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Die Ballade vom Fetzer. Historischer Roman
 
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Die Ballade vom Fetzer. Historischer Roman [Taschenbuch]

Tilman Röhrig
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 253 Seiten
  • Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 1., Aufl. (24. Mai 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340415326X
  • ISBN-13: 978-3404153268
  • Größe und/oder Gewicht: 18,2 x 12,6 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 536.023 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Seine Zeitgenossen nannten ihn den "Fetzer". Mit bürgerlichem Namen Mathias Weber, wurde er 1778 in Grefrath geboren und 1803 auf dem Alter Markt in Köln mit einer Guillotine hingerichtet. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Köln. Er war nicht nur Zeitgenosse des Schinderhannes, sondern gewissermaßen auch Kollege. Mehr als 150 Überfälle gehen auf sein Konto, teils verwegen, teils dilettantisch ausgeführt. Mitunter entkam er den Behörden nur durch Zufall. Doch während der eitle Räuber aus dem Hunsrück zum Volkshelden wurde, hat man den Fetzer bald vergessen. Tilman Röhrig zeichnet in seinem faktenreichen Roman nicht nur ein facettenreiches Bild der Franzosenzeit am Rhein, sondern auch das Porträt eines Menschen, der nicht zum Rebellen taugte und darum zum Räuber wurde.

