Mit Mitch Rapp hat Vince Flynn einen extrem charismatischen und durchaus polarisierenden Helden geschaffen, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich nicht um Recht und Ordnung kümmert, stets auf Kriegsfuß mit den handlungslahmen Politikern steht, skrupellos aber effektiv unter den "Bösen" aufräumt und gleichzeitig loyal zu seinem Land USA und seiner Vorgesetzten, der CIA-Chefin Kennedy steht.
In seinem neusten Thriller "Die Bedrohung" räumt Rapp gleich zu Beginn erst einmal die "Reste" aus dem vergangenen Abenteuer auf bevor er im Iran die USA vor einer großen Gefahr bewahren und gleichzeitig seine Chefin aus den Händen eines skrupellosen Terroristen befreien muss. Alles beginnt damit, dass der von den Iranern zum Zwecke des Atombombenbaus betriebene geheime Atomreaktor zerstört wird. Auch wenn es nicht die Amerikaner waren, die für die Zerstörung verantwortlich sind, sieht der iranische Präsident (der hier von Flynn eindeutig die Gesichts- und Wesenszüge des aktuellen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bekommen hat) die Schuld bei den USA. Mit Hilfe eines brutalen Terroristen und gegen das Wissen seines eigenen Geheimdienstchefes, der ebenfalls nicht an die Schuld der Amerikaner glaubt und eher gemäßigt ist, plant er einen perfiden Schlag gegen seinen Erzfeind. Zum einen täuscht er einen amerikanischen U-Boot-Angriff auf ein iranisches Handelsschiff vor und zum anderen lässt er die CIA-Chefin Kennedy von einem Terrorkommando kidnappen. Mit ausdrücklicher Genehmigung des aktuellen amerikanischen Präsidenten zieht Mitch Rapp als Ein-Mann-Waffe los und schreckt selbst vor brutaler Folter nicht zurück, um seine Chefin zu befreien und die Krise zu lösen.
Eindeutig schafft es Vince Flynn, in einem atemberaubenden Tempo Spannung zu erzeugen und bis zum Schluß zu halten. Seine Romane lassen sich nicht so einfach aus der Hand legen, wenn man mal mit dem Lesen angefangen hat. Seine Storys sind actionreich, seine Sprache einfach und flüssig zu lesen.
Allerdings sind seine Botschaften zu den Themen Staatsfolter, Selbstjustiz, Rolle der USA bei der Terrorbekämpfung usw. mehr als fragwürdig. Flynn ist politisch gesehen sicherlich ein extremer Hardliner, der sich einen harten und im Zweifel auch über Leichen gehenden Präsidenten wünscht, der Folter als Mittel zum Zweck akzeptiert. Und dass Vince Flynn dies überaus massiv in seinem Thriller in den Vordergrund stellt, trübt für mich schon sehr das ansonsten wirklich exzellente Lesevergnügen.
Daher gebe ich lediglich 4 Sterne.