. Ein jedes Gedicht will neu betrachtet werden als selbständiges Kunstwerk, das immer neue Variationen einer Lesart entwirft. So wie Wolfgang Nehring es beschreibt - ..denn die Bildersprache Christine Lavants ist keine unmittelbar anschauliche, sondern vieldeutige symbolische Rede, die oft über die Grenzen der Realität ins Surrealistische hinübergeht und keineswegs immer auf eine gedanklich begreifbare Bedeutung zurückgeführt werden kann. In jeder neuen Sammlung nimmt die Zahl der Gedichte zu, die sich dem spontanen Verständnis verschließen und selbst methodischer Analyse nur beschränkt zugänglich sind. - meint man, an jedem Interpretationsansatz ihrer Gedichte kläglich scheitern zu müssen, Dabei gilt es nur, einige „Spielregeln“ zu beachten: Die Vieldeutigkeit innerhalb eines Gedichts beschränkt Christine Lavant ausschließlich auf Variationen zwischen verschiedenen Ebenen. So kann sie auf einen Begriff wörtlich Anspielung nehmen und ihn gleichzeitig als metaphorischen Ausdruck verarbeiten, die tatsächliche neben der übertragenen Bedeutung koexistieren lassen; sie verwendet aber niemals mehrere Definitionen parallel auf ein- und derselben Ebene. Deshalb ist es notwendig, ihre Gedichte nie als Gesamtheit zu betrachten, sondern auf jedes einzeln als in sich geschlossenen Text einzugehen. Sofern man die Bilder in ihrem unmittelbaren Kontext untersucht ohne daraus ein Muster ableiten zu wollen, das sich auf alle lyrischen Texte übertragen ließe, kann man durchaus legitime Interpretationsansätze gewinnen und - im Nachhinein - gewisse „Grundstimmungen“ und grobe Definitionsgrenzen ausmachen. So wie de Saussure innerhalb der Gestalteinheit eines Textes den Gehalt der einzelnen Wörter aus ihrem Verhältnis zu den übrigen ableitet, entfaltet auch Christine Lavants Vokabular seine Bedeutung erst in der Wechselbeziehung mit seiner unmittelbaren Umgebung. Unter Berücksichtigung dieses literarischen Umfelds nun, das als wichtigster Determinationsfaktor eines Bildes unterschiedliche bis gegensätzliche Bedeutung bedingen kann, soll eine repräsentative Anzahl an prominenten Motiven untersucht werden. Dieser Kontext konstituiert sich dabei oft aus einem recht eigenwilligen Repertoire, das der Leser zuerst einmal kennen muß, um über den metaphorischen Ausdruck zum Bild zu gelangen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Der Verlag über das Buch

Bei dieser Studie handelt es sich um eine Magisterarbeit die am 01.07.2000 erfolgreich an einer Universität in DEUTSCHLAND im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften eingereicht wurde. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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