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Die Beamten des Himmels: Über Engel
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am 21. Dezember 2007
Giorgio Agamben, Professor für Ästhetik und Philosophie an der Universität Venedig ist spätestens seit seinem Kommentar zum Römerbrief "Die Zeit, die bleibt", der 2006 bei Suhrkamp erschienen ist, einer kleinen Schar von kritischen und an querdenkerischer Theologie und Philosophie interessierter Theologen bekannt. In diesem absolut lesenswerten Buch ging der Italiener der Frage nach, was es wohl bedeutet, so wie der Apostel Paulus im Messias zu leben, und was überhaupt messianisches Leben ist. Er beleuchtete anhand einer detaillierten Exegese von Römer 1,16 die Struktur der messianischen Zeit, alles in der Absicht, diese für Paulus existentiellen Fragen auch zu Fragen der heutigen Zeitgenossen zu machen.

Nun legt der neue Verlag der Weltreligionen im Suhrkamp Verlag, eine auch für christliche Theologen reiche und tiefe Fundgrube wissenschaftlicher, religionskundlicher und erkenntnistheoretischer Quellen und Informationen ein weiteres Buch dieses rührigen, belesenen und enorm produktiven Philosophen vor. "Die Beamten des Himmels. Über Engel" ist ein Vorabdruck des Kapitels über die himmlische Hierarchie aus seinem demnächst erscheinenden großen Werk "Homo Sacer III. Die Macht und die Herrlichkeit".

Engel, so erläutert dieses Buch, sind in fast allen Religionen als Mittler zwischen Himmel und Erde vorgesehen, als Boten, Kundschafter und Wächter. Jakob sieht sie auf der Himmelsleiter in seinem Traum, bei der Opferung Isaaks greifen sie ein, und die Geburt Jesu wird von ihnen verkündet.

Der frühchristliche Theologe Pseudo-Dionysius hat in seinem Hauptwerk eine Hierarchie der Engel festgelegt, deren Analogie zu einem königlichen Hofstaat offensichtlich ist. Diese Entwicklung wird ausführlich erläutert, und dann geht Agamben der Frage nach dem Verhältnis der Engel zur Macht nach. Sie seien es, sagt er, die in der trinitarischen Ökonomie des Himmels und deren säkularen Erscheinungsformen als Beamte des Himmels" die Macht in all ihrer Herrlichkeit repräsentieren. Manchmal ist die Verwaltung der irdischen Monarchie das Muster für die englischen Ministerien, manches Mal ist es genau umgekehrt.

Die Fragen Thomas von Aquins über die Engel und ihre Antworten, auf die sich Giorgio Agamben oft bezieht, sind im Anhang dieses interessanten Buches abgedruckt. Auf den dritten Teil seines Hauptwerks Homo Sacer" darf man schon heute gespannt sein.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 5. November 2007
Giorgio Agamben, geboren 1942 in Rom, studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. Der entscheidende Impuls für die Philosophie kam allerdings erst nach Abschluss des Jura-Studiums über zwei Seminare mit Martin Heidegger im Sommer 1966 und 1968. Neben Heidegger waren seitdem Michel Foucault, Hannah Arendt und Walter Benjamin wichtige Bezugspersonen in Agambens Denken. Heute gehört Agamben zu den großen und anerkannten Philosophen Europas.

In fast allen Religionen erscheinen sie, die Mittler zwischen Himmel und Erde, die Boten, Kundschafter und Wächter. Jakob sieht sie im Traum, bei der Opferung des Isaak greift ein Engel ein, und der Engel des Herrn erscheint Moses im brennenden Busch. In den Psalmen sind sie gegenwärtig, im Talmud, in den Midraschim, in der Liturgie und in der mystischen Tradition. In den Evangelien verkünden Engel die Geburt Jesu, sie verleihen ihm bei seinen Versuchungen Kraft, sie sind bei seiner Auferstehung zugegen und werden ihn bei seiner Wiederkunft begleiten. Im Islam protestieren sie vor Allah gegen seinen Plan, menschliche Wesen ins Leben zu rufen. Eine ihrer Aufgaben ist es, gute und schlechte Taten aufzuzeichnen. Dionysius Areopagita hat die Hierarchie der Engel festgelegt: die Seraphim, die Gott am nächsten stehen, die Cherubim als Beschützer des Gartens Eden sowie die Thronoi (erhabene Gestalten). Darunter stehen die "Herrschaften", "Mächte" und "Gewalten", auf welche die "Fürstentümer", "Erzengel" und die "Engel" (Schutzengel) folgen; sie sind den Menschen am nächsten. Die Analogie zu einem königlichen Hofstaats, in dem Höflinge und Beamte zwischen König und Volk vermitteln, ist unverkennbar. (vgl Auszug Klappentext)

Das vorliegende Buch ist eigentlich bloß ein Kapitel aus der unter dem Titel "Die Macht und die Herrlichkeit" geplanten politischen Theologie von Giorgio Agamben, vorab als Version in die neue Reihe des Suhrkamp Verlages eingebunden. Dementsprechend widmet sich Agamben den Engeln auch nur in der Hinsicht, in der sich in ihnen eine Hierarchie des Himmels ausdrückt. In einer Art "machtpolitischer translatio dei" interessiere sich aus Rechtfertigungsgründen besonders die Kirche für die vertikale Machtstruktur der "Beamten des Himmels". Mit Thomas von Aquins Fragen und den Antworten und den Überlegungen schliesst dieses Buch, an dem man am Ende weiss, dass Engel in welcher Gestalt auch immer, Mittler sind und der Kit der Trinität zum Heiligen Geist.

Aber auch wie Beamten und Engel in den Werken Kafkas eine Doppelgänger -Rolle spielen. Doch interessant ist, dass die Machtstrukturen im Himmel einer königlichen Hegemonie gleichen, nichts ist direkt möglich zwischen Mensch und Gott, wenn die Engel nicht wären. Angeologie und Bürokratie sind Kongruenzen in zwei Welten.

Agamben verzichtet nicht, die Idee seiner anderen Werke mit einfliessen zu lassen, die in der Tat deutlich mehr Anreiz bieten. "Profanierungen" und "Die Zeit, die bleibt" seien ergänzend ermpfohlen.

Am Ende bleibt die Frage, warum man auf die Idee kommt, über Engel zu lesen. Meine Inspiration fand ich bei Cioran, der zwischen Gut und Böse in dieser Welt unterschied und dem Bösen die eigentliche und einzige Überlebenschance gab. Warum? Nun, das Böse ist im Menschen, dieser kann sich vermehren. Da die guten Engel geschlechtslos sind, haben sie die Möglichkeit nicht. Ciroan hatte allerdings a priori die Unsterblichkeit (Weiterleben nach den Tode) ausgeschlossen, was die Bibel a priori nicht tut. Der weitere Grund liegt bei Harold Bloom, der geschickt biblische Mythologie und Mythos in die Interpretation von Dichtung und deren Dichter einfließen lässt. (vgl.: Harold Bloom, Einflussangst)
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