In Großbritannien ist die "Berlin Noir"-Trilogie seit langem ein Klassiker unter den Kriminalromanen. Seltsamerweise erreichte Philip Kerr mit dem Buch in Deutschland nicht die gleiche Popularität wie in seiner Heimat, obwohl die Geschichten in Deutschland spielen.
Allerdings im Deutschland der Nazi-Zeit und das könnte es sein, was einigen Lesern hier aufgestoßen sein mag. Denn Kerr beschreibt die Zeit des "Dritten Reiches" so düster, angsteinflößend und grausam, wie sie wahrscheinlich auch war, und das mit einem grimmigen Humor, der wieder eher britisch ist. Wenn z.B. sein "Held" Bernie Gunther zum wiederholten Male mitten in der Nacht von der Gestapo aus dem Bett gerissen wird, nachdem man ihm die Tür eingetreten hat und er lakonisch fragt, warum sie nicht zur Abwechslung mal einfach tagsüber vorbeikommen und klingeln.
Dies ist keine Coolness, sondern bitterer Sarkasmus eines Desillusionierten, der weiß, dass er noch etwas riskieren kann, solange "sie" ihn brauchen.
Denn immer wieder brauchen die "düsteren Mächte" (siehe Titel des zweiten Romans) die kriminalistischen Fähigkeiten Gunthers, dem es beim direkten Zusammentreffen mit Himmler oder Göring kalt über den Rücken läuft, denn er weiß, dass diese Leute ihn jederzeit töten (lassen) können.
Der erste Fall "Feuer in Berlin" um einen unerklärbaren Doppelmord ist etwas wirr, wird aber überraschenderweise doch zu einer letztlich tatsächlich stimmigen Auflösung geführt. In diesem ersten Teil überzeugt vor allem das verblüffend gut gezeichnete Berliner Lokalkolorit, dass die Vermutung nahe legt, dass Kerr einige Zeit in Berlin verbrachte und sehr gut Zeitzeugenberichte aus den 1930ern studiert haben muss.
Der zweite Fall "Im Sog der dunklen Mächte" um einen scheinbaren Serienmörder der nur blonde "arische" Mädchen umbringt, erschüttert durch die Perfidität der wirklichen Hintergründe.
Der letzte Teil "Alte Freunde - neue Feinde" spielt schließlich in der unmittelbaren Nachkriegszeit und behandelt das Thema der "Altlasten".
Historisch fundiert, mit Zynismus durchsetzt und sprachlich eher "hart" und kernig (keine "Frauenkrimis" wie Elizabeth George) sind Kerrs Klassiker ein Fund für jeden ernsthaften Krimi- und Thrillerfan.