1921 fand das erste Autorennen auf der im Grunewald gelegenen Berliner Avus statt, die damals über 19 km lang war. Die Südkurve lag in Nikolassee. 1936 wurde die Nordkurve zur legendären Steilwandkurve umgebaut. Die stromlinienförmigen Silberpfeile erreichten auf den langen Geraden 1937 etwa 380 km/h. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Rennen auf der auf 8,3 km verkürzten Strecke ausgetragen. 1998 endete die Rennsportgeschichte der Avus, fortan ist sie nur noch Teil der Berliner Stadtautobahn. Der Motorsport der Region findet nun auf dem Eurospeedway Lausitz und in Oschersleben statt. Axel Kirchner gibt mit seinem Buch einen hervorragenden Überblick über die Geschichte der Avus. In 6 Abschnitten, unterteilt in 24 Kapitel, bleibt keine Entwicklung dieser traditionsreichen Rennstrecke unberücksichtigt. Kirchner beschränkt sich dabei nicht auf die Autorennen, sondern gibt auch den Wettbewerben mit Motorrädern genügend Raum. Besonders informativ erscheinen die Schilderungen des Motorsports bis 1939 und zwar sowohl in sportlicher als auch in politischer Hinsicht. Neben den von höchster Sachkenntnis geprägten Texten überzeugt der Band durch eine komplette statistische Erfassung aller Avus-Rennen bis zum Abschluss 1998. Und die insgesamt 326 schönen Fotos versetzen einen noch einmal in die verschiedenen Epochen des Berliner Motorsports, seien es die gigantischen Rennschlachten der 30er Jahre, das Rennen der Nachkriegs-Silberpfeile 1954, der Grand Prix von Deutschland 1959 oder die Läufe um die DTM Anfang der 90er Jahre. Mit dem Autor dieses ohne Einschränkung zu empfehlenden Buchs kann man es nur bedauern, dass es die politisch und sportlich Verantwortlichen in Berlin nicht für nötig gehalten haben, in den unter Denkmalschutz stehenden und langsam verfallenden Tribünen ausgangs der Nordkurve durch Einrichtung einer musealen Stätte an die Tradition des Motorsports in Berlin zu erinnern.