"Feminismus ist fun. Und Feministin zu sein, macht Spaß - sehr viel mehr Spaß als das Gegenteil." Diesen Eindruck vermittelt dieses Buch wirklich. Wer behauptet, dass Feministinnen keinen Humor haben, wird durch dieses Buch eines besseren belehrt. Das Buch ist witzig und unterhaltsam geschrieben. Allerdings irrt die Autorin, wenn sie schreibt, dass "für männliche Chauvinisten, für Antifeministinnen, für fundamentalistische Christen, für Rechtskonservative, Linksmoralische oder überzeugte Gebärmutter-Feministinnen (...) dieses Handbuch eher nicht das Richtige" sei. Für jeden Feminismusinteressierten - selbst für "männliche Chauvinisten" - ist dieses Buch von sehr hohem Informationswert. Zumal es im Untertitel heißt: "Ein Handbuch für Frauen, die sich munitionieren wollen." Gerade Männer sollten wissen, was auf sie zukommt.
Die Autorin unterscheidet verschiedene Typen von Feministinnen und charakterisiert sie nach feministischem Selbstverständnis, Alter, Ausbildung und Beruf, sozialem Status, Stil, Kultur, politischer Zugehörigkeit, "weiteren Kennzeichen" und der diesen Typ charakterisierenden politischen Parole.
Es finden sich im Buch eine Rehe rhetorischer Tipps für Feministinnen wie etwa den, auf den Vorwurf der Männerfeindlichkeit mit dem Spruch zu reagieren: "Ich finde Männer süß". In den Augen der Autorin ist das "(d)er älteste Trick überhaupt. Etwas positives sagen und mit diesem Kommentar das Objekt abwerten." Der entsprechende Gegenspruch für Männer müsste dann wohl lauten: "Dann sind es keine richtigen Männer." Immerhin zeigt dieses Beispiel, dass die Autorin sich der Bedeutung der Rhetorik sehr bewusst ist. Auch findet sich an einer anderen Stelle des Buches eine Auflistung der wirksamsten feministischen Parolen, sowie von Parolen, von denen die Autorin eher abrät. Dem gegenüber gestellt werden "10 der dümmsten Aussprüche über Frauen" bekannter Philosophen und Schriftsteller. Leider hat die Autorin sich auf nur zehn dieser Aussprüche beschränkt.
In der Frage der Pornografie hält die Autorin gleich zwei Argumentationsweisen parat: Eine für Feministinnen, die etwas gegen Pornografie haben und eine für Feministinnen, die nichts gegen Pornografie haben. Man sieht also, es ist ein sehr vielseitiger Ratgeber. Die Autorin gibt auch Tipps, "wie sich eine Quotendiskussion anzetteln lässt". Selbstverständlich sind damit nur die qualifizierten Berufe gemeint. Allerdings fehlt in diesem Buch jeder Hinweis auf die Männer- oder Väterbewegung. Eine Argumentationshilfe gegenüber den Argumenten der "Maskulisten" wäre für Feministinnen sicher sehr hilfreich gewesen.
Nicht nur Argumentationshilfen, sondern auch viele Informationen bietet das Buch. Gelernt habe ich aus diesem Buch zum Beispiel, dass es nicht nur Hardcore-Pornos, sondern auch Hardcore-Feministinnen gibt. Und in dem Kapitel "Stilfragen zum Schamhaar" erfährt der Leser etwas über die gebräuchlichen Schamhaar-Frisuren. Das die heutige Bundeskanzlerin in der Zeitschrift "EMMA" seinerzeit eine Rezension des feministischen Klassikers "Backlash" von Susan Faludi veröffentlicht hat, wissen vielleicht nicht einmal alle ihre Parteifreunde.
Im Kapitel "Feminismus, Praktisch" rät die Autorin den Feministinnen, in jeder Hinsicht ausschließlich Frauen zu unterstützen und sich ausschließlich auf Frauen zu beziehen. Das geht dann sogar soweit, das die entsprechend instruierte Feministin selbst auf die Frage nach Lieblingsbuch und Lieblingsfilm ausschließlich weibliche Autoren oder Regiesseure nennt. Was macht aber die Feministin, wenn ihr persönliches Lieblingsbuch oder Lieblingsfilm von einem männlichen Autor geschrieben oder von einem männlichen Regiesseur gedreht wurde? Ist sie dann vielleicht keine Feministin mehr? Frauen fordert sie auf, Frauennetzwerke zu bilden, wie auch schon führende Politikerinnen sich schon wiederholt zu solchen parteiübergreifenden Netzwerken bekannt haben. Gibt es die feministische Verschwörung also wirklich?
In ihrem "Schnellkurs in Feminismus-Geschichte" wird der Begründer des modernen Feminismus gar nicht erwähnt: Saint-Simon. Unerwähnt bleibt auch, das in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg das Frauenwahlrecht nicht von Frauen, sondern von Männern erkämpft wurde.
Es finden sich Filmtipps zu Filmen, die gerade für Feministinnen interessant sind. Sehr beachtlich ist hierbei, dass auch der Film "Eine verhängnisvolle Affäre" aufgeführt wird. Dem "Feministinnen-Trinkspiel" kann der Leser Hinweise entnehmen, was der Fernsehzuschauer in Filmen nicht mehr sehen würde, wenn es nach der Autorin ginge.
Alles in allem ist das Buch ein sehr guter Griff.