Der Beginn des Buches überzeugt: ganz im Stil der großartigen amerikanischen Shortstorys schreibt Gloria Vanderbilt rasant und stilsicher. Aber der häufige Perspektivenwechsel schadet dem Buch, es ist kein Fluss mehr darin und irgendwann ermüdet der ewige schwülstige Stil, mit dem die zitierten Briefe geschrieben wurden.
Zu Beginn dachte ich, es ist ein ironischer Kunstgriff und irgendwann kommt die Auflösung, die Erklärung, aber leider kommt nichts.
Wenn man schwülstige Erotik lesen will und sich dabei sowohl amüsieren als auch antörnen lassen will, sollte man lieber "Lauras Erziehung" von Mirabeau zur Hand nehmen. Das ist zwar über 200 Jahre alt, macht aber mehr Spaß.
Die beiden Hauptfiguren, die Ehefrau Priscilla und die Geliebte Bee gleichen sich, wie man irgendwann herausbekommt, äußerlich aufs Haar, nur dass die eine eine freudlose Ehesexualität pflegt und die andere dem Helden die Wonnen des Himmels ermöglicht. Warum das alles so ist, wird in keiner Zeile erläutert, das Buch hat keine Tiefe und irgendwann ermüdet es. Es gibt die üblichen saftigen Passagen, die eben zu einem erotischen Roman gehören, aber sie wirken aufgesetzt und wenig überzeugend. Und der Schluss löst die wenigen Fragen, die das Buch stellt, nicht auf sondern lässt einem einigermaßen ratlos zurück.