MEYNs erster Gegenwartskrimi braucht sich nicht hinter seinen (historischen) Vorgängern zu verstecken - auch wenn man die liebgewonne Figur des Commissarius Bishop vermißt.
DIE STORY:
Grit Hoffmann arbeitet für ArtSave, eine Firma, die sich auf das Aufspüren verschwundener kostbarer Kunstwerke spezialisiert hat. Sie kommt nach Hamburg, um sich dort mit Wiegalt zu treffen, der im Besitz einer Mappe mit wertvollen Aktzeichnungen Modiglianis sein soll. Dabei lernt sie den Taxifahrer Zart kennen. Zart hat vermögende Eltern, fährt aber lieber Taxi, als sich aushalten zu lassen. Auch er hat - wie Grit - Kunstgeschichte studiert und war einmal ein begehrter Fotograf. Das Fotografieren hat er aufgegeben, nachdem er begriffen hat, was die Medien aus Sensationslust und Profitinteresse aus den, Zart am Herzen liegenden, Botschaften seiner Fotos tatsächlich gemacht haben. Grit läßt sich von Zart zur Wohnung Wiegalts fahren. Dort angekommen stellen sie fest, das die Eingangstür offensteht; Wiegalt liegt tot in seiner Badewanne. Ein Fön liegt auch in der Wanne. Die Mappe mit den Zeichnungen ist nicht da. Mord oder Selbstmord? Die Polizei favorisiert die zweite Alternative. Grit und Zart sind skeptisch und ermitteln auf eigene Faust. Im Zuge ihrer Recherchen wird deutlich, dass der Tod Wiegalts im Zusammenhang mit den Zeichnungen stehen muß. Als dann noch weitere Leichen auftauchen, wird klar, dass die verschwundene Mappe eigentlich noch einen größeren "Wert" haben muß, als bisher angenommen. Mit Unterstützung eines alten Kunstprofessors mutmaßen Grit und Zart, daß der wahre Wert der Mappe wohl seinen Ursprung in der Nazizeit haben muß...
FAZIT:
MEYN zeigt mit DIE BILDERJÄGER, daß er auch ansprechende Gegenwartskrimis schreiben kann. Die Geschichte wird spannend und schnörkellos erzählt. Die historische Verknüpfung erfolgt durch eingeschobene Kapitel, die in der Vegangenheit spielen. Dieser - hervorzuhebende - Erzählstil kommt der Dramaturgie besser zu Gute, als eine chronologische Erzählweise. Mit Grit und Zart hat MEYN zwei sehr sympathische Protagonisten erdacht. Auch die übrigen Figuren sind überzeugend, wenn auch knapp skizziert. Das Thema wertvolle Kunstwerke ist sicherlich nicht jedermans Fall. Trotz der Vorbelastung des Autors (MEYN ist Kunst- und Bauhistoriker), ist der Krimi nicht damit überfrachtet, sodass der Leser auch nicht mit kunsthistorischen Fakten überstrapaziert wird. Die Kriminalstory, die Aufklärung des Geschehens, steht eindeutig im Vordergrund. Also alles in allem ein gelungenes Debüt auf neuem Terrain; herzlichen Glückwunsch, Herr MEYN. Ein künftiges "Wiedersehen" mit Grit und Zart würde mich freuen...
Also gute Unterhaltung beim Nachlesen!