Dieses Buch handelt von den Unterschieden zwischen Marktwirtschaft und Bürokratie / Sozialismus.
Zunächst wird dargestellt, wie Entscheidung und Koordination in der Marktwirtschaft funktionieren. Auf dem Markt treffen Angebot und Nachfrage aufeinander. Durch den Marktpreis erfahren die Unternehmen, ob sie profitabel arbeiten oder nicht. Das schlägt sich bei ihnen in der Buchführung nieder. Durch die Buchführung der einzelnen Abteilungen oder Betriebe weiß ein Konzern immer, welche seiner Teile profitabel sind oder nicht. Man kann auch erkennen, welche Mitarbeiter gute Arbeit leisten und welche nicht (z. B. an Hand der Anzahl der gefertigten Produkte). Die Marktwirtschaft basiert auf dem privaten Eigentum an Produktionsmitteln, weil sich sonst keine Preise bilden können, welche jedoch für die Koordination der Marktteilnehmer notwendig sind.
Bürokratie gibt es dort, wo es keine Marktpreise gibt; z. B. wird niemand eine Gebühr für die Verteidigung zahlen wollen. Dort kann man deshalb Kosten und Nutzen nicht in Geldeinheiten ausdrücken (soll man eine Polizeibehörde nach der Anzahl der gefassten Diebe bezahlen?). Dort gilt wie immer, dass mehr Aufwand vielleicht größeren Erfolg nach sich zieht; aber belegen lässt es sich nicht. Zur Vermeidung von Missbräuchen und Verschwendung führt man deshalb Budgets und Vorschriften ein. Die Mitarbeiter werden nach Alter oder Dauer der Betriebszugehörigkeit bezahlt. Der Autor zeigt, dass damit das Alter der Führungspersonen hoch sein muss, was tendenziell die Einführung von Neuerungen bremst.
Bürokratie ist demnach weder gut noch schlecht; sie ist im Bereich der Kernaufgaben des Staates (Inneres, Justiz, Verteidigung) notwendig. Das Problem liegt darin, dass der Umfang der Bürokratie ständig erweitert und auf die Unternehmen ausgedehnt wird, z. B. durch:
- zu hohe Besteuerung von Gewinnen hemmt die Innovationsfähigkeit der Unternehmen
- staatliche Preiskontrollen untergraben den Marktmechanismus
- Regulierungen und Vorschriften beschränken den Entscheidungsspielraum der Unternehmen
Diese Maßnahmen führen dazu, dass die Unternehmer zunehmend zu Bürokraten werden; das wirkt sich negativ auf das Wirtschaftswachstum aus. Sozialismus bedeutet, dass alle Unternehmen Teil der staatlichen Bürokratie werden und deshalb die Koordination der Volkswirtschaft nicht mehr funktionieren kann. Staat der Verbraucher ist die Plankommission König. (Aus diesem Grund ist der Kommunismus gescheitert; siehe Mises: "Socialism" / "Die Gemeinwirtschaft".)
Der Autor zeigt danach, wie die Bürokratie sozial und psychologisch wirkt. Wenn die Bürokratie sich immer mehr ausweitet, sucht jeder nur noch Hilfe beim Staat. Um die Demokratie zu erhalten, muss man deshalb die Einflusssphäre der Bürokratie minimieren. Im Laufe der Argumentation werden die Ideen philosophischer Wegbereiter (Marx, Plato) diskutiert und Ausflüge in die nähere (Sozialismus / Faschismus) und fernere Vergangenheit (Untergang des Römischen Reiches) unternommen.
Mir hat das Buch gut gefallen, weil es die Bürokratie objektiv darstellt und nicht "verteufelt". Die in der Betriebswirtschaftslehre so gern erwähnten "internen Verrechnungskosten" zwischen Unternehmensteilen, "Outsourcing" und Fremdvergabe von Aufträgen werden hier auch bereits angesprochen. Ich kann das Buch deshalb jedem empfehlen, der eine Einführung in die Themen Marktwirtschaft / Privatunternehmen und Sozialismus / Bürokratie sucht. (Hinweis: Ich habe die amerikanische Ausgabe "Bureaucracy" mit aktualisiertem Vorwort gelesen.)