Günter Roth versteht es, sowohl dem Praktiker als auch den Interessierten mit diesem Taschenbuch ein Werk in die Hand zu geben, in dem sich nahezu alles findet, was man mit „Wetter" in Verbindung bringt. Das Buch präsentiert sich in einem wohldurchdachten, professionellen Aufbau.
Nach einem kurzen Einstiegskapitel, in dem unsere „täglichen Kontakte" mit dem Wettergeschehen reflektiert werden, werden im zweiten Kapitel ohne großen Schnörkel die astronomischen, atmosphärischen und klimatologischen Rahmenbedingungen unseres Wettergeschehens dargestellt. Im dritten Kapitel folgt dann jeweils auf einer Doppelseite mit Bild und Text eine detaillierte Präsentation meteorologischer Einzelphänomene. Die Raffinesse dieser Darstellungsart wird hier aber leider durch die Gleichbehandlung von über- (z.B. Wetterfronten, Höhenströmung) und untergeordneten Phänomenen (Blitz, Hagel, Haufenwolke) geschwächt. Hier wäre ein verschachtelter Aufbau entsprechend der logischen Anordnung wünschenswert gewesen.
Das vierte Kapitel widmet sich in klassischer Art den meteorologischen Elementen (Luftdruck, Temperatur, Wind, etc.). Sehr ansprechend finde ich die übersichtliche Gestaltung von Tabellen und Merksätzen sowie die Darstellung praxisrelevanter Details zu Meßtechnik und Instrumentenkunde. Hier werden allerdings manche physikalische Zusammenhänge beschrieben, die in den nachfolgenden wetterkundlichen Kapiteln noch einmal aufgegriffen werden und daher eigentlich dorthin gehören (die Corioliskraft wird dadurch an zwei Stellen erklärt). Bemerkenswert sind die vielen kleinen Details, die das Buch aus seiner Kategorie herausstechen läßt (Staudruckangaben in Beaufort-Skala, Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala).
Das fünfte Kapitel behandelt die synoptische Wetterkunde. Hier wird das Interpretieren der Wetterkarte beschrieben. Positiv ist, daß der Autor sowohl die offiziellen Karten des Deutschen Wetterdienstes als auch die vereinfachten Karten aus Tageszeitungen abbildet. Der Leser kann nun direkt den unterschiedlichen Informationsgehalt der Karten wahrnehmen und für sich bewerten. Ein Stationsmodell und die Beschreibung der Wettersymbole fehlt nicht. Anhand der Darstellung von Höhenwetterkarten steigt Roth schon recht tief in die Meteorologie ein. Ungewöhnlich und faszinierend für mich ist die Aufnahme des Großwetterlagenkataloges von Hess./Brezowsky. Dadurch kommt auch der anspruchsvolle Laienmeteorologe auf seine Kosten.
Das sechste Kapitel soll zwar der Vertiefung der Wetterkunde dienen, liefert aber eigentlich eine Beschreibung dessen, was im vorhergehenden Kapitel ungeschminkt präsentiert wurde. Hier erfährt der Leser nochmals die grundlegenden Zusammenhänge von Wetter- und Windsystemen. In großen farbigen Darstellungen werden Zirkulationssysteme recht plakativ verdeutlicht; der zugehörige Text ist wesentlich gehaltvoller. Auch hier sprechen die Details wieder für tiefe Sachkenntnis des Autors. Mißlungen ist aber eine Abbildung der europäischen Klimate wie auch die Abbildungen der Erdklimate am Schluß des Buches. Auch hätten Beschriftungen in den Skizzen diese instruktiver gemacht. Der zeitliche Verlauf des Wettergeschehens in einem Tiefdrucksystem wird anhand der Reproduktion der „Kleinen Wetterkunde" des DWDs beschrieben. Hier hätte der Autor ruhig auch den dort dargestellten graphischen Verlauf von Temperatur, Luftdruck und Wind übernehmen können.
Die ergänzenden Abschnitten über Biowetter und globale Klimaveränderungen (inkl. El Nino) wären in einem zusätzlichen Kapitel besser aufgehoben.
Ein weiteres Kapitel behandelt Wetterdienste und Wettervorhersage. Der deutsche Wetterdienst wird hier sehr ausführlich geschrieben. Offensichtlich hat der Autor hierfür auf die umfangreichen Präsentationen des DWDs im Internet zurückgegriffen. Sehr positiv ist die ausführliche Übersicht, wo und wann Wetterberichte und Daten in den Medien erscheinen. Eine kurze Darstellung des Berufsfeldes der Meteorologie schließt das Kapitel ab.
Das letzte aber zu knapp ausgefallene Kapitel gibt Tips für eigene Wetterbeobachtungen und endet mit einem Wolkenatlas und einer Bildfolge zur Abschätzung des Seegangs. In diesem Abschnitt hätte der Autor noch mehr Informationen zur Praxis und Phänomenologie geben können.
Ein Glossar, ausgewogene Literaturhinweise und ein ausführliches Stichwortverzeichnis schließen das insgesamt sehr gelungene Buch ab.
Ich meine, daß dieses Buch für den am Wetter Interessierten eine Fülle an Stoff bietet. Auch als Einstieg in weiterführende meteorlogische Literatur ist es geeignet. Der eher an praktischer Wetterkunde Interessierte (Segler, Flieger) hätte sich mehr zur Synoptik und griffige Regeln gewünscht. Die Abbildungen und zahlreichen schönen Bilder geben dem Buch einen ansprechenden Eindruck. Die wahre Qualität dieses Buches ist jedoch im Text und der Auswahl des Stoffes begründet.