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Die Berliner Mauer, Kennedy und die Kubakrise: Die westliche Allianz in der Zerreißprobe 1961 - 1963
  
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Die Berliner Mauer, Kennedy und die Kubakrise: Die westliche Allianz in der Zerreißprobe 1961 - 1963 [Gebundene Ausgabe]

Christof Münger

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Neue Zürcher Zeitung

Entspannung als Spannungsquelle in der Nato Die USA, die Sowjetunion und Westeuropa 1961–1963 Die westliche Allianz durchlebte im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg nicht zum ersten Mal eine Krise. Christof Münger geht in seiner Zürcher Dissertation der bis dahin «grössten Zerreissprobe» des transatlantischen Bündnisses nach, jener der Jahre 1961 bis 1963. Die Interessen der atomaren Supermächte Ab Ende der fünfziger Jahre verfügte die Sowjetunion über interkontinental einsetzbare Nuklearwaffen. Das Gleichgewicht des Schreckens begann sich abzuzeichnen. Eisenhower hatte nach dem Sputnik-Schock noch die europäischen Bestrebungen zur Erlangung von Atomwaffen unterstützt. Sein Nachfolger Kennedy dagegen strebte eine Détente an und legte sich ab 1961 auf eine Strategie der Nonproliferation von Atomwaffen fest, wodurch die Vormachtstellung der USA in der Nato festgeschrieben werden sollte. Die europäischen Alliierten ihrerseits waren wirtschaftlich und aussenpolitisch erstarkt, begannen nationale Interessen zu verfolgen und strebten nach eigenen Nuklearwaffen und Mitbestimmung in strategischen Fragen. Konflikte waren programmiert. Die Interessen der Supermächte waren in zwei Punkten – Nonproliferation und Beibehaltung des Status quo in Europa – kongruent. Doch die UdSSR verlangte die Anerkennung der DDR als souveräner Staat, was der deutschen Teilung definitiven Charakter verliehen hätte, sowie für Berlin den Status einer «freien Stadt». Die USA konnten diese Bedingungen nicht erfüllen, ohne ihre Glaubwürdigkeit als Sicherheitsgarant des Westens zu verlieren. Zudem hatten Frankreich und Grossbritannien Mitspracherechte in Berlin. Deutschland und die «Essentials» Nach dem Gipfeltreffen mit Chruschtschew erklärte Kennedy im Juni 1961 öffentlich, dass sich die USA fortan auf die Durchsetzung – wenn nötig auch mit Nuklearwaffen – der drei «Essentials» in der Berlin-Frage beschränken würden: freie Zufahrt, Stationierung amerikanischer Truppen und Selbstbestimmungsrecht der Westberliner Bevölkerung. Der britische Premier Macmillan unterstützte die Idee, während Adenauer und de Gaulle darin eine Abkehr von der Forderung nach der deutschen Wiedervereinigung und die Preisgabe des Viermächtestatus in Berlin erkannten. Sie waren nicht bereit, diesen Preis einer Entspannung zu bezahlen, weil sie die UdSSR als nach wie vor expansive Macht betrachteten. Kennedys Rückzug auf eine nicht verhandelbare Minimalposition zwang Chruschtschew, von seiner Drohung eines Separatfriedens mit der DDR abzurücken. Der darauf folgende Bau der Berliner Mauer war zwar eine menschenverachtende Massnahme, tangierte aber in den Augen Washingtons und Londons die drei zentralen Interessen nicht; durch die Stabilisierung der DDR würde eine Lösung der Berlin- und Deutschland-Frage näher rücken. Bonn und Paris dagegen sahen im Mauerbau eine Verletzung des Viermächtestatus. De Gaulle empfahl daher Frankreich der Bundesrepublik als Schutzmacht und schloss Ende 1961 gegenüber den Briten eine deutsch-französische nukleare Kooperation nicht mehr aus. Adenauer seinerseits zog die Notbremse, indem er 1962 den geheimen Verhandlungsvorschlag Washingtons an Moskau, der mit dem Ziel der Wiedervereinigung nicht vereinbar war, der Presse zuspielte. Von der Kubakrise zum Atomteststopp Die Verschlechterung der West-Ost-Beziehungen gipfelte im Oktober in der Kubakrise, wodurch sich Adenauer und de Gaulle in ihrer Haltung bestätigt sahen. Kennedys «Sieg» in der Kubakrise – der Rückzug der Jupiter-Raketen aus der Türkei als Gegenleistung der USA blieb geheim – verstärkte die amerikanische «Hegemonie im Westen», aber auch den deutsch-französischen Bilateralismus und die Renaissance der Special Relationship zwischen Grossbritannien und den USA. Die Zerreissprobe erreichte mit de Gaulles Nein zum amerikanischen Angebot von Polaris-Raketen (es fehlten geeignete U-Boote und Gefechtsköpfe) und zum britischen EWG-Beitritt im Dezember 1962 und Januar 1963 ihren Höhepunkt. Kennedy drohte mit dem Rückzug der Truppen aus Europa, bot aber gleichzeitig den Deutschen eine Beteiligung an einer multilateralen Nuklearstreitmacht der Nato an – wohl wissend, dass dieses Konzept als Papiertiger enden würde, was bereits 1964 eintrat. Unter dem Druck der Atlantiker in der CDU akzeptierte Adenauer, dass eine Präambel zum Elysée-Vertrag mit Frankreich die transatlantische Verankerung der Bundesrepublik bekräftigte. Nun war der Weg für Verhandlungen mit der UdSSR frei. Nach wenigen Wochen war der «Limited Test Ban Treaty» unterschriftsreif. Durch den Verzicht auf Tests sollte die Weiterverbreitung von Atomwaffen verhindert werden. Gleichzeitig garantierte Washington Moskau mündlich, dass die Bundeswehr nicht mit Nuklearwaffen ausgerüstet würde. Chruschtschew kam so seinem Ziel der Festschreibung der Nachkriegsordnung nahe. Die deutsche Regierung stimmte im August 1963 dem Beitritt zum Atomteststoppabkommen zu, und Moskau versicherte, die drei «Essentials» zu respektieren. Nach Adenauers Rücktritt im Oktober wurde mit Ludwig Erhard ein überzeugter Atlantiker Kanzler. Den USA war es gelungen, Bonn für die Nonproliferation und die Détente zu gewinnen, die Blockbildung innerhalb der westlichen Allianz zu überwinden und die Berlinkrise langfristig beizulegen. Deutschland blieb ein verlässlicher Partner. Allerdings verfolgte Paris fortan eine eigenständige Politik, trat dem Atomteststoppabkommen nicht bei und schloss London bis auf weiteres vom europäischen Integrationsprozess aus. Doch de Gaulle gelang es nicht, Europa unter der Führung Frankreichs als dritte Kraft zwischen den Supermächten zu etablieren. – Christof Münger gelingt es in seiner chronologischen Darstellung, die komplizierten Sachverhalte, Ereignisse und Entscheidungen wie auch ihre Wahrnehmung durch die jeweiligen Akteure auf der Basis umfangreichen Quellenmaterials in verständlicher Sprache zu analysieren. Louis Gerber

