Neil Gaiman ist einer der bekanntesten Comictexter überhaupt; er war Autor der völlig zu Recht legendären Serie "The Sandman". Hier aber ist er nur in homöopathischer Dosis beteiligt:
Gaiman hatte Mitte der Achtziger eine (sehr gelungene) Comic-Miniserie um die Halbwaise Timothy Hunter, einen brillentragenden Teenager aus England mit gewaltigen magischen Talenten geschrieben - und nein, das war alles fast ein Jahrzehnt vor Mrs. Rowling! Entsprechend muss Timothy Hunter auch zusehen, wie er alleine überlebt und erwachsen wird; sein einziger, nur gelegentlich auftauchender erwachsener Freund ist John Constantine, ein zynischer, kettenrauchender Trickster (und der wohl größte Schweinehund, der je eine eigene Comicserie erhielt).
Auch ist Hunters Welt weit weniger putzig harmlos (jawohl!) wie das possierliche "Muggles"- London Harry Potters. Als Beispiel sei nur seine in Nordirland aufgewachsene und von der Gewalt des Bürgerkriegs traumatisierte Freundin Molly erwähnt.
DC Vertigo hatte diese Figuren in eine - lange Zeit blendende - Serie monatlicher Comics übernommen, welche aber nicht von Gaiman , sondern von John Ney Rieber geschrieben wurde.
Das vorliegende Buch fasst ungefähr sechs Monate dieser Serie in Prosa zusammen; es handelt sich also um eine "novelization", eine blosse Nacherzählung.
Braucht man die Nacherzählung einer Comicserie? Ich schätze nicht. Schließlich bedeutet ein gelungener Comic ein Zussammenspiel von Text und Bild, welches so nicht ohne weiteres in ein anderes Medium übernommen werden kann. Das Resultat ist daher wohl ebenso peinlich wie die "novelizations" diverser Hollywood - Blockbuster.
Also: Lest mehr Comics, Leute!