Unzählige Kunstwerke, Gemälde, Skulpturen und andere wertvolle Kunstgegenstände sind von den Nazis während ihres Vernichtungsfeldzuges gegen die Juden und andere Völker zwischen 1933 und 1945 geraubt worden.
Melissa Müller und Monika Tatzkow haben in diesem Jahr schon in dem im Münchner Elisabeth Sandmann Verlag erschienenen Buch "Verlorene Bilder, verlorene Leben" die große private jüdische Sammlerkultur vor dem Zweiten Weltkrieg gewürdigt und haben bei ihren Recherchen viele verloren geglaubte Bilder aufgespürt.
Die in dem vorliegenden Band aus dem Eichborn Verlag dokumentierte Recherche ist viel aufwendiger und vollständiger. Der Journalist und Spezialist für dieses Thema Stefan Koldehoff zeigt, dass die Verantwortlichen für die damaligen Raubzüge nie wirklich zur Verantwortung gezogen wurden und dass der Handel mit dem NS-Raubgut auch heute noch wacker weitergeht. Eine unheilige Allianz aus Museen, Auktionshäusern, Händlern und Galeristen sorgt dafür, dass sich bis auf den heutigen Tag Sammler und Museen überall auf der Welt mit Bildern aus dem NS-Raubgut versorgen können. Die Nachkommen der ehemaligen Eigentümer, in ihrer großen Zahl Juden, gehen leer aus, denn nach der geltenden Rechtslage kann kein Museum etwa gezwungen werden, Bilder aus dem Raubgut, die sich in ihrem Besitz befinden, an die rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben.
So hat etwa der von mir sonst geschätzte Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, den ich vor Jahren beim Jubiläum der Jüdischen Buchhandlung von Rachel Salamander in München bewegt vom Stellenwert der jüdischen Kultur in seiner Stadt sprechen hörte, den Erben von Sophie Lissitzky-Küppers mitgeteilt, eine Rückgabe des damals geraubten Gemäldes "Sumpflegenden" von Paul Klee verstoße gegen die bayrische Gemeindeordnung , weil sie einer "Verschleuderung von öffentlichem Vermögen" gleichkomme.
Dass auch seine Stadt der 1998 unterzeichneten Washingtoner Erklärung verpflichtet ist, hat er dabei übersehen. Danach verpflichten sich neben Deutschland 43 weitere Nationen, abgelaufene Fristen künftig zu ignorieren und zusammen mit den Anspruchstellern nach gerechten und fairen Lösungen zu suchen.
In diese Richtung gehen auch die Forderungen Stefan Koldehoffs und er leistet mit diesen wichtigen Buch einen wertvollen Beitrag dazu.