Im Vorwort weist Herausgeber Christopher Trela daraufhin, dass dieses Buch in einer ersten Fassung bereits 1971 veröffentlicht wurde, damals allerdings ohne Register, Vorwort oder anderes. Das dieses Buch keine Autobiographie ist stimmt im Wesentlichen (wenn man so will liess Andy Warhol seine Weggefährten sein Leben erzählen), das es gar nicht um das Sexleben des Künstlers geht stimmt nicht ganz, immer wieder finden sich kleine Andeutungen darauf.
Ein Buch über einen Ausnahmekünstler wie Andy Warhol(a) am 29. Februar zu rezensieren erscheint mir passend, zumal heute und morgen eine sehenswerte, zweiteilige Doku über den Künstler auf Arte zu sehen ist. Darin ist zu erfahren, wie unsicher Warhol mit seinem Äußeren war, das er erst mit 25 den ersten Sex hatte, das er Truman Capote verehrte und nahezu stalkte, von diesem aber als Loser betrachtet wurde. All diese Details sind hilfreich um Warhol besser zu verstehen. Das Buch richtet sich vielleicht eher an fortgeschrittene Kenner der Pop-Art, mich als Laien hat die Lektüre allerdings nicht überfordert, wenn auch mitunter etwas gelangweilt. Mich persönlich fasziniert die Rolle, die Warhol und die Factory, Lou Reed und The Velvet Underground für den Punk gespielt hat. Statt über Musik wird in John Wilcocks Buch viel über Warhols Filme berichtet. Die Beschreibung dieser Werke klingt so, wie es meine Vorurteile vermuten liessen: diese cineastischen Werke dürften extrem anstrengend und langweilig sein. Die Bilder hingegen bieten deutlich mehr als lediglich Suppendosen, Marilyn oder Cola-Flaschen. Gezeigt werden nur wenige von Warhols Werken, wenn dann aber erfreulich groß und in Farbe. Im Wesentlichen sind aber s/w-Fotos von Warhol und seinen Freunden und Bekannten zu sehen.
Das Buch beinhaltet 20 Interviews mit Personen, die Andy Warhol sehr gut kannten, darunter Henry Geldzahler, Sam Green, Nico, Lou Reed, Gerard Malanga und Buddy Wirtschafter.
Wohlhabend, aber auch nicht absurd reich, schüchtern, verschmitzt und rätselhaft - so das Bild das von Andy Warhol in diesem Buch gezeichnet wird. Details über den Kunstbetrieb, die Arbeitsweise und das Privatleben des Künstlers mit der schlecht sitzenden Perücke, 1928 in Pittsburg, Philadelphia geborenen und mit 20 nach New York City umgezogen (genau umgekehrt wie bei Christina Aguilera, aber das nur am Rande :-)).
Ein tolles Buch!
256 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Farbe, Übersetzung: Alan Tepper, Hannibal 2012