Wer glaubt, die Jagd nach seltenen Pflanzen sei eine Erscheinung der Neuzeit, der irrt gewaltig. Renate Hücking, ausgewiesene Expertin in der Geschichte der Gartenkultur, beschreibt in ihrem Buch "Die Beute der Pflanzenjäger" überaus spannend und bemerkenswert detailreich die Expedition, die Pharaonin Hatschepsut weit nach Süden in das Land Punt schickte, auf der Suche nach dem begehrten Weihrauchbaum Boswellia. Die Reise ist in einem ägyptischen Relief auch 3400 Jahre später noch bestens dokumentiert, aber sie ist nur eine von unzähligen Abenteuern, die Pflanzenjäger seitdem auf allen Kontinenten zu bestehen hatten.
Mindestens genauso interessant ist die ungewöhnliche Lebensgeschichte von John Bartram, einem Quäker aus Pennsylvania, der im 18. Jahrhundert fast zufällig vom Farmer zum geachteten und hochdekorierten Botaniker avancierte. Der Mann, dessen Name außerhalb von Fachkreisen kaum bekannt ist, baute einen international erfolgreichen Pflanzenhandel auf und begründete die Nordamerika-Mode in englischen Gärten der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sein Sohn William entdeckte das einzige bekannte Exemplar des herrlich blühenden Franklinbaums, noch heute eine echte botanische Rarität, dessen Nachkommen übrigens weltweit in einem Register zentral verwaltet werden.
Engelbert Kaempfer brachte es dagegen als reisender Forscher im Iran, Java und vor allem Japan bereits im 17. Jahrhundert zu Ruhm und Ehren. Seine Biografie ist so unglaublich schillernd und spannend, dass man fast vergisst, dass er in einer Zeit ohne Flugzeug, Telefon und Internet lebte, so abwechslungsreich verlief sein Leben.
Renate Hücking beschreibt die Pflanzenjäger hautnah und so lebendig, als sei sie selber bei der Jagd dabei gewesen. Brillant recherchiert und mit journalistischer Akribie rekonstruiert sie nicht nur den Lebensweg, sondern lässt auch die Personen aus dem Dunkel der Geschichte treten. Getrieben von Abenteuerlust und der Suche nach Erkenntnis, wie die Weltumsegler Georg und Reinhold Foster, vom Ehrgeiz gepackte Egomanen wie der Pflanzensammler Joseph Franz Rock im republikanischen China oder einfach nur Menschen, denen der Zufall eine weltbewegende Entdeckung zuspielte, wie dem Australier David Noble, der den Urweltbaum Wollemia nobilis in einem von Menschen unberührten Canyon in den Blue Mountains wiederfand. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie der Faszination der Pflanzenwelt verfallen waren (oder sind) und sich für ihre Formenvielfalt, Anpassungsfähigkeit und Schönheit begeistert haben.
Aus diesen Geschichten ist ein überaus spannendes und lesenswertes Buch entstanden, das jeden Pflanzenfreund begeistern wird. Und wer noch mehr zu diesem außergewöhnlichen Thema erfahren will, dem empfehle ich noch "
Pflanzenjäger: In fernen Welten auf der Suche nach dem Paradies" von Kej Hielscher und Renate Hücking mit acht weiteren Biografien von Jägern nach dem grünen Gold.