Produktinformation
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Luzie und Dietmar finden sich, ohne sich gesucht zu haben, und beschließen, für immer zusammenzubleiben. Luzie: eine Spätaussiedlerin, ihr ganzer Stolz ist ihre kleine Wohnung mit den Statussymbolen, die sie sich erarbeitet hat. Ihre kleine Welt dreht sich um diese Wohnung, die Gänge zum Friedhof, um das Grab der Mutter zu pflegen, ihren Job und ihren Kleingarten. Dietmar: ein Gelegenheitsarbeiter, der durch seine Unbedarftheit ins Straucheln geraten ist und sich offenbar nichts mehr wünscht als einen festen Halt im Leben. Den findet er bei Luzie - und diese wiederum hat wieder jemanden, um den sie sich kümmern kann. Man hat eher das Gefühl, die beiden führen eine Mutter-Sohn-Beziehung und keine Partnerschaft. Dennoch sind sie glücklich miteinander, verloben sich unterm Weihnachtsbaum (Was für eine Szene! Groß!). Doch dann wird Dietmar von seiner Vergangenheit eingeholt...
Rosa von Praunheim läßt Anfang der 70er Jahre Laien vor der Kamera einfach agieren, greift - bis auf die Rahmenhandlung - nur wenig ins Geschehen ein. Was dabei herauskommt, ist ein einfach ganz überragendes Soziogramm, und ein witziger Film - der Mief aus deutschen Wohnzimmern und Kleingärten (mit Plumpsklos schön wie alte Bauernhäuser... *gacker*) weht einem mit Stärke 12 entgegen, und man findet's einfach "wunterbaar" (würde Darsteller Dietmar sagen)!!!! Hier gibt es keine geschliffenen Dialoge - Dietmar und Luzie reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, was besonders bei Dietmar eigenwillige Satzcreationen hervorbringt. Und es ist einfach herrlich, wenn Luzie beim Tanztee die "schöne Lüftung" des Etablissements lobend erwähnt...
Und obwohl es oft zum Kaputtlachen ist, gibt Praunheim seine Protagonisten dennoch nie der Lächerlichkeit preis. So war es eben, damals, Anfang der 70er, mit den Träumen und den oft mühsam erarbeiteten Statussymbolen deutscher Kleinbürgerlichkeit... Zu Beginn des Films zeigt uns Luzie ausgiebig ihren offensichtlich ganzen Stolz - ihre ADO-Wasserfall-Gardinen. Und man erfährt, daß die Perücke damals topmodisch war - ich mußte beim Ansehen immer an meine eigene Mutter denken, die trug damals auch eine Perücke (obwohl ihr eigenes Haar schön genug war, aber so war die Mode eben), genau wie Luzie es ständig tut.
Fazit: ein toller Film über die frühen 70er, sicher nicht jedermanns Sache - aber auf jeden Fall wirklich sehenswert!!!
Zur Handlung:
In „Die Bettwurst“ lernen sich der junge Dietmar und die schon wesentlich ältere Luzy in Kiel kennen und lieben. Unzufrieden mit ihrer momentanen Situation, mit ihrer Vergangenheit und bereit für einen Neuanfang, passen sie so perfekt zueinander. Sie ziehen schliesslich zusammen und führen fortan ein harmonisches Leben zu zweit. Dietmar wird jedoch von seinem früherem Leben im halbseidenen Milleu eingeholt und Luzy von seinen früheren „Freunden“ entführt. In einer verweifelten Rettungsaktion befreit er sie schliesslich aus den Fängen der Entführer und beide können in einem Sportflugzeug in eine ungewisse Zukunft und ihrem Happy End entfliehen.
„Die Berliner Bettwurst“ startet in Berlin und zeigt, wie Dietmar und Luzy sich zu einem Leben in der geteilten Stadt entschliessen, hauptsächlich angezogen durch zahlreiche Vergünstigungen und Darlehen, die die Stadt damals für Übersiedler zu bieten hatte. Sie heiraten in der Gedächtniskirche und richten sich mit dem erlangtem Geld neu ein. Wiederum gerät Dietmar allerdings auf die schiefe Bahn zurück und treibt sich monatelang mit „Haschbrüdern“ herum, während Luzy in dieser Zeit einem Hochstapler aus dem Showbiz (gespielt von „Mr. Wunnebar“ Lou van Burg!) auf dem Leim geht. Der Tod von Luzys Hund führt die beiden letztendlich wieder zusammen und sie beschliessen erneut von vorne anzufangen.
Fazit:
Mit Worten diesen beiden Werken gerecht zu werden, ist in der Tat nur schwer möglich. Liebhaber des grotesk überzeichneten und bizarrem Films werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Wer eher nur auf Blockbuster und durchgestylte Streifen (sprich: vorhandenes Drehbuch, professionelle Schauspieler, ausgereifte Schnitttechnik, brilliante Kameraführung usw.) steht, sollte tunlichst die Finger von dieser DVD lassen.
Die Ausstattung des Silberlings ist durch den Bonusfilm schon mehr als üppig (dadurch sozusagen ein Double Feature). Zusätzlich sind noch ein 16-minütiges Special über die im Jahr 2000 verstorbene Luzy Kryn, zwei Trailer, Fotogalerien, Filmkritiken, Biografien und Filmografien zu finden, was den Kauf mehr als gerechtfertigt. Die Qualität ist zwar gerade beim Bonusfilm nicht sehr berauschend, was aber durch das Ausgangsmaterial zu begründen ist, welches schon damals nicht gerade hochwertig war. Interessanterweise erscheint vor dem Bonusfilm eine Entschuldigung für die nur durchschnittliche Qualität.
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