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Die Bibel-Verschwörung: Roman
 
 
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Die Bibel-Verschwörung: Roman [Gebundene Ausgabe]

Julia Navarro , K. Schatzhauser
2.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (30 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Anfang 2003 nimmt im Petersdom in Rom ein junger Priester einem Mann die Beichte ab, in der dieser für einen Mord sühnen möchte, den er noch gar nicht begangen hat. Im Beichtstuhl bleiben der geschockte Priester und ein Zeitungsausschnitt zurück, in dem der Name der jungen deutschen Archäologin Clara Tannenberg markiert ist. Die hält gleichzeitig einen Vortrag auf einem Archäologenkongress und verkündet, im Irak Tontafeln entdeckt zu haben, die das Vorwort zu einer von Abraham selbst diktierten Schöpfungsgeschichte bilden. Sie will die restlichen Tafeln mit dem eigentlichen Text finden, die "Tonbibel".

Da der Irakkrieg unmittelbar bevorsteht, beginnt nun ein Wettlauf mit der Zeit. Denn nicht nur hat es der rätselhafte Mann im Beichtstuhl gemeinsam mit drei seiner engsten Freunde auf Tannenberg und ihren Vater abgesehen, an dem sie Rache für ein geheimnisvolles Verbrechen aus der Vergangenheit üben wollen, auch in den USA verfolgt ein Kartell aus bejahrten und höchst einflussreichen Herren undurchsichtige Interessen im Irak und bei den Ausgrabungen

Bald wimmelt es an der Ausgrabungsstätte nicht nur von Archäologen sondern auch von Söldnern und Auftragskillern, deren dunkle Ziele unweigerlich zu weiteren Verbrechen führen müssen. Nur der junge Priester versucht, das schlimmste zu verhindern ...

Wie bereits in ihrem Werk Die stumme Bruderschaft wildert Julia Navarro auch in Die Bibelverschwörung im Revier von Dan Brown. Allerdings nicht so deutlich, wie es der deutsche Titel im Gegensatz zum schlichten Original Die Tonbibel suggerieren will. Für den deutschen Markt ist sicherlich die Figur einer deutschen Archäologin am Vorabend des Irakkriegs von besonderem Interesse.

Hier liegt auch eine der Stärken des Buchs. Die verzweifelte Suche nach einmaligen historischen Schätzen, die nach Kriegausbruch unwiederbringlich verloren wären. Schön auch, dass der junge Priester nicht -- wie in diesem Subgenre eigentlich zu befürchten -- im Auftrag des Vatikans unterwegs ist -- keine Gefahr für den Heiligen Stuhl in diesem Fall.

Navarro hat einen vielschichtigen Roman geschrieben, dessen recht üppiges Personal einschließlich der unterschiedlichen, zumeist rätselhaften Interessenlagen insbesondere zu Beginn des Werks keinen rechten Lesefluss aufkommen lassen Auch sind die vielen Figuren mitunter recht eindimensional gezeichnet. Jeder folgt recht unreflektiert seiner Mission und ist entsprechend gut oder abgrundtief böse. Wer jedoch Thriller mit internationalen Verwicklungen und allerlei Fieslingen mag, wird hier sicher ordentlich bedient. --Josef K. Weinreb

Pressestimmen

"Ein rasanter Abenteuerroman, eindrucksvoll und packend geschrieben!" (El País )

"Ein fantastisches Buch! Spannend bis zur letzten Seite." (Noticias )

"Ein grandioser, bewundernswert konzipierter Roman!" (El Mundo )

Kurzbeschreibung

Ein herausragender neuer Thriller von der Autorin, die in Spanien Dan Brown entthronte! Jahrtausende alte Tontafeln locken wagemutige Archäologen, skrupellose Kunsträuber und Berufskiller in das Land zwischen Euphrat und Tigris…

