Man kennt es eigentlich zur Genüge aus den Medien: Die aufbauschende negative Berichterstattung über die Branche des Bestattungswesens. In TV-Beiträgen werden negative Beispiele eines Bestatters angeprangert - und alles wird so dargestellt, dass der Zuschauer glauben muss, dies sei die Tagesordnung bei allen Bestattern. Als Zeugen: irgendwelche Kapuzenmänner, deren Stimme verfremdet ist...
Und auf diesen Zug springt auch Peter Waldbauer auf. Sicher hat er in einigen Dingen Recht. Aber ich muss mich sehr wundern, wenn er behauptet, dass sich in der Bestattungsbranche die "abstoßendsten Typen und Charaktere" versammeln und sich das dann liest, als bestehe die Branche nur aus "notorische Trinker und Asoziale, Straftäter und Zuhälter, Psychopathen und Nekrophile". (S. 20)
Wie sieht es in den Reihen der Autoren (oder anderen Branchen) aus? Vielleicht mag es den einen oder anderen Typen geben. Das ist sicher nicht die Regel, wie es der Autor darstellt, sondern die Ausnahme. Es ist absurd, immer alles zu verallgemeinern. Warum werden nie konkrete Beispiele mit Namen genannt? - Dann hätte auch die Branche selbst die Chance die schwarzen Schafe anzuprangern und dagegen vorzugehen.
Man gewinnt beim Lesen des Buches permanent den Eindruck: Jedes Mal wenn ein Bestatter für seine Dienstleistung etwas berechnet, dann ist er der Buhmann, der Abzocker. Der Autor will bei mehreren Bestattungsunternehmen gearbeitet haben: "Als Bestattergehilfe blieb ich, was eventuelle Bereicherungsabsichten betraf, auf die bloße Rolle des Zuschauers festgelegt..." (S. 17) Führte er seine Tätigkeit ehrenamtlich aus und hat keinen Lohn angenommen? Sonst hätte er sich ja auch am Geschäft mit dem Tod" bereichert. Müsste nach den Darstellungen des Autors nicht jeder ein Abzocker sein, der für eine Leistung Geld bekommt - einschließlich der Arbeitnehmer in jeder Branche!
Auch scheint es mit den Kenntnissen im Bestattungswesen nicht weit her zu sein. So heißt es auf Seite 20: Die amtliche Leichenschau ist die Grundvoraussetzung jeder Bestattung." Das ist falsch! Richtig müsste es heißen: Die ärztliche Leichenschau..." Und die kann von jedem niedergelassenen Arzt durchgeführt werden. Von Amtswegen, also durch einen Amtsarzt, erfolgt eine Leichenschau nur als zusätzliche Leichenschau bei einer Feuerbestattung.
Seit wann ist für die Handwerksrollen (egal, ob A oder B) die Industrie- und Handelskammer zuständig? Auch dass eine absolute Falschinformation des Autors Peter Waldbauer. Für die Handwerksrollen ist nach wie vor die Handwerkskammer zuständig!
Bei soviel Falschinformationen auf den ersten 33 Seiten verliert man die Lust am Weiterlesen. Der Text basiert zum Großteil auf Hörensagen und Gerüchten, wie der Autor selbst zugibt. Auf Grund der zahlreichen sachlichen Fehler kann eine eigene Recherche nicht erfolgt sein. Schade, dass der Ottonormalverbraucher alles glauben muss, was hier in gedruckter Form eines renommierten Verlages kommt. Ein kompetentes Lektorat zu diesem Thema hat das Manuskript wohl nie gesehen...