Akribisch untersucht Pohl sämtliche schriftlichen und archäologischen Quellen über die Awaren. Trotz verschiedener oder verschwommener Angaben dieser Quellen, erhält der Leser einen hervorragenden Einblick in dieses Volk, welches aus dem Dunkeln auftauchte um sich nach 250 Jahren wiederum klanglos zu verabschieden.
Schwierigkeiten bereitet bereits die Deutung des Ursprungs der Awaren. Als Steppenvolk aus dem asiatischen Raum abgewandert, vermutlich unter türkischem Druck, hatten sich mehrere Stämme vereinigt. Als Bezeichnung wählte man für sich den Awarennamen, obschon die Awaren ein vorher anderes existierendes Volk darstellten. Das zusammengewürfelte Volk besass zudem keine definitive Struktur. Die Awaren bildeten eine Oberschicht, wo andere Volksvertreter ebenfalls aufsteigen konnten. Die Wanderung führte die Awaren in den pannonischen Raum, wo man sich im ehemaligem langobardischen Gebiet niederliess. Es gelang den Awaren, die umliegenden Volksgruppen unter ihrer Herrschaft zu vereinen. In den folgenden Jahrzehnten folgten mehrere kriegerische Auseinandersetzungen mit Ostrom, wo es den Awaren gelang diese tributpflichtig zu halten.
Innenpolitisch bildeten die Awaren die Herrenschicht, welche die ansässigen und zugewanderten (u.a. Slawen) Völker unterordneten. Später wurden die Lebensformen der Awaren und Slawen immer ähnlicher. Die Awaren wandelten ihre Daseinsform vom Steppenkrieger zur sesshaften, agrarisch geprägten Lebensform. Administrativ konnte das Awarenreich nie mit den Strukturen anderer Völker konkurrieren. Hierin lag bereits der Ursprung des späteren Niedergangs, welcher sich durch die Schwäche der Nachbarreiche (Byzanz, Franken) hinauszögerte. Die Frankenfeldzüge des 8. Jahrhunderts brachten so keine direkte militärische Niederlage, bewirkten allerdings innere Unruhen. Diese führten zu regionalen Herrschaften, wovon ein Teil im Westen unter fränkische Oberhoheit fiel. Im Osten entstand ein bulgarisches Reich. Nach dem Zusammenbruch und Ausscheiden der Herrenschicht gingen die restlichen Awaren in den Slawenvölkern auf.
Obschon stellenweise etwas schwierig interpretiert gibt dieses Buch dem interessierten Leser einen hervorragenden Überblick, und kann als Standardwerk über das Awarenreich bezeichnet werden. Zum besseren Verständnis sollte der Leser allerdings über gewisse Vorkenntnisse über den behandelten Zeitraum verfügen.