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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Fremd im eigenen Leben,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Besucherin (DVD)
Mit ihrem 2008 entstandenen ersten deutschen Spielfilm "Die Besucherin" scheint die 1980 geborene Münchener Autorin und Regisseurin Lola Randl Missverständnisse geradezu zu provozieren. Wikipedia rollt nicht nur orthografisch völlig neben der Spur. Andere ergehen sich darin, man hätte (dazu noch erfolglos) einen "französischen" Film drehen wollen - nun, bei näherer Betrachtung hat "Die Besucherin" wenig, was man dort zu sehen gewohnt ist. Agnes (Sylvana Krappatsch, 43), mit dem symbolträchtigen Namen "das Schaf", hat im Leben "alles richtig gemacht": Sie ist als Wissenschaftlerin etabliert, hat mit dem Krimi-Autor Walter (Samuel Finzi, 43) einen sympathischen Mann und eine kreative Tochter (Isabel Metz) - und natürlich das hübsche Arrivierten-Häuschen am Waldrand samt BMW zum Heimfahren. Dafür hatte sie wohl ihren Preis bezahlen müssen. Agnes wirkt fast schon bulimisch, sie kleidet sich teuer, aber antiseptisch. Die Zurücknahme beschränkt sich nicht auf den Körper und die Kleidung, sondern betrifft auch auf ihren Umgang mit anderen und ihr Desinteresse an allem, was nicht funktional erforderlich scheint. Zum runden(?) Geburtstag lauern ihr schon die Freunde zur Überraschungs-Party auf. Auf der Fahrt nach Hause fällt ihr ein Mann geradezu vom Himmel unter das Auto. Sie geht scheinbar cool mit der Situation um, erscheint sogar kommentarlos zu ihrer Party. Aber in der Folgezeit läuft sie nur noch wie ein Untoter durch ihr Leben. Sie frustriert ihre Bezugspersonen, das Einzige, was sie wirklich interessiert, ist das zunächst undurchschaubare Schicksal der früheren, ihr unbekannten Bewohner einer Wohnung, um die sie sich kümmern soll. Sie hört die Botschaften auf dem Anrufbeantworter ab, liest die Post und beginnt, die Geschichte der fremden Menschen aufzufieseln: Theresa hatte ihren Mann Bruno wegen eines anderen verlassen - der reist mit einer anderen Frau nach Korsika. Theresa reist ihm nach, beobachtet die Beiden und stirbt kurz darauf bei einem Unfall. Einem Auto-Unfall. Für Agnes scheint sich ein Kreis zu schließen. Sie legt sich in Theresas Bett, fühlt sich in die Rolle der Fremden ein, als Bruno die Wohnung betritt. Bruno (André Jung, 55) legt sich schweigend hinter Agnes/Theresa in das Bett. Ohne sich anzuschauen, ohne einen Ton paaren sich die Beiden. Eine hoffnungslose Beziehung zwischen zwei Verlorenen, die ihr Leben nicht mehr finden können und in der/dem Fremden einfach ein wenig Trost suchen, beginnt. Doch Agnes ist noch nicht am Ende ihres Wegs angekommen, geht ihren Obsessionen immer ungehemmter nach. Die Einschläge kommen daher zwangsläufig näher. Die Tochter stiehlt in der Schule. Die ziemlich widerliche Schwester Karola (Jule Böwe, 39) schmeißt sich provokativ an den Gatten ran. Agnes bricht die Sache mit Bruno ab und schneidet mit ihren schönen Haaren ein weiteres, letztes Stück von sich auf Minimalfunkton zurück. Walter möchte die Trennung: "Ich kann nicht mehr." "Die Besucherin" passt nicht nur auf die Ausflüge in die fremde Wohnung. Wenn man das eigene Leben, das eigentlich immer nur aus Regelbefolgung bestanden hat, wie eine "Besucherin" gelebt hat, kommt zwangsläufig irgendwann die Krise. Der bei Männern gerne gebrauchte und arithmetisch recht schmeichelhafte Modebegriff Midlife-Crisis passt hier auch sehr genau auf Agnes. Wenn man immer nur alles gemacht hat, weil man es eben so tut, kommt der Punkt, an welchem man erstmals beginnt, zu überlegen, was man eigentlich möchte. Die überholten Einstellungen müssen einer Durchleuchtung unterzogen werden, die Seele erfährt eine Katharsis. Lola Randt zeigt uns diesen Prozess in zwar lehrstückhafter, aber auch unprätentiöser und somit sehr eindringlicher und glaubwürdiger Weise. Dass sie darauf verzichtet, fortwährend über Ursache und Wirkung aufzuklären, verdeckt möglicherweis bei manchem, dass sich die Entwicklung im Handeln der Agnes und den Reaktionen ihres Umfelds überdeutlich manifestiert. Erstaunlich, wie gut die versammelten Theaterschauspieler mit dem intimen Fernsehfilm zurechtkommen - lediglich André Jungs gelegentliche Clownereien hätte ich vielleicht gerne weniger eitel gesehen, aber darüber kann man sicher streiten. Dafür hätte die Kamera neben der ausführlich gezeigten ausgemergelten Agnes ruhig auch die genauso kranke übergewichtige Nacktheit des Bruno zeigen können - beides Körper, die stumm gegen die Lebensführung ihrer Besitzer protestieren. Wenn man während des Films selbst gelegentlich wie ein Rohrspatz geschimpft hat, darf man sich über die Verstörung anderer nicht wundern. Aber aus eigener Erfahrung möchte ich auch den "Besuchern", die zunächst enttäuscht waren, nahelegen, dem m.E. bei näherer Betrachtung wirklich besonderen Stück eine zweite Chance zu geben. Im Original 104 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film, Dolby (IMDB) Gesehen in Deutsch, 101 Minute, Format 1,85:1 in SD jury 5* A0480 6.2.2011e 12 A Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Beobachterin,
Rezension bezieht sich auf: Die Besucherin (DVD)
Agnes ist mit ihrem Auto auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Das Radio läuft, sie wickelt ein Bonbon aus und steckt es in den Mund - plötzlich hat sie einen Mann überfahren. Sie reagiert völlig ruhig und sachlich. Er muss vom Balkon gesprungen sein" , wo solle er sonst hergekommen sein" , erklärt sie später dem Polizisten. Sie kommt zu spät zu ihrem eigenen Geburtstag, auch das scheint ihr egal.
