Eine "schwere Schwarte im handlichen Grabsteinformat" ist es, die da vor einem liegt, wie selbst Monthy Python, immerhin die Autoren dieses Machwerks, zugeben müssen. Aber alles unter diesem Format wäre wohl auch einer Beleidigung gleichgekommen, immerhin wird in der drei Kilogramm schweren Autobiographie im Bildbandformat "Python über Python" auch das Resümee einer großen Karriere gezogen: Sechs Jahrzehnte sind es, die so zusammenkommen, angefangen bei den Jugenderinnerungen der sechs Mitglieder, über die ersten Zusammentreffen Mitte der 1960er Jahre bis zum "...und weiter" nach dem Tod von Graham Chapman 1989. Dazwischen liegt fulminante Karriere mit den ersten gemeinsamen Auftritten auf Kleinbühnen, dem Durchbruch mit der BBC-Show "Monthy Python's Flying Circus" und den großen Klassikern der Filmgeschichte wie "Die Ritter der Kokosnuss" oder "Life of Brian".
Die Autobiographie "Python über Python" blickt mit Hilfe zahlreicher Aufnahmen zurück in die Jugendzeit von Graham Chapman, John Cleese, Michael Palin, Eric Idle, Terry Jones und Terry Gilliam. Die Bilder zeigen junge Männer mit bravem Seitenscheitel im Stile der 1960er Jahre, Gruppenfotos aus der Schulzeit und den ersten Kontakt mit den Brettern, die für sie später die Welt bedeuten sollen. Neben einigen bekannten Aufnahmen enthält der opulent ausgestattete Band vor allem zahlreiches Material, das bisher in diversen Privatsammlungen verschlossen gehalten worden war und nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wird. Es sind aber nicht nur Fotos, die den Charme dieses Bildbandes ausmachen, sondern auch die vielen weiteren Abbildungen wie selbstgezeichnete Comics von Terry Gilliam, sowie Poster, Briefe oder Zeitungsartikel, die in ihrer Fülle das Gesamtbild von der Komikertruppe erst komplettieren. Ein wenig schade ist hier nur, dass die Beschriftung des Fotomaterials doch zu wünschen übrig lässt. Selbst für Fans, die sich intensiv mit dem Schaffen von "Monthy Python" auseinandergesetzt haben, dürfte es schwierig sein, einige Fotos in den Kontext einzuordnen. Ein kurzes Aufzählen der darauf abgebildeten Personen ist hier auch angesichts des Preises einfach zu wenig, so wüsste man doch gerne, warum sich beispielsweise mehrere altertümlich maskierte Personen über einen bewusstlosen Bobby beugen, oder die Mitglieder der Gruppe halbnackt zusammen im Bett posieren.
Wirklich neu an der von Kirsten Borchardt aus dem Englischen übersetzten Autobiographie ist die Gegenüberstellung von persönlichen Kommentaren der verbliebenen fünf der sechs Mitglieder von "Monthy Python". "Die Pythons treffen die Pythons" heißt nämlich das erste Kapitel, in dem von Terry Jones bis Terry Gilliam jeder seinen Senf zu den Beziehungen und Entwicklungen in der Gruppe dazugeben darf. Der früh verstorbene Graham Chapman spricht seinen Part "aus dem Jenseits", seine Kommentare wurden von David Sherlock, einem langjährigen Freund des Stars verfasst. Aber auch die anderen Texte haben es in sich: Co-Autor Bob McCabe gelingt es in "Python über Python" immer wieder, den pechschwarzen englischen Humor, den dieses Sextett so maßgeblich prägte und half in der Welt bekannt zu machen, dem Leser wiederzugeben. Beispielhaft sei hier nur die Auflistung der Personen erwähnt, die neben einem ausführlichen Index und Bildregister dieses Werk gelungen ausklingen lassen. Zu Lord Bernard Delfont heißt es dort kurz und knapp: "britischer Adliger, der nicht bereit war, das Leben des Brian zu finanzieren", ihm folgt dann aber - die Fans werden es ihm nie vergessen - Denis O'Brien, der es stattdessen tat. Auch Adolf Hitler wird hier noch kurz erwähnt, schließlich war er doch der "unangenehme Typ, der entgegen allen hartnäckigen Gerüchten niemals in Minehhead lebte." Absurd? Natürlich - "Monthy Python" eben.
Die Autobiographie "Python über Python" gleicht einer wahnwitzigen Wiederauferstehung der berühmtesten "Comedians" der 1970er Jahre. DAS Buch zum Kult-Komikerkollektiv!