Da ich beruflich viel reise, lese ich in Bahn und Flieger gerne ein Buch, im Auto muss dann eben ein Hörbuch sein. Die Beichte war mein erster Versuch mit der anspruchsvoll aufgemachten BRIGITTE - Edition, es wird mein letzer sein. Meine zugegegeben hohe Erwartung wurde leider nicht ansatzweise erfüllt. Hanna Herzsprungs Stimme ist zu nuancenlos, zu kleinmädchenhaft und emotionslos, um zu packen und zu allem Überfluss wird die Lesung anscheinend auch noch stark gekürzt. Dauend denkt man, man hat die falsche CD erwischt, weil Passagen zuvor weggelassen wurden, deren Inhalt man aber nun bräuchte, um mitzukommen. Plötzlich taucht zB der Begriff PRAY auf, den Jo beim Mittagessen mit Gabe aufgeschnappt hat. Von einem Essen mit Gabe war vorher aber nie die Rede. Eine Reporterin rennt weg. Sie war vorher gar nicht da. Plötzlich sitzt Jo im Krankenhaus neben einer Zeugin und kann ihr ein scheinbar allen bekanntes Foto auf dem Organizer der Polizistin Amy Tang zeigen,der Hörer wußte bis dahin nicht mal, daß die einen Organizer hat. Noch dazu ist die Story derart hanebüchen und unlogisch, daß es einen wirklich graut. Da gibt es also eine superbrillante, megaclevere Starstaatsanwältin, die so schlau ist, Verbrecher in einem Club zu Verbrechen anzustacheln, damit sie die bösen Buben wegen ihrer Verbrechen der Gerechtigkeit zuführen kann. Klingt das doof? Ja, sicher. Aber es wird noch besser: Die hochsensiblen Dateien über diesen hochgeheimen kriminellen Eliteclub speichert die superclevere Staatsanwältin dann wo? Na, auf ihrem locker mitten auf dem Schreibtisch für jede Putzfrau zugänglichen iPod, ohne Password, damit die Hobbyermittlerin Jo Beckett ihn mitsamt der brisanten Daten auch finden und auswerten kann. Doof? Na, sicher! Nach einem Erdbeben in der Millionenstadt San Francisco spaziert nicht nur ein Gefängnisinsasse seelenruhig aus den weit offenen Türen eines völlig ungesicherten Bundesgerichtes hinaus, nein, die Bürger folgen auch trotz Stromausfalles alle artig der Aufforderung, ausgerechnet an Halloween ausgerechnet in ihren einsturzgefährdeten Häusern zu bleiben, damit ist es auf den Straßen von San Francisco völlig menschenleeer, nur die Heldin, zwei meuchelnde Schwerverbrecher und ein Kind torkeln planlos durchs Gelände, an verlassenen Cable Cars vorbei, als wären alle anderen Menschen gerade mit einem kosmischen Staubsauger eingesaugt worden, jedenfalls für etwa dreißig Seiten, solange man es für die Dramaturgie braucht, dann tauchen an einem gottverlassenen Winkel in einem eingestürzten Keller natürlich punktgenau die Leute auf, auf die man gewartet hat, warum auch immer, ich vermute, Handyortung, aber das wird nicht vorgelesen. Irgendwie scheint Meg Gardiner davon auszugehen, daß ihre Leser oder Hörer das Hirn vor Benutzung des Buches abgeben. Dazu passt dann die höchst seltsame Moral von Meg Gardiner und/oder ihrer aufrechten Heldinnen Beckett und Tang. Die geht so: (Achtung, hier kommt wieder ein Spoiler!) Ein kleiner Ganove wird von einer Snuff - Videos produzierenden Pornoliese und einem anderen Fiesling halbtotgeschlagen und ausgeraubt. Ein Footballstar vergewaltigt mit einer Gruppe Kumpels ein Mädchen. Der halbtote Kleinganove nimmt Rache an Pornoliese und Football- Hengst. Verständlich? Pfui! Nein!!!! Die skrupellose Pornotante und der Vergewaltiger sind laut Beckett "unschuldige Menschen, die sterben mussten". Der Rächer aber gehört in die Todeszelle! Also, wem es da nicht übel wird, dem ist wirklich nicht zu helfen.