... und trifft mit den Breitseiten gegen seine Kritiker wie immer voll ins Schwarze. Die Argumente sind wie gewohnt spitz formuliert und das Buch ist auch für nicht vorgebildete Leser verständlich.
Während die Herren Bofinger, Hickel und Horn gebetsmühlenartig wiederholen, Deutschland leide an einer zu schwachen Kaufkraft und die Arbeitslosigkeit sei konjunkturell bedingt, weist Sinn nach, dass das nicht stimmen kann.
- nach Angaben der OECD sind sechs Siebtel der Arbeitslosigkeit nicht (!) konjunkturell bedingt
- die eine Billion Euro, die bisher in die neuen Bundesländer flossen, waren ein riesiges Konjunkturprogramm und hätten die Arbeitslosigkeit verringern müssen (was nicht der Fall war, weil die Arbeitslosigkkeit eben nicht aus einem Nachfragemangel herrührt)
- nicht der private Konsum schwächelt, sondern die privaten Investitionen im Inland
Mit dem letzten Punkt sind wir schon beim nächsten Argument der Kritiker angelangt: "Deutschland ist Exportweltmeister". Um die keynesianischen (= nachfragepolitischen) Wirtschaftswissenschaftler mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, verweise ich auf den keynesianischen Nobelpreisträger Paul Samuelson. In dessen Lehrbuch "Volkswirtschaftlehre" (15. Auflage von 1998) kann man auf Seite 483 lesen: "Wenn ein Staat mehr exportiert als importiert, investiert er den Überschuß (Nettoexporte) im Ausland. Diesen Posten nennt man Nettoauslandsinvestitionen." Sinn kommt ebenfalls zu diesem in der Wissenschaft allseits bekannten Ergebnis (Kapitalflucht), welches uns so große Probleme bereitet. Nicht von ungefähr ist der Staat durch unser gutes altes Stabilitätsgesetz verpflichtet, auch auf ein "außenwirtschaftliches Gleichgewicht" zu achten.
Sinn führt dann weiter aus, dass Deutschland sich langsam zu einer Basarökonomie entwickelt: Arbeitsintensive Tätigkeiten werden in Niedriglohnländer verlagert, die Vorprodukte importiert und hier dann nur noch veredelt. Die Löhne entwickeln sich durch die Globalisierung so, dass höher Qualifizierte mehr verdienen und weniger Qualifizierte weniger; die Lohnspreizung nimmt also tendenziell zu (siehe Bofinger: "Wir sind besser, als wir glauben", S. 241-45). Wir sind nicht nur Exportweltmeister, sondern exportieren auch unsere Arbeitsplätze ins Ausland. Das kann man nur stoppen, indem man den Standort Deutschland für Investitionen attraktiver macht. Der Autor weist nach, dass im Grunde Löhne und Steuern die einzigen wichtigen Standortfaktoren sind. Hier muss man zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ansetzen.
Das führt im Schlusskapitel zu der "Aktivierenden Sozialhilfe", die der Autor schon in seinem letzten Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" vorgeschlagen hatte: Die Löhne müssen sich wieder (ohne Beeinflussung durch den Staat und die Tarifkartelle) frei am Markt bilden können; dann werden weniger Arbeitsplätze ins Ausland verlagert und das Investieren in Deutschland lohnt sich wieder. Statt einer Sozialhilfe mit fester Höhe zahlt der Staat Lohnzuschüsse. Auf diese Weise können die Löhne sinken, ohne dass es Armut gibt (und der Staat spart auch noch dabei).
Kritiker behaupten, das Statistische Bundesamt und der Sachverständigenrat (die "Wirtschaftsweisen") hätten Sinns These der Basarökonomie widerlegt. Der Autor weist jedoch an Hand von Daten eben dieser Institutionen nach, dass er Recht hat. Es wird gesagt, dass Sinn in diesem Buch keine konkrete Zahl für die angestrebte Lohnsenkung nennt. Das braucht er auch nicht, weil er in diesem Zusammenhang auf sein letztes Buch verweist (s. o.; dort wird eine Lohnsenkung um durchschnittlich 15 Prozent gefordert, für gering Qualifizierte sogar um ein Drittel). Manchmal wird der Eindruck erweckt, die Prozentzahl in der Behauptung, ein zusätzlicher realer Euro Export ziehe 53 Cent exportinduzierte Vorleistungsimporte nach sich, sei nicht belegt. Da muss ich wohl ein anderes Buch haben; denn diese Zahl wird ausführlich besprochen. Eine Grafik, die aus Daten des Statistischen Bundesamtes erstellt wurde, veranschaulicht die Berechnung dieser Zahl.
Wer nur ein Buch zum Thema "Standort Deutschland" bzw. "Globalisierung" kaufen möchte, sollte sich dieses kaufen: Es wird alles von allen Seiten dargestellt und dann an Hand von harten Fakten nachgewiesen, welche Seite Recht hat.