„Der Anfang ist immer offen, auch wenn das Ende Dir vormacht, es sei schon der Anfang gewesen. Wie aber den Anfang bewahren im Wissen um das Ende?" Dies versucht Wedler, indem er den Anfang von Susannes Liebe und den Schwebezustand zwischen deren Ende und einem neuen Leben parallel erzählt, in kurzen Schnitten von dem einen Lebensabschnitt in den anderen wechselt, vom Kennenlernen auf Susannes Recherchefahrt zur Südtiroler Brunnenburg, wo sie Ezra Pound treffen soll und dieses Treffen der aufkeimenden Liebe opfert, bis zu ihren einsamen von dem Schatten ihrer Kindheitserinnerungen begleiteten Gängen durch den Schwetzinger Schloßpark. Erst die Befreiung von diesem Schatten, von der strengen Geometrie des Parks schließlich, eröffnet ihr, die ihre Karriere bei einer großen Zeitung dem Mann geopfert hat, nunmehr das endgültige Hinaustreten in ein eigenes Leben. Rainer Wedlers zweiter Roman wirkt anfangs zuweilen etwas konstruiert, sperrig und undurchdringlich, die Zuordnung der parallelen Ebenen, die noch durch allerlei Rückblicke ergänzt werden, ist nicht immer deutlich, die Erzählerperspektive wechselt unnötig (?), auch die eine oder andere Passage scheint mir recht abstrakt und überfrachtet mit Bildungsgut, ohne daß die Rückbezüge nachvollziehbar wären. Mit zunehmenden Lesen wächst jedoch die innere Spannung und Anteilnahme, erfreut man sich an poetischen Bildern und Reflexionen. Rainer Wedlers zweiter Roman beginnt als eine Liebesgeschichte und endet als eine Geschichte einer Befreiung von vergangener besitzergreifender Liebe, als eine kluge Geschichte über die Möglichkeiten einer Emanzipation. Klaus Gasseleder