In vier umfangreichen Erzählungen, die unter dem Titel "Die Ausgewanderten" zusammengefaßt sind, bewahrt W.G. Sebald die Erinnerung an die Lebens- und Leidensgeschichte von vier jüdischen Männern auf: sein Vermieter, sein Grundschullehrer, sein Onkel und ein befreundeter Maler.
Mit feinfühliger Zurückhaltung bei gleichzeitiger Detailgenauigkeit erzählt Sebald vom Schicksal dieser europäischen Juden, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, im Alter ihre Entwurzelung nicht mehr ertragen konnten und ihrem Leben ein Ende setzten. Der Autor hat sorgfältig recherchiert, Gespräche geführt, Dokumente und Photos gesammelt und sich zahlreiche Schauplätze angesehen. Indem er versucht, das Leben der Männer zu rekonstruieren, erzählt er auch stets von sich und seinem Schmerz über die hektische Erinnungslosigkeit.
Eine Trauerarbeit, deren melancholischer Grundton sich im Leser festsetzt und lange Zeit nachschwingt.