Über den Autor

Tilman Röhrig, geboren 1945, lebt in der Nähe von Köln. Nach seiner Ausbildung zum Schauspieler und Engagements an mehreren deutschen Bühnen arbeitet er seit über drei Jahrzehnten als freier Schriftsteller. Die größten Erfolge feierte er mit seinen historischen Romanen. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Großen Kulturpreis NRW.
2005 erhielt er den 6. Voerder Jugendbuchpreis für sein Lebenswerk.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Passend zum Titel wird in diesem Roman die handlungsreiche Geschichte des berüchtigten Räuberhauptmanns der Rhein- und Ruhrdepartements in dramatischer Form erzählt:
In den politischen Wirren der Jahre 1794 bis 1803, als die französischen Truppen ihre Macht auch auf die Städte am rechten Rheinufer ausdehnten, waren die deutschen Kleinstaaten und Fürstentümer sowohl kraftlos, gegen Plünderer und Räuberbanden, die die Bevölkerung massiv terrorisierten, einzuschreiten, als auch die allgemeine Armut zu beheben.
Während der eitle Räuberhauptmann "Schinderhannes" allgemein bekannt ist, geriet der "Fetzer" , eine "Fußnote" in der Verhaftungsszene des Schinderhannes, in Vergessenheit...
Tilman Röhrig hat sich in einer akribisch genauen Recherche auf die Suche gemacht, diesen verschollenen Lebensweg des Mathias Weber zu erschließen, seine menschliche Geschichte zu schreiben und ihm somit eine Sprache in vielfacher Hinsicht zu geben:
Mathias Weber, ein kurzes Leben:
1778 in Grefrath geboren, 1803 endete sein Lebensweg auf der Guillotine in Köln. Dazwischen zeichnet Tilman Röhrig sein Leben
und nimmt uns in diese menschliche Tragödie mit:
"Wieviel Fuß liegen zwischen dem Leben und solch einem Tod?"
Mathias Weber ist ein Kind seiner Zeit und widriger Umstände:
Seine Mutter stirbt bei seiner Geburt, sein Vater vernachlässigt ihn, ein Scherenschleifer vagabundiert mit ihm von Ort zu Ort. Mit 11 Jahren kommt er auf ein Gut, wo der intelligente Junge Lesen und Schreiben lernt, doch ständige Konflikte treiben ihn in die Armee. Schon mit 15 Jahren verübt er seinen ersten Raub, das Gold wärmt ihn, seine "Räuberkarriere" beginnt...Bald wird er Anführer von Banden, die links- und rechtsrheinische Orte und Städte heimsuchen und in brutaler Weise ihr Unwesen treiben...
Mathias, von vielen als "Zwerg" verhöhnt und verspottet, kompensiert seine Demütigungen mit immer gewagteren Überfällen, den neuen Namen "Fetzer" verinnerlicht er nach und nach wie einen Hoheitstitel, keine Tür ist mehr vor ihm sicher, er sammelt ihre Schlösser wie Trophäen...
Tilman Röhrig vermittelt uns kunstvoll die Perspektive des Protagonisten, einen Späherblick, haarscharf tastet er z.B. die Fassade des Rathauses ab und sucht immer nach Schlupflöchern...
Atemlos können wir als Leser seine Ruh- und Rastlosigkeit miterleben, sein unersättliches "Jagdfieber" spüren, aber auch erleben , wie aus dem "Jäger" ein unerbittlich gejagtes "Wild" wird...
Seine "Erfolge" feiert er exzessiv in Bordellen und Wirtshäusern, schnell sind die Golddukaten ausgegeben...
In diesem unsteten Leben, in dem Mathias Weber auch aus Angst vor dem Verlust von Bewunderung getrieben wird, und er immer mehr verroht, kann der Leser in fein skizzierten Beschreibungen spüren, wie unter dieser Härte noch Menschliches lebt...
Anrührend ist auch das Schicksal der Frauen, die in seinem Leben eine Rolle spielen und die selbst Opfer ihrer Zeit und Lebensumständen sind...
Besonders berührend ist sein Empfinden zu seiner Tochter Ursula, die er abgöttisch liebt, der er goldene Stiefel und eine goldene Zukunft als "Prinzessin" schenken möchte, mit der der "Sprachlose" so zärtlich reden kann, dass die Mutter eifersüchtig das eigene Kind zu hassen beginnt, was in einer dramatischen Szene gipfelt...
Anrührend ist auch die Geschichte seiner Geliebten Christine, die ihn retten will und ihm - über alles menschliche Maß hinaus -seinen "letzten Willen" erfüllt...
Von der Syphilis gezeichnet und von dem ruhelosen Leben kraftlos geworden, geht er in das Netz des öffentlichen Anklägers Anton Keil, der nach einer "ausgeklügelten" Methode, sich ehrgeizig zum Ziel gesetzt hat, den Fetzer, dessen Intelligenz und Stolz er übertrumpfen will, zu fangen.
Mit einer auf den Fetzer zugeschnittenen List und mit "Menschenkenntnis" sucht er für ein "erfolgreiches" Verhör dessen "Passwort"...
Eine weitere äußerst spannende Stelle...
Passend zum Psychogramm des Fetzers bildet Tilman Röhrig die Veränderung des Protagonisten in beeindruckender Weise in seiner Sprachgestaltung ab, verdrängte und absorbierte Gefühle des Fetzers fluten "verhängnisvoll" in Dialoge...
Tilman Röhrig schenkt diesem "Sprachlosen" und "Einsamen" im Nachhinein auf kunstvolle Weise seine "eigentliche" Geschichte..
Mögen viele Leser dieses wertvolle hintergründige Buch lesen und seine menschliche Botschaft spüren...
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Medic
Die Ballade vom Fetzer als Titel ist aus meiner Sicht ein wenig irreführend, der Inhalt erscheint nicht in Form einer Ballade sondern vielmehr als Rekonstruktion und chronologische Aufzählung der damaligen Ereignisse, vom Stil her durchaus erkennbar aus alten Akten und Berichten gefertigt. Obwohl der Inhalt sehr interessant ist, ergeben sich teilweise leichte Durststrecken, wenn banale Ereignisse der Vollständigkeit halber mit eingebracht werden. Für den Leser, der nicht im Rheinland, besser noch in der unmittelbaren Umgebung der Erzählung ansässig ist, ist das Lesen noch trockener, weil er mit vielen Ortschaften nicht vertraut ist. Hier wäre Kartenmaterial und überhaupt ein gewisses Maß an Illustration sicher ein Plus gewesen. Trotz dieser Kritikpunkte zeugt die Arbeit des Autoren von intensiver Beschäftigung mit der Person des Fetzers und wird daher von mir themenorientiert mit vier Sternen gewürdigt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mathias Weber wurde nur 24 Jahre alt, er starb 1803 durch die Guillotine und war der letzte Mensch, der in Köln öffentlich hingerichtet wurde. Sein kurzes Leben ist beispielhaft für diese Zeit, in welcher die Bevölkerung immer wieder von Kämpfen und Not heimgesucht wird. Das Deutsche Reich besteht aus über 300 Kleinstaaten, die linke Rheinseite steht unter französischer Herrschaft. Holland, Deutschland und Frankreich liegen im Krieg, die Behörden korrespondieren kaum miteinander, es gibt kein einheitliches Passsystem, Mörder, Diebe und Verbrecher können leicht über die Departmentgrenzen fliehen und bleiben so meist straffrei. Die Bevölkerung leidet unter umherziehenden Soldaten, Räuberbanden, vor allem aber auch unter Hunger und Armut.
Hier wächst Mathias Weber auf, ohne Eltern, wird er von einem Scherenschleifer aufgenommen, der ihm schon als Kind an das Stehlen heranführt. Zwar lernt Mathias auf einem gräflichen Gut Lesen und Schreiben, doch sein besonderes Wesen verwehrt ihm eine bürgerliche Zukunft, treibt ihn zu den Soldaten ins Heer und, als er 16 ist, in die Wirtshäuser, wo er sich schnell einer Räuberbande anschliesst.
Schnell erwirbt er sich Ansehen durch seinen brennenden Ehrgeiz, seine Intelligenz und seinen Einfallsreichtum, mit 19 wird er Räuberhauptmann. Sein Beiname "Fetzer", erworben durch seine Wildheit im Kampf, bringt ihm Ruhm und Ansehen unter den Räubern, zieht jedoch auch die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich.

