Mathias Weber wurde nur 24 Jahre alt, er starb 1803 durch die Guillotine und war der letzte Mensch, der in Köln öffentlich hingerichtet wurde. Sein kurzes Leben ist beispielhaft für diese Zeit, in welcher die Bevölkerung immer wieder von Kämpfen und Not heimgesucht wird. Das Deutsche Reich besteht aus über 300 Kleinstaaten, die linke Rheinseite steht unter französischer Herrschaft. Holland, Deutschland und Frankreich liegen im Krieg, die Behörden korrespondieren kaum miteinander, es gibt kein einheitliches Passsystem, Mörder, Diebe und Verbrecher können leicht über die Departmentgrenzen fliehen und bleiben so meist straffrei. Die Bevölkerung leidet unter umherziehenden Soldaten, Räuberbanden, vor allem aber auch unter Hunger und Armut.
Hier wächst Mathias Weber auf, ohne Eltern, wird er von einem Scherenschleifer aufgenommen, der ihm schon als Kind an das Stehlen heranführt. Zwar lernt Mathias auf einem gräflichen Gut Lesen und Schreiben, doch sein besonderes Wesen verwehrt ihm eine bürgerliche Zukunft, treibt ihn zu den Soldaten ins Heer und, als er 16 ist, in die Wirtshäuser, wo er sich schnell einer Räuberbande anschliesst.
Schnell erwirbt er sich Ansehen durch seinen brennenden Ehrgeiz, seine Intelligenz und seinen Einfallsreichtum, mit 19 wird er Räuberhauptmann. Sein Beiname "Fetzer", erworben durch seine Wildheit im Kampf, bringt ihm Ruhm und Ansehen unter den Räubern, zieht jedoch auch die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich.
Mathias Weber führt ein ungezügeltes Leben, in dem er sich alles nimmt, auf das er ein begehrliches Auge richtet. Er wird Vater einer Tochter, die der einzige Mensch ist welchen er liebevoll behandeln kann. Er erlebt Freundschaft, Rivalität, Gefangenschaft, wilde Gelage in Wirtshäusern und Bordellen, immer mehr scheint er zu verrohen.
Doch soviele Erfolge die Raubzüge des Fetzers auch vorzuweisen haben, soviele Goldstücke er auch erbeutet, Mathias Weber kann nicht zur Ruhe kommen, nirgendwo ist es sicher, überall droht die Verhaftung. Das ruhelose, umtriebige Leben macht ihn müde und liefert ihn endlich in die Hände des öffentlichen Anklägers Anton Keil. Dieser kennt seine Lebensgeschichte, bewundert seine Charakterstärke und Intelligenz. Er nähert sich ihm an und entlockt ihm nach und nach die Geständnisse von über 190 Überfällen, für welche der Fetzer schließlich zum Tode verurteilt wird.
Mathias Weber, der sein Ende lange sah, nimmt sein Urteil ergeben entgegen, äußert Zufriedenheit und Erleichterung. Er zieht den schnellen Tod durch Hinrichtung der Syphilis vor, die ihn bereits schwer gezeichnet hat.
Seine letzten Worte an die Kölner Bevölkerung "Ihr Eltern, achtet auf eure Kinder! Lasst sie nicht in die Wirtshäuser! Nicht in die Bordelle! Die sind schuld!" sind ergreifend, sein Tod wird beweint.
Seine Geschichte ist mitreissend und erschreckend, ein Porträt Deutschlands zum Anfang des 18. Jahrhunderts, das fasziniert und abstößt, vor allem aber sehr lebendig ist.
Röhrigs Sprache ist wie immer wunderschön, sehr einfach, wirkt manchmal beinahe abgehackt, aber gerade dies verleiht der Geschichte einen ganz besonderen Charme, scheint den Geist dieser kriegerischen Zeit einzufangen und ungeschönt wiederzugeben.
Der ursprüngliche Titel des Buches lautet: "Mathias Weber, genannt der Fetzer. Wer hängen soll ersäuft nicht".
Schade, dass er geändert wurde, finde ich ihn doch noch etwas treffender formuliert als "Die Ballade..."