Agnes ist erfolgreiche Neurowissenschaftlerin, hat einen tollen Mann, eine hübsche Tochter, ein Wahnsinns-Haus. Nur ein eigenes Leben irgendwie nicht, bzw. ihr Leben scheint ohne sie statt zu finden, als sei sie nur Beobachterin davon. Und doch versteht man... Nicht jedem ist die Exaltiertheit und Kontaktfreudigkeit ihrer Schwester gegeben. Sie ist eben anders, kann ihre Gefühle nicht so einfach ausdrücken. Sie wirkt unbeholfen im Umgang mit ihrer Tochter, selbst mit ihren Mann. Eine erfolgreiche Kommunikation findet zwischen beiden eigentlich nur dann statt, wenn sie gemeinsam über den Fortgang des Krimis, an dem er grade schreibt nachdenken. Zuerst verweigert sie auch das: So etwas darfst du mich nicht fragen." Doch im Laufe des Filmes wird der entstehende Krimi zum Indikator für ihre Befindlichkeit und zum Begegnungspunkt beider Ehepartner. Schön, wie Lola Randl solche kleinen Motive konsequent im gesamten Film verwendet und entwickelt. Auch bemerkenswert wie genau sie ihre Figuren und deren Beziehung zueinander zeichnet. Sie verliert auch nicht die kleinste Nebenfigur aus dem Auge (wie zum Beispiel die Arzthelferin von Agnes.). In der fremden Wohnung in der sie die Blumen gießen soll, findet sie Spuren eines fremden Schicksals, das Rätsel birgt und ihr Interesse weckt. Sie findet in der Begegnung mit dem Fremden etwas Ungewisses, Unvorhersehbares, das sie reizt. Langsam scheint sie aus ihrer Starre zu erwachen. Am Ende ist Agnes wieder bei einer Autofahrt zu sehen. Wieder steckt sie sich ein Bonbon in den Mund. Doch etwas ist anders. Agnes weint. Lola Randl bewies auch bei der Besetzung ein äußerst glückliches Händchen. Absolut überzeugend als Agnes ist Sylvana Krappatsch, hier in ihrem Kinodebüt. Seit 2005 ist sie Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Zuvor war sie u.A. am Schauspielhaus Zürich. Samuel Finzi ist gebürtiger Bulgare, jüdischer Abstammung. Er spielt derzeit am Deutschen Theater, zuvor war er u.A. an der Volksbühne Berlin. Als Agnes´ Ehemann Walter, ist er wohl der Sympathieträger des Filmes. Der deutlich ältere Luxemburger André Jung, arbeitet an verschiedenen großen Häusern mit renommierten Regisseuren und ist auch in zahlreichen Fernseh- und Kinoproduktionen zu sehen gewesen. Er überzeugt als vom Schicksal schwer getroffener Mann, der sich in Verzweiflung und Verdrängung an Agnes klammert. Die DVD enthält zusätzlich zum Film ein Interview mit der Regisseurin. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Die Besucherin,
Rezension bezieht sich auf: Die Besucherin (DVD)
Ich habe die DVD gekauft, weil ich Samuel Finzi als Schauspieler sehr mag.
Hätte er nicht mitgespielt, hätte ich den Film wahrscheinlich nach einigen Minuten wieder ausgemacht. Die Atmosphäre war von Beginn an sehr beklemmend. Ich bin zu keiner Zeit richtig in den Film hineingekommen. Was nicht heißt, dass ich ihn nicht verstanden hätte. Es gab an diesem Film nichts, was man nicht hätte verstehen können. Agnes, erfolgreich im Beruf, verheiratet mit einem netten Mann, ein großes Haus, eine pubertierende Tochter. Soweit so gut, doch irgendwas fehlt Agnes in ihrem Leben, sie sucht nach etwas Neuem. Und findet es bald in einem Mann, den sie durch das Blumen gießen in einer fremden Wohnung kennenlernt. Der Mann und die Szenen im Bett fand ich übrigens eher abstoeßend als erotisch. So nimmt die Geschichte ihren Lauf, das Ende wird mehr oder weniger offen gelassen. Alles in allem ein Film, der nicht fröhlich macht, aber aufgrund mangelndem Inhalts auch nicht zum Nachdenken bringt. Ein typusch deutscher Film, immer leicht mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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