Es beginnt scheinbar traditionell mit einem Liebesbrief an eine Felicitas, den ein Mann, später als Felix Seyner ausgewiesen, unter großem Druck mit der Hand schreibt. Schon das muß auffallen im Zeitalter totaler Telekommunikation. Die Antwort auf diesen Brief, adressiert an den "armseligen Verrückten", offensichtlich von Felicitas, korrigiert die Erzählung. Eine weitere Variante der Ereignisse gibt der Bericht einer autonomen Untersuchungsbehörde über den Fall Felix und Felicitas. Diese Dokumente schließlich sind als Teile eines Buches ausgewiesen, das ein Centralinstitut für Biographik herausgegeben hat. Das Buch sei "ausschließlich unter Verwendung authentischen Erinnerungsmaterials existenter oder existent gewesener Personen entstanden", wird behauptet. Martin Grzimeks neuer Roman "Die Beschattung" spielt in einer künftigen Gesellschaft und ist trotz alledem ein Zeitroman. Er schildert das Leben des Felix Seyner, der als Interviewer für eben jenes Centralinstitut für Biographik arbeitete, das später die Materialien über sein Leben veröffentlicht, aus verschiedensten Perspektiven. Und es gibt zugleich auf sehr ausgeklügelte Weise ein Bild vom totalen Versorgungs- und Überwachungsstaat. Jeder Widerstand gegen dieses System ist unmöglich. Er wird sofort erfaßt und als Dokument des Lebens medial integriert. Eine Variante von Orwells "1984", geschrieben aus der Perspektive der 80er Jahre. Der Roman macht Angst, er führt die Mechanismen der Kontrolle vor allem auch sprachlich vor: die lebendige und chaotische Sicht auf die Welt wird überlagert von behördlicher Protokollsprache. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)