Nachdem A.J. Jacobs die komplette Encyclopaedia Britannica gelesen hat, macht er sich an ein neues Mammutprojekt. Kein geringeres als die Bibel. Ein Jahr lang will der Agnostiker Jacobs nach ihren Geboten und Gesetzen leben. Schon die Frage nach welcher der unzähligen Fassungen der Bibel er sich richten soll ist eine Herausforderung. Daher besorgt er sich einfach verschiedene Exemplare.
An die 800 Gebote findet er in dem ältesten aller Bücher. Sie alle will er wortwörtlich befolgen. Mehr als einmal ist er sich unsicher, was genau die Bibel mit diesem oder jenem Gebot meint oder wie er es befolgen soll ohne verhaftet zu werden. Eine Lösung und sei sie noch so grotesk, findet sich immer. Hilfe erhält er von einem mehrköpfigen religiösen Beraterstab, den er sich zulegt. Sind manche Gebote wie "Du sollst nicht töten" noch verhältnismäßig einfach, so wird es bei "Du sollst nicht lügen" schon schwieriger. Und das er sich den Bart nicht mehr schneiden darf, stößt bei seiner Frau nicht auf Gegenliebe. Auch das Reinheitsgebot macht ihm zu schaffen. Darf er sich doch auf keinen Stuhl setzen, den vorher eine Frau verunreinigt haben könnte. Erst recht als Ehefrau Julie sämtliche heimischen Sitzgelegenheiten '"markiert'" hat. Zudem hat er als sehr nachgiebiger Mensch Schwierigkeiten mit der gebotenen Züchtigung seines Sprösslings. Abhilfe schafft hier ein Schaumstoffbaseballschläger. Aber was ist mit der Steinigung von Ehebrechern? Als er einen solchen im Park begegnet ist er froh, dass nirgendwo in der Bibel steht wir groß die Steine sein sollen. Dementsprechend folgt quasi die "Steinigung light".
Neben all den mal mehr mal weniger sinnigen Geboten und Vorgaben, sieht Jacobs sich jedoch auch in den Reihen verschiedener extrem religiöser Gruppen um. Er besucht unter anderem Amish-People und Snake-Handler. Als Workaholic kann er mit ein bischen Übung sogar dem Sabbat etwas abgewinnen. Und obwohl öfter mit schiefen Blicken bedacht, ist Jacobs auf seinem Weg nicht unglücklich, kann am Ende gar auf spirituelle Erlebnisse zurückblicken.
Ganz nebenbei kann man auch diesmal miterleben, wie Familie Jacobs den gewünschten Zuwachs bekommt. Wenn mit der Zeugung auch Gewissensbisse gegenüber der Bibel einhergehen.
Streng religiöse Mitmenschen könnte Jacobs Bericht unter Umständen vor den Kopf stoßen. Denn durch den Kakao gezogen wird das Buch der Bücher schon irgendwie. Sieht man das Ganze jedoch mit dem nötigen Abstand, ist Jacobs Suche nach Gott und dem Glauben an ihn, gar nicht so blasphemisch wie mancher meinen könnte. Nur ungewöhnlich. In diesem Falle auch noch äußerst unterhaltsam. In seiner gewohnt witzigen Art kommentiert und beschreibt der Autor die verschiedenen Stationen und Erlebnisse seiner einjährigen Reise. Mit seinem Beraterstab findet er Erklärungen für verschiedene Passagen und Gebote der Heiligen Schrift ohne belehren zu wollen.
Auch in diesem Buch kommen Anekdoten aus dem Leben seiner Verwandten und Freunde nicht zu kurz. Allein die Fotoserie über die Entstehung seines Bartes im Laufe des Bibeljahres ist sehenswert. Und obwohl anhand von einigen weiteren Bildern belegt und der erfrischenden Erzählweise vermittelt, ärgert man sich fast, dass man nicht in New York lebt, um diesem komischen weiß-gewandeten Mann mit dem Widderhorn selbst zu begegnen.
Ich kann kaum verhehlen, dass sich nach "Britannica & ich" nun mit "Die Bibel & ich" mein Fanstatus für Jacobs noch verfestigt hat. Auch sein neues Werk wird mit Sicherheit die Bestsellerlisten stürmen.