"Die Bestien" - der Name hat Programm, und einen besseren hätte man diesen kaputten Kreaturen, die eigentlich Menschen sind, auch nicht geben können.
In Brett McBeans neuen Roman bleibt auch schon wie in "Die Mutter" kein Auge trocken, denn auch hier ist er absolut schonungslos in der Sprache und kompromißlos in der Wortwahl. Hier fällt auch schon mal das ein- oder andere Wort aus der Richtung der Fäkalsprache, was aber unter diesen Umständen auch passend, vielmehr sogar angebracht ist. McBean bettet nichts und niemanden auf Watte, denn selbst das Perversitätenkabinett hat er eigens für diesen Roman geöffnet und bis hin zur Leichenschändung ist alles vertreten. Den Abschluß bilden die gut gezeichneten Figuren, denn sie machen es dem Leser erst möglich, sich hinab in die Welt der Kranken zu begeben und sie hautnah zu erleben. "Die Bestien" ist in jedem Fall ein Thriller (mit einer extra Portion Horror) der härteren Gangart, und wer zartbesaitet ist dem sei gesagt, bitte weiter gehen und das Buch im Regal stehen lassen.
McBean will provozieren, will mit dem Finger aufzeigen und ihm ist jedes Mittel dabei recht, um auf offene Ohren zu stoßen. Er zeigt dem Leser die zwei Arten von Menschen die es benötigt, um etwas derart Abartiges überhaupt durchzuziehen zu können. Da sind zum einen diejenigen, die vor Überheblichkeit, Arroganz und Selbstherrlichkeit nur so strotzen, und sich mit ihrem Handeln über sämtliche Gesetze hinwegsetzen. Und dann gibt es die zweite Sorte Menschen, die es durch ihre Blindheit, Taubheit und vielleicht auch durch ihre Angst, den Verbrechern erst ermöglichen, ihre Taten unbehelligt zu vollbringen.
Zur Story:"In der beschaulichen Kleinstadt Billings treiben ein skrupelloser Polizeichef, ein paar Angestellte und einige auserwählte Bürger ein makabres und abartiges Spiel, bei dem sie das Gesetz und die Ordnung nach ihren Spielregeln auslegen. Viele Jahre gingen ihre Machenschaften gut, niemand ahnte etwas, oder vielmehr - wollte nicht sehen was wirklich vorgeht. Bis eines Tages durch Zufall Jim Clayton in der Stadt landet. Nachdem dieser schon kurze Zeit nach seiner Ankunft einem jungen Mädchen hilft, das vom Polizeichief geschlagen wird, wird er von anderen Cops überwältigt und zu einer Hütte in den Bergen verschleppt. Diese ist im wahrsten Sinne des Wortes der Schauplatz des Bösen. Etwas früher als Jim taucht Craig bei der Hütte auf. Er floh vor den "toten" Tieren, die ihn durch den Wald verfolgten und verletzen und hoffte dort oben auf Hilfe. Diese bekommt er aber nicht wirklich , denn das einzige was er dort zu sehen bekommt, entzieht sich seiner Vorstellungskraft...Für Jim und Craig hat das Grauen begonnen, nur für jeden auf eine andere Art...
Wie man auch schon dem Klappentext entnehmen kann, ist es natürlich nicht "nur" eine Jagd, nein - es ist in der Tat viel mehr. Was wie ein herkömmlicher Thriller "ala" David Osbornes "Jagdzeit" beginnt, entpuppt sich schnell als viel komplexer und umfangreicher. Denn eigentlich sind es zwei Erzählstränge, die aber von Anfang an miteinander verschmelzen und zusammengehören. Diese Mischung der zwei Stränge macht diesen Roman erst zu einem richtigen Highlight und ist wie das Salz in der Suppe. Zum einen ist da Jim, der aufgrund der Auseinandersetzung mit dem Chief zur Jagd "freigegeben" ist, und zum andern ist da Craig, der seine in einer Dose gefangenen Seele verkaufen will, um endlich von den grauenhaften Schmerzen befreit zu werden.