Tannenberg! Allein schon der Name auf der Teilnehmerliste eines archäologischen Kongresses in Rom elektrisiert eine betagte Frau und drei alte Männer. Nach Jahrzehnten der erfolglosen Suche sehen sich die vier ihrem Ziel plötzlich ganz nah: der tödlichen Rache an einem Mann, der dramatisch in ihr Leben eingegriffen und sie einst auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden hat. Als sie erkennen, dass es sich bei dem Kongressteilnehmer um die Enkelin des Gesuchten handelt, heuern sie einen Killer an, der sich an die Fersen der jungen Wissenschaftlerin heftet, um so an ihren Großvater Alfred Tannenberg heranzukommen.
Doch nicht nur die vier Alten sind hinter den beiden her. Eine international verflochtene, auf Kunstraub spezialisierte Organisation hat es auf einen sensationellen archäologischen Fund der Tannenbergs im Irak abgesehen: Tontafeln, die die biblische Schöpfungsgeschichte in ihrer Urfassung enthalten.
Und den Verschwörern ist jedes Mittel recht, um ihre Interessen durchzusetzen...

Klappentext

"Julia Navarro ist eine begnadete Erzählerin!"
Historia y Vida

"Eine fesselnde Lektüre!"
El Diario ZU "DIE STUMME BRUDERSCHAFT":

Über den Autor

Julia Navarro wurde 1953 in Madrid geboren. Sie arbeitete als Journalistin für renommierte spanische Zeitschriften sowie Radio- und Fernsehsender. Nach mehreren erfolgreichen Sachbüchern eroberte sie mit ihrem Debütroman „Die stumme Bruderschaft“ auf Anhieb den ersten Platz der spanischen Bestsellerlisten und entthronte damit den absoluten Favoriten des Jahres, Dan Browns „Sakrileg“. Auch ihr zweiter Roman „Die Bibel-Verschwörung“ war ein von Presse und Publikum gefeierter Nummer-1-Bestseller und wurde in 10 Sprachen übersetzt! Julia Navarro lebt mit Mann und Sohn in Madrid und schreibt an ihrem dritten Roman.

Auszug aus Die Bibel-Verschwörung von Julia Navarro, K. Schatzhauser. Copyright © 2006. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

In Rom regnete es. Der ältere Herr, der um zehn Uhr vormittags am Petersplatz aus einem Taxi stieg, schien in großer Eile zu sein, denn ohne auf sein Wechselgeld zu warten strebte er, eine Zeitung unter den Arm geklemmt, mit raschen Schritten dem Dom entgegen. Wie alle Besucher wurde er am Eingang daraufhin begutachtet, ob er schicklich gekleidet war. Wie in den anderen Gotteshäusern Roms waren auch in der Peterskirche Bermudas, Miniröcke, Shorts oder Trägerhemdchen unerwünscht.
Nicht einmal vor Michelangelos Pietà hielt der Mann inne, dem einzigen der zahlreichen Kunstwerke dort, bei dessen Anblick er etwas empfand. Nachdem er sich kurz orientiert hatte, eilte er zu den zahlreichen Beichtstühlen, in denen Gläubige aus aller Welt in ihrer jeweiligen Muttersprache ihre Verfehlungen bekennen konnten.
An eine Säule gelehnt wartete er ungeduldig darauf, dass ein ganz bestimmter Beichtstuhl frei wurde, an dem ein Schild verkündete, dass man dort auf Italienisch beichten könne. Als es so weit war, trat er darauf zu.
Beim Anblick des hageren Mannes im gut geschnittenen Anzug, dessen gebieterischer Ausdruck zeigte, dass er es gewohnt war, anderen vorzuschreiben, was sie zu tun hatten, unterdrückte der Priester ein Lächeln.
»Gegrüßet seist Du, Maria.«
»Voll der Gnaden.«
»Pater, ich klage mich der Absicht an, einen Menschen zu töten. Gott möge mir vergeben.« Kaum hatte er das gesagt, als er sich erhob und rasch in der Menge der Touristen untertauchte. Der Priester, der ihm benommen nachsah, brauchte eine Weile, um seine Fassung wiederzuerlangen. Ein Mann, der sich schon zum Beichten niedergekniet hatte, fragte: »Pater, Pater... geht es Ihnen nicht gut?«
»Doch, doch... nein, nein... Entschuldigung...«
Der Priester verließ den Beichtstuhl. Er hob die zerknitterte Zeitung auf, die der weißhaarige Mann auf dem Boden hatte liegen lassen, und überflog die Seite, auf der sie aufgeschlagen war: ein Rostropowitsch-Konzert in Mailand; ein Film über Dinosaurier, der sich als Kassenschlager erwiesen hatte; ein Archäologen-Kongress in Rom. Einer der Namen der Teilnehmer, Tannenberg, war rot umrandet.
Er faltete die Zeitung zusammen und ging mit abwesendem Blick davon, ohne auf den bußfertigen Mann zu achten, der immer noch vor dem Beichtstuhl kniete.

