das buch ist gut lesbar, es ist kein akademisches werk, die anzahl der fußnoten ist überschaubar, es hat eher den charakter eines essays.
gut ist das buch immer dann, wenn es risikofaktoren differenziert darstellt. alleinerziehend ist z.b. so ein risikofaktor. aber die ärztin, die freiberufliche sozialpädagogin und die arbeitslose schulabbrecherin haben trotzdem nicht das selbe risiko, zu den "ausgeschlossenen" der bevölkerung zu gehören. der begriff der "ausgeschlossenen" gefällt mir übrigens ganz gut, es geht eben nicht nur um materielle armut, sondern um verschiedene teilhabemöglichkeiten, die einem teil der bevölkerung vorenthalten sind.
gelungen finde ich auch die passagen, in denen der autor das reale leben der sog. unterschicht skizziert. der tonfall ist hier angenehm frei von moralinsaurem "ihr müsst euch halt mal anstrengen".
nicht so gelungen finde ich das kapitel über bildung. jeder, der ein bisschen zeitung liest, weiß, dass das deutsche schulsystem soziale schichtungen eher noch verstärkt, arbeiterkinder haben es verdammt schwer. da fände ich eher interessant zu fragen, warum das weiterhin so ist, obwohl doch diese dinge via pisa-tests längst in den allgemeinen diskurs drin sind. in hamburg zeigt sich ja gerade unter der schwarz-grünen regierung, dass bestimmte kreise gar kein interesse daran haben, dass ihre kinder mit den schmuddelkindern zusammen die schule besuchen.
überhaupt, der autor möchte sich keinesfalls politisch vereinnahmen lassen. es bleibt beschreibend, der leser darf selbst denken, was er mit den informationen macht. und auch, ob der "traum von der gerechten gesellschaft" wirklich aus ist...? warum sollte das so sein und gab es diese gerechte gesellschaft schon oder gab es nur den traum? und wohin führt eine gesellschaft, die diesen traum wirklich aufgibt?