Agnes ist mit ihrem Auto auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Das Radio läuft, sie wickelt ein Bonbon aus und steckt es in den Mund - plötzlich hat sie einen Mann überfahren. Sie reagiert völlig ruhig und sachlich. Er muss vom Balkon gesprungen sein" , wo solle er sonst hergekommen sein" , erklärt sie später dem Polizisten. Sie kommt zu spät zu ihrem eigenen Geburtstag, auch das scheint ihr egal.
Agnes ist erfolgreiche Neurowissenschaftlerin, hat einen tollen Mann, eine hübsche Tochter, ein Wahnsinns-Haus. Nur ein eigenes Leben irgendwie nicht, bzw. ihr Leben scheint ohne sie statt zu finden, als sei sie nur Beobachterin davon. Und doch versteht man... Nicht jedem ist die Exaltiertheit und Kontaktfreudigkeit ihrer Schwester gegeben. Sie ist eben anders, kann ihre Gefühle nicht so einfach ausdrücken. Sie wirkt unbeholfen im Umgang mit ihrer Tochter, selbst mit ihren Mann. Eine erfolgreiche Kommunikation findet zwischen beiden eigentlich nur dann statt, wenn sie gemeinsam über den Fortgang des Krimis, an dem er grade schreibt nachdenken. Zuerst verweigert sie auch das: So etwas darfst du mich nicht fragen." Doch im Laufe des Filmes wird der entstehende Krimi zum Indikator für ihre Befindlichkeit und zum Begegnungspunkt beider Ehepartner. Schön, wie Lola Randl solche kleinen Motive konsequent im gesamten Film verwendet und entwickelt. Auch bemerkenswert wie genau sie ihre Figuren und deren Beziehung zueinander zeichnet. Sie verliert auch nicht die kleinste Nebenfigur aus dem Auge (wie zum Beispiel die Arzthelferin von Agnes.).
In der fremden Wohnung in der sie die Blumen gießen soll, findet sie Spuren eines fremden Schicksals, das Rätsel birgt und ihr Interesse weckt. Sie findet in der Begegnung mit dem Fremden etwas Ungewisses, Unvorhersehbares, das sie reizt. Langsam scheint sie aus ihrer Starre zu erwachen.
Am Ende ist Agnes wieder bei einer Autofahrt zu sehen. Wieder steckt sie sich ein Bonbon in den Mund. Doch etwas ist anders. Agnes weint.
Lola Randl bewies auch bei der Besetzung ein äußerst glückliches Händchen. Absolut überzeugend als Agnes ist Sylvana Krappatsch, hier in ihrem Kinodebüt. Seit 2005 ist sie Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Zuvor war sie u.A. am Schauspielhaus Zürich. Samuel Finzi ist gebürtiger Bulgare, jüdischer Abstammung. Er spielt derzeit am Deutschen Theater, zuvor war er u.A. an der Volksbühne Berlin. Als AgnesŽ Ehemann Walter, ist er wohl der Sympathieträger des Filmes. Der deutlich ältere Luxemburger André Jung, arbeitet an verschiedenen großen Häusern mit renommierten Regisseuren und ist auch in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen gewesen. Er überzeugt als vom Schicksal schwer getroffener Mann, der sich in Verzweiflung und Verdrängung an Agnes klammert.
Die DVD enthält zusätzlich zum Film ein Interview mit der Regisseurin.