»Ich möchte bitte Señora Barreda sprechen.«
»Wer ist am Apparat?«
»Doktor Cipriani.«
»Einen Augenblick.«
Der Mann strich sich mit einer Hand über das sorgfältig nach hinten gekämmte weiße Haar. Während er tief durchatmete, um sich zu beruhigen, ließ er den Blick über die Gegenstände gleiten, die ihn seit vier Jahrzehnten umgaben. Eins der gerahmten Fotos auf seinem Schreibtisch zeigte seine Eltern, ein anderes seine drei Kinder. Auf der Kaminumrandung stand das Bild mit den Enkeln. Er sah zum Sofa und den beiden Ohrensesseln hin, zur Stehlampe mit dem cremefarbenen Schirm, zu den Perserteppichen und den Mahagoniregalen an den Wänden, die Tausende von Büchern enthielten. Er hatte keinen Grund besorgt zu sein. Er war in seinen eigenen vier Wänden, in seinem Arbeitszimmer mit dem vertrauten Geruch nach Leder und Pfeifentabak.
»Carlo!«
»Wir haben ihn gefunden, Mercedes!«
»Was sagst du da?«
Die erregte Stimme der Frau klang so, als fürchte und wünsche sie das, was er gesagt hatte, gleichermaßen.
»Du kannst es selbst im Internet oder in der italienischen Presse nachsehen, im Kulturteil jeder beliebigen Zeitung.«
»Bist du sicher?«
»Ganz sicher.«
»Aber was hat er im Kulturteil verloren?«
»Weißt du nicht mehr, was man sich im Lager erzählt hat?«
»Doch, natürlich... dann ist er also... wir werden es tun. Du machst doch jetzt keinen Rückzieher, oder?«
»Natürlich nicht. Du und die anderen ja wohl auch nicht. Ich rufe sie gleich an. Wir müssen uns zusammensetzen.«
»Wollt ihr nach Barcelona kommen? Hier ist Platz für euch alle...«
»Der Ort spielt keine Rolle. Ich rufe später wieder an. Jetzt muss ich erst mit Hans und Bruno sprechen.«
»Bist du auch wirklich sicher, dass er es ist, Carlo? Wir müssen uns Gewissheit verschaffen. Lass ihn überwachen. Wir müssen ihm auf der Fährte bleiben, ganz gleich, was es kostet. Wenn du willst, lasse ich dir sofort einen Betrag anweisen. Nimm die besten Leute, damit wir ihn nicht aus den Augen verlieren...«
»Sei beruhigt, das wird bestimmt nicht geschehen. Ich habe schon das Nötige veranlasst. Ich rufe dich später wieder an.«
»Ich fahre gleich zum Flughafen und nehme die erste Maschine nach Rom. Ich würde hier keine ruhige Minute haben...«
»Bleib, wo du bist, Mercedes. Wir dürfen jetzt keinen Fehler machen. Verlass dich auf mich; er entkommt uns nicht.«
Während er auflegte, empfand er die gleiche Beklemmung, die er der Stimme der Frau angehört hatte. Wie er sie kannte, musste er damit rechnen, dass sie ihn zwei Stunden später vom römischen Flughafen Fiumicino aus anrief. Sie war unfähig, ruhig abzuwarten, jetzt weniger denn je.
Er wählte eine Nummer in Bonn und wartete ungeduldig, dass jemand abnahm.
»Hallo?«
»Ist Professor Hausser zu sprechen?«
»Wer ist am Apparat?«
»Carlo Cipriani.«
»Hier spricht Berta. Wie geht es Ihnen?«
»Ach, liebe Berta. Es freut mich, Ihre Stimme zu hören. Wie geht es Ihrem Mann und den Kindern?«
