Die Autorin ist Psychologin und hat die Fälle ihrer Patientinnen (mehrere Tausend in vielen Jahren) akribisch ausgewertet, wodurch sie zu einem Ergebnis kam: Fast alle Frauen litten und leiden unter einer "bösen" Mutter. Eine Frau, die selbst eine böse Mutter hatte, gestört ist und Probleme hat, sie jedoch nicht erkennt, sondern sich in ihrer eigenen Tochter verkörpert fühlt. Dadurch entstehen Probleme, denn sie gibt ihr falsches Verhalten an die Tochter weiter, manipuliert und unterdrückt sie und sorgt so für eine weitere Generation, die gestörtes Verhalten an den Tag legt.
Meine Gedanken waren schon oft in diese Richtung gegangen. Zu sehen, dass es Tausende ähnlicher Biografien gibt, hat das Ganze für mich nochmal realer und fassbarer, aber auch betroffener gemacht. Allein deshalb schon ein riesiges Dankeschön an die Autorin.
Das Buch liest sich flüssig und die Beispiele sind gut nachvollziehbar geschildert, da sie sehr detailliert auf das Innenleben beider Parteien (Mutter und Tochter) eingehen.
Einziger Minuspunkt für mich ist, dass es teilweise sehr feministisch angehaucht ist. Die Erstauflage stammt aus dem Jahr 1988, was das wohl erklärt. Dadurch kamen mir manche Erläuterungen etwas weit hergeholt vor (der Mann verdient Geld - die Frau macht den Haushalt -> Unterdrückung).