Ich kenne die Sendung Berliner Nacht-Taxe, seit es sie gibt. Für mich ist deshalb zunächst nicht unbedingt neu, was in dem Buch steht - nämlich die Interviews, die Michael Kessler mit seinen Fahrgästen führt. Allerdings kommt noch etwas dazu. Man erfährt auch von Kessler selbst, man erfährt von seinem Anspruch, den er hat in der Art, wie er auf Menschen zugeht. Er nimmt sich selbst zurück und versucht, sich so seinen Gästen zu nähern. Dadurch entstehen Geschichten, die wirklich und wahrhaftig das Leben schreibt. Ganz anders, als diese ganzen Pseudo-Wahrheiten, die man in "Bauer sucht Frau" und wie das alles heißt, übergestülpt bekommt. Hier reden wirklich "wir"; und dass das Taxi ein wunderbarer Ort ist, um zu erzählen, was "uns" bewegt, zeigen im Moment ja auch einige andere Buch- und auch Filmtitel. Meines Erachtens alles Kopien der Nacht-Taxe, was ja aber auch irgendwie ein Kompliment ist. Im Buch schreibt Kessler, wie es zur Nacht-Taxe kam und ohne sich in den Vordergrund zu heben wird schnell klar, dass es keinen geeigneteren Moderator für diese Sendung und Autor für dieses Buch geben könnte. Man fühlt sich selbst nach der Lektüre des Buches, als sei man in einer Windeseile durch die Berliner Nacht gefahren und dabei lauter interessanten Menschen begegnet, die man allesamt lieb gewinnt. Vielen Dank.