»Danke, sehr gut. Wir alle würden Sie gern wiedersehen. Die Ferien, die wir vor drei Jahren in Ihrem Haus in der Toskana verbracht haben, waren unvergesslich. Wir können Ihnen nie genug dafür danken. Ihre Einladung kam gerade zu einer Zeit, als Rudolf am Rande der Erschöpfung stand und...«
»Ich bitte Sie, das ist doch nicht der Rede wert. Auch ich würde Sie alle gern wiedersehen. Sie sind mir jederzeit willkommen. Könnte ich Ihren Vater sprechen?«
Der Frau entging die Dringlichkeit in der Stimme des Anrufers nicht, und so sagte sie: »Gewiss. Ich hole ihn.« Besorgt fügte sie hinzu: »Es ist doch nichts vorgefallen?«
»Nein. Ich wollte mich nur einmal mit ihm unterhalten.«
»Da kommt er schon. Bis bald.«
»Ciao, Berta.«
Schon nach wenigen Sekunden meldete sich Professor Hausser.
»Carlo...«
»Hans - er lebt!«
Eine Weile schwiegen beide Männer und hörten nichts als den schweren Atem des anderen.
»Wo ist er?«
»Hier in Rom. Ich bin zufällig auf seinen Namen gestoßen, als ich eine Zeitung überflogen habe. Ich weiß, dass du nichts vom Internet hältst, aber klick einmal die elektronische Ausgabe einer beliebigen italienischen Zeitung an. Da findest du ihn im Kulturteil. Ich habe ein auf Nachforschungen und Sicherheitsaufgaben spezialisiertes Detektivbüro damit beauftragt, ihn vierundzwanzig Stunden am Tag zu beschatten und ihm, falls er die Stadt verlässt, überall hin zu folgen. Wir sollten uns unbedingt zusammensetzen. Mit Mercedes habe ich schon gesprochen. Als nächsten rufe ich Bruno an.«
»Ich komme nach Rom.«
»Ich weiß nicht, ob es gut ist, wenn wir uns hier treffen.«
»Warum nicht? Er ist doch auch dort. Wir müssen es tun, und wir werden es tun.«
»Ja. Nichts auf der Welt kann uns daran hindern.«
»Wir sind uns also einig?«
»Sicher, wenn wir niemanden finden, der es für uns tut. Ich würde es mit eigenen Händen tun. Mein Leben lang habe ich mir vorgestellt, wie es sein würde, wie es sich anfühlen würde... Ich bin mit meinem Gewissen im Reinen.«
»Das, mein Freund, werden wir erst wissen, wenn wir es hinter uns haben. Gott möge uns vergeben oder zumindest verstehen.«
»Warte einen Augenblick. Ich bekomme gerade einen Anruf aufs Handy... Es ist Bruno. Leg auf, ich ruf dich wieder an.«
»Carlo!«
»Bruno, gerade wollte ich dich anrufen...«
»Mercedes hat es mir gesagt... Ist es auch wirklich wahr?«
»Ja.«
»Von Wien ist es nur ein Katzensprung bis Rom. Wo treffen wir uns?«
»Warte doch ab, Bruno.«
»Ich denke nicht daran. Das habe ich fast sechzig Jahre lang getan. Jetzt, wo er aufgetaucht ist, will ich keine Minute länger warten. Ich möchte mit von der Partie sein, Carlo, ich möchte es tun...«
»Wir tun es ja auch. Na schön, kommt von mir aus nach Rom. Ich rufe Mercedes und Hans noch einmal an.«
»Mercedes ist schon auf dem Weg zum Flughafen, und meine Maschine geht in einer Stunde. Du brauchst nur noch Hans Bescheid zu sagen.«
»Ich erwarte euch bei mir.«

