Die Fortsetzung der Bernsteinsammlerin führt den Leser wieder nach Lübeck. Zu Beginn des 19. Jahrhundert spielt der Anhänger mit dem Einschluss wieder eine Rolle, wenn diese auch nicht so tragend ist wie in dem Vorgänger. Die Tochter der Bernsteinsammlerin Femke lebt bei ihren Großeltern. Da die Mutter vor zwanzig Jahren kurz nach ihrer Geburt starb, weiß Johanna nur durch spärliche Erzählungen von Femke. Auch sie soll die Kunst des Bernsteinschnitzens erlernen und wird zur Ausbildung zu ihrem Onkel nach Stolp geschickt. Schnell wird deutlich, dass sie das Talent ihrer Mutter nicht geerbt hat. Sowohl zur Ausbildung als auch zu ihrer Verwandtschaft hat Johanna ein gespaltenes Verhältnis und fühlt sich nicht wohl. Als ihr Cousin Vincent wegen einer Bernsteinfälschung inhaftiert wird, kann Johanna beweisen, dass ihr etwas an der Familie liegt. Außerdem lernt sie den Apotheker Marcus kennen, der ihr die heilende Wirkung des Bernsteins nahebringt.
Lena Johannson hat mit dieser Fortsetzung einen weiteren lesenswerten Roman über das Leben an der Ostseeküste geschrieben. Wieder sind die Protagonisten und Nebenfiguren vielschichtig und lebendig gezeichnet, sodass sich ein farbiges Bild ergibt. Die Autorin bezieht bei dieser Familiengeschichte die aufstrebenden Handelsbeziehungen mit ein, die von Lübeck ausgingen. Viele Güter wurden noch mit der ehemaligen französischen Besatzung gehandelt, sodass die Protagonistin für ein Anliegen bis nach Frankreich reisen muss. Offene Fragen um den Verbleib der Protagonisten aus dem Vorgänger werden zufriedenstellend beantwortet und ergeben ein abgerundetes Bild. Dennoch kann dieser Roman auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden, weil genügend Einschübe enthalten sind, um einen groben Überblick zu bekommen. Beide Bücher zusammen ergeben eine stimmungsvolle historische Ansicht über das Leben und Wirken der Menschen in der Hansestadt.