Es begann 1987 in Ost-Berlin, als Todd Belknap, frischgebackener Agent der Consular Operations, den Verräter Richard Lugner [sic!] liquidieren sollte. Doch der Auftrag lief schief und nur durch das Eingreifen seines Kollegen Jared Rinehart konnte Belknap die Mission überleben und erfolgreich abschließen. Jahre später sind Rinehart und Belknap gute Freunde und ein dynamisches Gespann. Während Todd in Rom das Hauptquartier des jemenitischen Waffenhändlers Khalil Ansani infiltieren soll, wird dieser jedoch vor seinen Augen vergiftet und der Agent entkommt nur knapp. Parallel dazu endet eine Operation Jareds im Libanon in einer Katastrophe und er wird entführt.
Finanzanalystin Andrea Bancroft hat eine große Karriere vor sich, doch wird sie unverhofft schneller reich als erwartet, als sie den überraschenden Anruf eines Anwalts der renommierten Bancroft Foundation erhält, der ihr mitteilt, dass sie 12 Millionen Dollar von ihrem kürzlich verstorbenen Cousin Ralph geerbt hat und damit auch einen Sitz im Vorstand der philanthropischen Stiftung. Todd wurde unterdessen suspendiert und beschließt auf eigene Faust weiterzuermitteln, da er hinter der Ermordung Ansanis einen Zusammenhang mit Jareds Entführung vermutet. Seine Suche nach den Hintermännern führt ihn zunächst in den Nahen Osten, doch schon bald entdeckt der Spürhund eine Spur, die zurück nach Amerika führt und die Namen Genesis und Andrea Bancroft enthält. In den Archiven der Bancroft Foundation stößt Andrea auf Dokumente, die den Tod ihrer Mutter womöglich in neuem Licht erscheinen lassen und ihr unerwartet eine dunkle Seite der Stiftung enthüllen...
Die Bancroft Strategie ist voraussichtlich der letzte Robert Ludlum-Thriller, nicht nur weil der Autor seit einigen Jahren tot ist, sondern auch weil der unglaubliche Fundus an unfertigen Manuskripten erschöpft sein dürfte. Stattdessen werden unter dem Namen Robert Ludlum in Zukunft hauptsächlich die Covert One-Romane vermarktet werden.
Spannend ist zumindest ein Teil des Buchs durchaus, so wird man lange im Dunkeln gelassen, was Genesis überhaupt ist und erst nach über 100 Seiten fällt der Name überhaupt. Bis dahin gibt es für Protagonisten keine Verbindlichkeiten, sie könnten jederzeit aussteigen, bis der Punkt erreicht ist, an dem es kein Zurück mehr gibt. Interessant wird die Bancroft Strategie auch durch die zahlreichen Anspielungen auf James Bond-Filme und die Klischees des Spionage-Genres. Einzig das Ende und die Auflösung des Rätselns ruiniert den positiven Eindruck und lässt auch einige Schwächen des Plots erkennen, die man mit einem guten Finale noch eher geschluckt hätte. Interessant wieder einmal das große Thema, die Moral von der Geschicht' sozusagen, für welche Ludlum in seinen echten Notizen die Moral des Tötens gewählt hat, wie weit darf man gehen, um Leben zu retten, darf man einen Menschen töten um womöglich hunderte, wenn nicht sogar tausende, zu retten? Eine sehr interessante Frage, die im Zusammenhang mit Genesis und der Bancroft Stiftung am Ende jedoch sehr banal beantwortet wird.
Fazit:
Inwieweit die Bancroft Strategie noch ein echter Ludlum ist, lässt sich schwer sagen, Fakt ist hingegen, dass das Buch teilweise sehr gut an seinen Stil erinnert und dennoch fehlt da etwas, was besonders im katastrophalen Ende klar zum Ausdruck kommt.