Es war Mittag. Doktor Cipriani überlegte, dass ihm noch genug Zeit blieb, rasch in der Klinik vorbeizuschauen und seine Sekretärin zu bitten, dass sie für die nächsten Tage alle Termine absagte oder verlegte. Um die meisten seiner Patienten kümmerte sich ohnehin inzwischen Antonino, sein Ältester, doch manche guten Freunde bestanden darauf, von ihm selbst zu hören, wie es um ihre Gesundheit stand. Das war ihm durchaus recht, weil er auf diese Weise weiterhin am Leben der anderen teilhatte und fortfahren konnte, den Geheimnissen des menschlichen Körpers auf die Spur zu kommen. Doch was ihn letztlich am Leben hielt, war der quälende Wunsch, eine alte Rechnung zu begleichen. Er hatte sich gesagt, dass er erst sterben könne, wenn das erledigt war. Vor wenigen Stunden hatte er in der Peterskirche auf dem Weg zum Beichtstuhl Gott dafür gedankt, dass er ihn diesen Tag hatte erleben lassen.
Er spürte einen stechenden Schmerz in der Brust. Das war nicht etwa der Vorbote eines Infarkts, sondern Beklemmung, nichts als Beklemmung, und Groll auf diesen Gott, an den er nicht glaubte, zu dem er aber betete und mit dem er haderte, fest überzeugt, dass er ihn nicht hörte. Seine Stimmung verdüsterte sich noch mehr, als er merkte, dass er wieder an Gott dachte. Was hatte er mit ihm zu tun? Nie hatte sich Gott um ihn gekümmert. Nie. Er hatte ihn im Stich gelassen, als er ihn am dringendsten gebraucht hätte, als er treuherzig angenommen hatte, es genüge zu glauben, um sich vor dem Grauen zu retten, ihm zu entfliehen. Wie einfältig er gewesen war! Sicherlich dachte er jetzt an Gott, weil man mit knapp siebzig Jahren weiß, dass man dem Tode näher ist als dem Leben, und sich angesichts des unausweichlichen Aufbruchs in die Ewigkeit in der Seele des Menschen die Angst meldet.
Diesmal ließ er sich vom Fahrer des Taxis das Wechselgeld herausgeben. Die vierstöckige Klinik in Parioli, einem ruhigen und eleganten Viertel Roms, war sein Werk, Frucht seines Willens und seiner Mühen. Neben zehn Allgemeinmedizinern arbeiteten dort zwanzig Fachärzte für ihn. Sein Vater wäre stolz auf ihn gewesen, und seine Mutter... Er merkte, dass ihm die Augen feucht wurden. Sie hätte ihn kräftig umarmt und ihm zugeflüstert, es gebe nichts, das er nicht erreichen könne, denn der Wille sei im Stande, alle Widerstände zu überwinden...
»Guten Tag, Herr Doktor.«
Die Stimme des Klinikpförtners rief ihn in die Wirklichkeit zurück. Hoch aufgerichtet und mit festem Schritt trat er ein. Auf dem Weg zu seinem Büro im ersten Stock begrüßte er drei seiner Ärzte und schüttelte einer Patientin, die ihn ansprach, lächelnd die Hand. Am Ende des Ganges erkannte er die schlanke Silhouette Laras. Sie hörte geduldig einer Frau zu, die am ganzen Leibe zitterte und die Hand eines kleinen Mädchens fest umklammert hielt. Nach einer Weile strich sie der Kleinen freundlich über das Haar und verabschiedete sich von der Frau. Lara hatte ihren Vater noch nicht gesehen, und er tat nichts, um sich ihr bemerkbar zu machen. Er würde später in ihrem Büro vorbeischauen.
Als er ins Vorzimmer trat, hob seine Sekretärin Maria den Blick vom Bildschirm des Computers.
»Heute kommen Sie aber spät, Herr Doktor! Hier liegen eine Menge Anrufe vor. Übrigens kommt gleich Herr Bersini. Alle Untersuchungen sind abgeschlossen, und obwohl man ihm versichert hat, dass er kerngesund ist, möchte er unbedingt, dass Sie ihn selbst noch einmal begutachten und...«