Kurzbeschreibung

Ein politischer Graben im westlichen Bündnis, zwischen den USA und Großbritannien einerseits und Frankreich und Deutschland andererseits er tat sich schon einmal auf, vor über 40 Jahren, als die Berliner Mauer gebaut wurde und die Sowjetunion ein Jahr später Raketen vor der Haustür der Vereinigten Staaten stationierte. Dieses Buch thematisiert eine schwere binnenwestliche Krise, die im Schatten der großen, weltbedrohenden Ost-West-Konflikte um Berlin und Kuba bislang weitgehend unbeachtet blieb.

1961 bis 1963 kam es in der westlichen Allianz zu einer bis dahin nicht gekannten Zerreißprobe, weil man sich nicht einigen konnte, wie auf die sowjetischen Druck- und Erpressungsversuche reagiert werden sollte. Während in der Berlin-Krise Adenauer und de Gaulle für einen kompromisslosen Kurs gegenüber dem Osten waren, zeigten sich Kennedy und Macmillan konzessionsbereit. Erst nachdem Kennedy in der Kubakrise einen großen Prestigeerfolg verbuchen konnte, gelang es den USA, sich gegenüber Bonn und Paris durchzusetzen. Mit den Briten im Kielwasser handelten die Amerikaner mit den Sowjets 1963 das Atomteststoppabkommen aus. In diesen Verhandlungen einigten sich die Supermächte aber auch auf die endgültige Festschreibung der Teilung Deutschlands und Berlins, und es begann die Epoche des Kalten Friedens , der bis zum Fall der Mauer Bestand haben sollte.
Basierend auf teilweise erst seit kurzem zugänglichen Dokumenten aus amerikanischen, britischen, deutschen und französischen Archiven zeigt der Autor in dieser multilateralen Studie, dass alle Verbündeten in erster Linie nationale Interessen verfolgten, obwohl die Sicherheit der gesamten westlichen Welt auf dem Spiel stand.

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