Mathias Weber führt ein ungezügeltes Leben, in dem er sich alles nimmt, auf das er ein begehrliches Auge richtet. Er wird Vater einer Tochter, die der einzige Mensch ist welchen er liebevoll behandeln kann. Er erlebt Freundschaft, Rivalität, Gefangenschaft, wilde Gelage in Wirtshäusern und Bordellen, immer mehr scheint er zu verrohen.

Doch soviele Erfolge die Raubzüge des Fetzers auch vorzuweisen haben, soviele Goldstücke er auch erbeutet, Mathias Weber kann nicht zur Ruhe kommen, nirgendwo ist es sicher, überall droht die Verhaftung. Das ruhelose, umtriebige Leben macht ihn müde und liefert ihn endlich in die Hände des öffentlichen Anklägers Anton Keil. Dieser kennt seine Lebensgeschichte, bewundert seine Charakterstärke und Intelligenz. Er nähert sich ihm an und entlockt ihm nach und nach die Geständnisse von über 190 Überfällen, für welche der Fetzer schließlich zum Tode verurteilt wird.

Mathias Weber, der sein Ende lange sah, nimmt sein Urteil ergeben entgegen, äußert Zufriedenheit und Erleichterung. Er zieht den schnellen Tod durch Hinrichtung der Syphilis vor, die ihn bereits schwer gezeichnet hat.
Seine letzten Worte an die Kölner Bevölkerung "Ihr Eltern, achtet auf eure Kinder! Lasst sie nicht in die Wirtshäuser! Nicht in die Bordelle! Die sind schuld!" sind ergreifend, sein Tod wird beweint.

Seine Geschichte ist mitreissend und erschreckend, ein Porträt Deutschlands zum Anfang des 18. Jahrhunderts, das fasziniert und abstößt, vor allem aber sehr lebendig ist.

Röhrigs Sprache ist wie immer wunderschön, sehr einfach, wirkt manchmal beinahe abgehackt, aber gerade dies verleiht der Geschichte einen ganz besonderen Charme, scheint den Geist dieser kriegerischen Zeit einzufangen und ungeschönt wiederzugeben.

Der ursprüngliche Titel des Buches lautet: "Mathias Weber, genannt der Fetzer. Wer hängen soll ersäuft nicht".
Schade, dass er geändert wurde, finde ich ihn doch noch etwas treffender formuliert als "Die Ballade..."
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