»Lassen Sie ihn vor, streichen Sie aber alle anderen Termine. Ich kann einige Tage nicht kommen. Alte Freunde aus dem Ausland haben sich angesagt, und ich muss mich um sie kümmern.«
»Gut, Herr Doktor. Wann werden Sie wieder in die Klinik kommen?«
»Das weiß ich noch nicht. Ich gebe Ihnen Bescheid. Womöglich dauert es eine Woche, höchstens zwei... Ist mein Sohn da?«
»Ja, Ihre Tochter ebenfalls.«
»Die habe ich bereits gesehen. Ich erwarte einen Anruf von Herrn Luca Marini. Stellen Sie ihn bitte auch dann durch, wenn Herr Bersini gerade bei mir sein sollte.«
»In Ordnung, Herr Doktor. Soll ich Sie jetzt mit Ihrem Sohn verbinden?«
»Nein, nein, lassen Sie nur. Sicher ist er im OP; ich rufe ihn später an.«
Er nahm eine der Zeitungen vom Schreibtisch und suchte auf den letzten Seiten. Sein Blick fiel auf die Überschrift »Rom: Welthauptstadt der Archäologie.« Wie es aussah, fand unter der Schirmherrschaft der UNESCO ein Kongress über die Ursprünge der Menschheit statt. Unter den Namen der Teilnehmer sah er auch den des Mannes, den er und seine Freunde seit über einem halben Jahrhundert suchten.
Wie war es möglich, dass er mit einem Mal hier in Rom auftauchte? Wo hatte er sich so lange versteckt gehalten? Wusste niemand mehr, was er vorher getan hatte? Es fiel ihm schwer zu glauben, dass dieser Mann an einem Weltkongress teilnehmen konnte, der unter der Schirmherrschaft der UNESCO stand.
Er empfing seinen einstigen Patienten Sandro Bersini und konzentrierte sich mit geradezu übermenschlicher Anstrengung darauf, sich dessen Beschwerden anzuhören. Er versicherte ihm, dass er kerngesund sei, was auch den Tatsachen entsprach, empfand aber zum ersten Mal in seinem Leben keine Hemmungen, das Gespräch abzukürzen. Er verabschiedete sich unter dem Vorwand, er müsse sich um weitere Patienten kümmern.
Das Klingeln des Telefons ließ ihn zusammenfahren. Er ahnte, dass der Anruf vom Detektivbüro kam.
Dessen Inhaber Luca Marini hatte sechs seiner besten Männer ins Kongresszentrum eingeschleust und teilte ihm jetzt in knappen Worten das Ergebnis der ersten Stunden der Überwachung mit.
Was er hörte, überraschte Carlo Cipriani. Es musste sich um einen Irrtum handeln, es sei denn...
Natürlich! Der Mann, den sie suchten, war älter als sie selbst, und sicher hatte er Kinder gehabt, hatte Enkel...
Enttäuschung und Wut erfassten ihn. Er fühlte sich an der Nase herumgeführt. Da hatte er geglaubt, das Ungeheuer sei wieder aufgetaucht, und jetzt zeigte sich, dass das nicht der Fall war. Doch etwas sagte ihm, dass sie dem Ziel nahe waren, näher als je zuvor. Daher bat er den Mann, die Überwachung fortzusetzen, ganz gleich, wohin sie führte und was sie kostete.
»Papa...«
Antonino war unbemerkt in sein Büro gekommen. Carlo Cipriani gab sich große Mühe, gefasst zu erscheinen, damit sein Sohn nicht merkte, dass ihn etwas beunruhigte.
»Wie sieht es aus, mein Junge?«
»Gut, wie immer. Woran dachtest du gerade? Du hast gar nicht gemerkt, dass ich hereingekommen bin.«
»Du hast die schlechte Gewohnheit deiner Kinderzeit noch nicht abgelegt: Nie klopfst du an.«
»Bitte, Vater, lass es nicht an mir aus.«
»Wovon sprichst du?«
»Ich sehe doch, dass dich etwas bedrückt... Sagst du es mir?«
»Du irrst dich. Alles ist in bester Ordnung. Allerdings kann es sein, dass ich mich eine Weile nicht in der Klinik zeige. Ich sage das nur, damit du Bescheid weißt. Mir ist klar, dass ihr mich hier nicht braucht.«
