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Für deutsche, an eine weit gehende Gewaltenverschränkung gewöhnte Ohren mag eine solche Forderung völlig abwegig klingen. In anderen Staaten, etwa den USA, ist die strikte Trennung von Legislative und Exekutive dagegen eine Selbstverständlichkeit. Dort muss man sich "zwischen dem Staatsdienst und einer politischen Laufbahn im Parlament entscheiden, beides zusammen geht nicht". Hier zu Lande dagegen sind Beamte
Von den Verfechtern des Berufsbeamtentums wird, außer mit der, bei genauem Hinsehen unhaltbaren Behauptung, Beamte seien für den Staat kostengünstiger als Angestellte, gerne mit der "besonderen Treuepflicht des Beamten" argumentiert. Reine Augenwischerei, meinen die Autoren. Auch in anderen Berufen sei man schließlich an Recht und Gesetz gebunden. Mit Ausnahme der Kernaufgaben der Polizei seien die allermeisten der angeblich "besonderen hoheitlichen Aufgaben" sehr wohl privatisierbar. Ein Buch, das gewiss nicht frei ist von bisweilen bissiger Polemik, mit dessen Thesen man sich aber ernsthaft auseinander setzen sollte.
Die bundesdeutsche Gesellschaft braucht einen moderneren, flexibleren und besseren öffentlichen Dienst. So lautet das Motto dieses Buches. Pascal Beucker und Frank Überall, zwei Journalisten, haben ein kluges Buch geschrieben über die Diener des Staates, die ihrer Meinung nach Diener der Gesellschaft sein sollten. In Deutschland gibt es davon 1,85 Millionen (1960 waren es noch 670.000.)
Wer könnte nicht in den Chor derjenigen einstimmen, die ein trauriges Lied über Arroganz und Ignoranz von Beamten singen? Man kann den Beamten nicht aus dem Weg gehen. Schließlich will man Arbeitslosengeld, braucht Sozialhilfe oder einen Wohnberechtigungsschein. Nach Stunden im Wartezimmer oder einer altväterlichen Zurechtweisung hat man dann wieder Gesprächstoff für den Stammtisch.
Die Stärke des Buches liegt darin, dass neben diesen polarisierenden Beschreibungen auch eine differenzierte Charakterisierung des Beamtentums vorgenommen wird. Dazu gehört ein interessanter geschichtlicher Exkurs, der das deutsche Beamtentum von seinen Anfängen an darstellt. Dabei kann man zum Beispiel erfahren, dass es in der DDR gar keine Berufsbeamten mehr gab. In weiteren Kapiteln wird das besondere Treueverhältnis gegenüber dem Staat erläutert. Wir erfahren, dass uns der Beamte eine Menge kostet, ob er arbeitet oder pensioniert ist. Es geht um Beamte ohne Motivation, um korrumpierbare, kriminelle und schlampige Beamte. Auch die ungeheuerlichen Beispiele von Professoren, die an der Universität so etwas wie Arbeitsvermeidung kultivieren und sich diversen Nebentätigkeiten widmen, sind nicht gerade dazu angetan, den Ruf der Beamten zu verbessern.
Zudem erläutern die Autoren, dass der Beamtenstatus von Lehrern auf den Prüfstand muss -- Schweden macht es vor: Die Schulen können eigenständiger agieren, Gehälter sind Verhandlungssache...
Dass Ausblick und Lösungsvorschläge gegenüber der Bestandsaufnahme vergleichsweise wenig Platz einnehmen, ist bedauerlich. Es liegt aber natürlich auch daran, dass dem Berufsbeamtentum in absehbarer Zeit nicht der Garaus gemacht werden wird. Für die Übergangszeit sollte man einfach Beamten-Selbsthilfegruppen gründen und dieses Buch als Pflichtlektüre verteilen. --Carsten Hansen
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Treffend und mit Tiefgang,
Rezension bezieht sich auf: Die Beamtenrepublik: Der Staat im Würgegriff seiner Diener? (Gebundene Ausgabe)
Selten habe ich über das Thema Beamte in so fundierter Form gelesen wie in dem Buch "Die Beamtenrepublik". Die Autoren liefern einen brillanten Streifzug durch die bunte Welt unserer Staatsdiener und schildern Szenen aus dem Alltag, die wohl jeder von uns schon erlebt hat. Etwa die vom gelangweilten Beamten, der sich mit verschränkten Armen das Begehren des Steuerzahlers - seines Finanziers und Arbeitgebers - anhört, um dann wortlos einen Stapel Formulare über den Tisch zu schieben.Sehr interessant auch die Betrachtung über explodierende Pensionskassen der privilegierten Staatsdiener, die langsam zu einer ernsten Belastung für die öffentlichen Haushalte, insbesondere der Bundesländer, werden. Fazit: Ein Muss für jeden, der sich der Thematik "täglicher Wahnsinn in unseren Amtsstuben" gedanklich nähern will. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Thema, das uns alle angeht! Ein bestens recherchierter Status quo!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Beamtenrepublik: Der Staat im Würgegriff seiner Diener? (Gebundene Ausgabe)
Schon das Titelbild lässt alles Grauen wiederauferstehen. Die unfreundlich frustrierte, immer neugierige Dame beim Einwohnermeldeamt, der Sesselfurzer beim Notariat, die Zicken bei der Autoanmeldung, die Menschen einfach, die gar nicht wissen, wie schön sie es eigentlich haben. Lebenslange Sicherheit ist heute ein Vermögen - einem Lottogewinn vergleichbar. Und überall, wo man seine Schäfchen im Trockenen hat, leidet alles vor allem man selbst und die ehrenwerte Umgebung.Es gibt hervorragende, ehrliche, aufrechte, treue Beamte, die auch noch selbstständig und kreativ sind. Ich selbst kenne mehrere persönlich. Es liegt mir fern, über alle pauschal den Stab zu brechen. Aber es gibt zu viele Auswüchse, die wir alle nicht mehr hinnehmen müssen. Rund um diese Auswüchse entwickelt sich dieses Buch und gibt einen ausgewogenen Status quo der Beamtendiskussion. Ich bin nach dem Lesen nicht der Meinung, dass man das Beamtentum generell abschaffen sollte, aber es müsste schlank und konzentriert auf wesentliche Aufgaben fokussiert sein (die Schweiz hat dies schon umgesetzt) z.B. auf Justiz und Sicherheit. Lehrer und Hochschullehrer stehen schon heute unter der Konkurrenz schnellerer Bildungsnetzwerke, sie werden in dem Maße verlieren, wie sie sich dieser Konkurrenz nicht schnellstens öffnen. Pöstchen und Funktionen in öffentlichen Kommissionen gaukeln uns immer noch das alte Standesbewusstsein, die hehre, reine, objektive Lehre vor dabei sind diese Damen und Herren Professoren oft nichts anderes als Abgeordnete irgendwelcher Parteien, deren Interessen sie bedienen müssen. Notwendig wird eine Optimierung des Beamtenrechtes vor allem durch eine Tatsache, die uns alle angeht: Pensionszahlungen für Beamte im Ruhestand steigen in den nächsten Jahren dramatisch an, Versprechen, die wir alle wohl einlösen, aber nicht weiterschreiben müssen. Bloß: Wollen Politiker (die zu über einem Drittel selbst Beamte sind) wirklich daran etwas ändern oder reicht ihnen die Diskussion darüber schon, um uns irgendwie bei Laune zu halten? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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