Seit drei Generationen ist die Familie Bertini in Hamburg ansässig, als sie, weil die Familie mütterlicherseits jüdischer Herkunft ist, die Rassegesetze der Nationalsozialisten immer härter treffen und sie schließlich untertauchen müssen, um zu überleben. Diese Geschichte wird von Ralph Giordano in einem breit angelegten Familienepos geschildert, das seinen Anfang in Italien vor dem ersten Weltkrieg hat, die Ankunft und das Kennenlernen der Großeltern, die Hochzeit der Eltern und das Aufwachsen der drei Söhne erzählt. Im Mittelpunkt steht der älteste Sohn Roman, hinter dem sich unschwer der Autor Giordano erkennen läßt. Dieser erzählt in "Die Bertinis" seine Familienbiographie, die für ihn zum Ausgangspunkt und manchmal zum Teufelskreis seiner journalistischen Tätigkeit wurde. Wer die Veröffentlichungen Giordanos kennt, weiß, daß die Erlebnisse, die in den "Bertinis" zu lesen sind, auch in seinen nichtfiktionalen Werken durchscheinen. Giordano läßt nicht offen, daß er "Vorkommnisse" wie Schulverweise jüdischer Mitschüler, die Demonstration der Zerstörung - erst an Häusern in der Reichskristallnacht und schließlich an Menschen - als "Vorhölle" der Tötungslager sieht. Die Geschichten, die trotz ihrer oft ausufernden Erzählweise immer wieder in das Ganze zurückfinden, ergeben gleichsam ein Netz der Dokumentaion zahlreicher Einzelschicksale, die alle gemeinsam haben, daß der Erfüllung eines Lebensplans - sei es das Abitur, eine Ehe oder das Erteilen von Klavierunterricht- die simple eigene Existenz im Wege stand, die den damaligen Machthabern als "lebensunwürdig" erschien. Um was für einen Traum es sich dabei handelt, ist im Ganzen zweitrangig; schmerzhaft und ungerecht ist es jedesmal. Heinrich Böll nannte Giordanos Werk "wehmütig, aber nicht wehleidig", und damit hat er trotz des Pathos, das an zahlreichen Stellen hervorlugt, recht. Zu verweisen ist hier auch auf die mehrteiligeVerfilmung durch Eduard Monk, der die überbordende Erzähllust Giordanos in fast schon strenge Formen zwingt, ohne dabei an Intensität zu verlieren. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)