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Warum ich dann nur vier Sterne vergebe?
Ganz einfach: Die zahlreichen Musterbeispiele sind in der Erstversion *extrem* falsch gestaltet und formuliert. Klebt wirklich noch jemand ein Urlaubsphoto von sich auf den Lebenslauf?! Gibt es tatsächlich Bewerberinnen und Bewerber, die statt des genauen Datums „im Frühjahr 2005" angeben oder einen Smilie integrieren, wenn sie ein Anschreiben gestalten?
Ein weiterer Kritikpunkt ist in meinen Augen, dass die Autoren konsequent die ideale Person für den angegebenen Ausbildungsplatz kreieren. Beispiel „Nadine Ehrenbrecht", die Bankkauffrau werden möchte. In ihrem selbst gestalteten Lebenslauf findet sich nur die lapidare Eintragung: „Schulpraktikum März 2004". Weder, wo sie tätig war, noch was sie dort genau gemacht hat, wird erwähnt. In der Überarbeitung wurde aus diesem Punkt:
„Praktikum und Jobs
seit 11/2003 am Wochenende Aushilfe im Bistro Amadeo, Bedienung und Abrechnung der Einnahmen
02/2004 bis heute Promotion für Vodafon, Standbetreuung, Kundenansprache, Verteilen von Werbematerial
03/2003 Praktikum in der Kreissparkasse Pfullendorf, Teilnahme an Kundengespräche [...]" (S. 25)
Wenn eine Bewerberin derartige Vorerfahrungen vorzuweisen hat, wird sie diese wohl kaum im Lebenslauf verschweigen, schließlich hat das ganze Engagement einen Grund <g>. Darum wirkt das Ganze viel zu konstruiert und ist einfach zu ideal auf den jeweiligen Ausbildungsbetrieb zugeschnitten. Welche/r Jugendliche, die/der mit 15-19 Jahren die Schule verlässt, um eine Ausbildung zu beginnen, hat derartig viel zu bieten und bereits gemacht? Realität ist doch eher, dass es sich, gerade bei jüngeren Schulabgängerinnen und Schulabgängern, um Menschen handelt, die einmal im Leben ein Schulpraktikum gemacht haben, weil es Pflicht war und einfach „irgendwo" hingegangen sind, vielleicht beim Girls Day tatsächlich einen Betrieb besichtigt und sich nicht nur einen netten freien Tag gemacht haben und als kleinen Job *höchstens* Zeitung austragen und Babysitting aufführen können. Manche haben neben der Schule *gar nichts* gemacht. Wie kann man auch aus diesen Lebensläufen mehr herausholen?
Ich hätte mir als Mustertexte eher Bewerbungen gewünscht, die bereits in der ersten Version relativ gut gestaltet sind, aber dennoch Fehler enthalten, die sich ausmerzen lassen würden. Außerdem sollten die Beispiele etwas realitätsnäher angelegt sein und auch weniger ideal Bewerber/innen präsentieren.
Alles in allem für Anfänger dennoch zu empfehlen! Nach der Lektüre wird einem auf jeden Fall bewusst, wie ungemein wichtig es ist, Praktika und Ferienjobs zu machen.
Püttjer/Schnierda sind seit 1992 im Geschäft und wurden für das damals unangefochtene Duo Hesse/Schrader schnell zur Konkurrenz. Die PS-Bewerbungsmappen sind alle nach dem gleichen Prinzip aufgebaut und bestechen durch das freundliche, klare und konsequente Layout, das die Methode der „Vorher-Nachher" wirkungsvoll unterstützt. Die „Profil-Methode" beruht auf drei Kernelementen: Passgenauigkeit, Stärkeorientierung und Glaubwürdigkeit. Und um diese graue Theorie in farbige Praxis umzusetzen liefern die Autoren zehn exemplarische Beispiele. Zuerst, wie man es nicht machen soll, dann die Version mit höheren Erfolgswahrscheinlichkeit. Die schlechten Beispiele sind nicht aus der Luft gegriffen, oder wenn, dann sind es tolle Kunstgriffe. Denn ähnliche Versionen lagen alle schon real auf meinem Schreibtisch. Die Kommentare zu den Fehlern sind präzis und ohne sprachliche Verbrämungen. „bla,bla,bla," versteht jeder. Die korrigierten, guten Beispiele sind ebenfalls mit erhellenden und knappen Anmerkungen versehen, aus denen sich eigene Schlüsse ziehen lassen.
Dem Beispielteil, der das Kernstück der Mappe ist, folgen zehn Seiten mit Tipps und Checklisten. Das reicht! Denn meine frühere Erfahrung als Marketingleiter eines grossen Arbeitsamtes zeigte mir, dass mehr Theorie, dickere Bücher und noch mehr Kurse das Endresultat nicht verbessern. Hart gesagt, entweder man packt eine Bewerbungsmappe wie die von Püttjer/Schnierda - oder man packt es nicht.
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