»Wie kommst du darauf, dass dich hier niemand braucht? Heute bist du wirklich sonderbar. Darf man wissen, warum du nicht kommst? Fährst du irgendwo hin?«
»Ich bekomme Besuch. Mercedes kommt, und außerdem Hans und Bruno.«
Antonino verzog das Gesicht. Zwar wusste er, wie wichtig seinem Vater die Freunde waren, doch zugleich beunruhigten sie ihn. Diese auf den ersten Blick harmlosen älteren Herrschaften hatten ihm schon immer Angst gemacht.
»Du solltest Mercedes heiraten«, scherzte er.
»Red keinen Unsinn.«
»Mama ist seit fünfzehn Jahren tot, und mit Mercedes scheinst du gut auszukommen. Die ist doch auch allein.«
»Schluss, Antonino. Ich gehe jetzt...«
»Hast du schon mit Lara gesprochen?«
»Ich gehe noch auf einen Sprung zu ihr.«
Noch mit über sechzig Jahren bewahrte Mercedes Barreda einen großen Teil der Schönheit ihrer früheren Jahre. Mit ihrem dunklen Teint und den eleganten Bewegungen beeindruckte die hoch gewachsene schlanke Frau, die als einzigen Schmuck zu ihrem beigefarbenen Kostüm Perlenohrringe trug, die Männer. Doch sie hatte nie geheiratet, weil sie, wie sie sich sagte, nie einen ihr ebenbürtigen Mann gefunden hatte.
Als Inhaberin eines Bauunternehmens hatte sie ein Vermögen gemacht, indem sie unaufhörlich arbeitete, ohne sich je zu beklagen. Ihren Angestellten erschien sie als hart, aber gerecht. Nie hatte sie einen von ihnen im Stich gelassen. Sie zahlte angemessene Löhne, sorgte dafür, dass alle versichert waren, und achtete streng darauf, dass jedem sein Recht zuteil wurde. Den Ruf der Härte hatte ihr vermutlich eingetragen, dass sie noch niemand je hatte lachen sehen, nicht einmal lächeln, doch konnte man ihr weder autoritäres Gehabe noch scharfe Worte vorwerfen. Auf jeden Fall flößte ihr Auftreten anderen Achtung ein.
Während sie im Flughafen Fiumicino den endlos langen Weg zum Ausgang zurücklegte, verkündete eine Lautsprecherstimme die Ankunft der Maschine, mit der Bruno aus Wien kam. Wunderbar - da konnten sie gemeinsam zu Carlo fahren. Hans, das wusste sie, war schon vor einer Stunde angekommen.
Mercedes und Bruno umarmten einander. Es war ihre erste Begegnung seit über einem Jahr, doch sie telefonierten häufig und tauschten E-Mails aus.
»Wie geht es den Kindern?«, erkundigte sie sich.
»Sara ist inzwischen Großmutter. Meine Enkelin Elena hat kürzlich ein Kind bekommen.«
»Dann bist du ja Urgroßvater. Für deine siebzig Jahre scheinst du aber noch gut beisammen zu sein. Und was macht dein Sohn David?«
»Nach wie vor unverheiratet, ganz wie du.«
»Und deine Frau?«
»Deborah will nichts von der Sache wissen. Seit fünfzig Jahren streiten wir uns immer um dasselbe. Sie will, dass ich vergesse, und begreift nicht, dass uns das niemals möglich sein wird. Sie war dagegen, dass ich herkomme. Sie hat große Angst, auch wenn sie es nicht zugibt.«
Mercedes nickte. Sie konnte mit ihr fühlen und hätte ihr weder wegen ihrer Ängste noch wegen ihres Wunsches, Bruno möge zu Hause bleiben, Vorhaltungen gemacht. Deborah war eine Seele von Mensch, liebenswürdig und zurückhaltend, stets bereit, anderen zu helfen. Allerdings begegnete sie Mercedes nicht mit demselben Verständnis, das diese für sie aufbrachte. Zwar hatte sie Mercedes, als diese Bruno in Wien besuchte, empfangen, wie sich das für eine gute Gastgeberin gehört, doch war es ihr nicht gelungen, die Angst zu verbergen, die sie vor der »Katalanin« empfand, denn so, das wusste Mercedes, nannte Deborah sie.

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