Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die sich in einer fremdartigen Kultur entwickelt, gewürzt mit einem guten Schuss Mystik, so sind erfolgreiche Unterhaltungsromane gestrickt. Dass das Buch der in Italien geborenen und in der Schweiz lebenden Autorin dennoch die Lektüre wert ist, ist der Tatsache geschuldet, dass offensichtlich den Anspruch hat, mehr als reine Unterhaltung zu bieten, sie hat spürbar ihre Hausaufgaben gemacht und gründlich recherchiert, bleibt aber inhaltlich und stilistisch dicht an der Trivialität.
Die junge Finnin Agneta Pacius ist auf der Suche nach einer Aufgabe im Leben und nach dem Ende einer kurzen, aber durchhaus erfolgreichen Modelkarriere möchte sie sich als Designerin versuchen und landet schließlich in einer Kunsthochschule in Japan. Dort freundet sie sich mit der bildhübschen Japanerin Lumina an und lernt deren Onkel Dan kennen, einen umschwärmten Schauspieler. Natürlich verliebt sie sich in ihn, doch dann kommt sie einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur, dessen gegenwärtige Protagonistin Lumina ist.
Genau an diesem Punkt beginnen die Probleme des Romans. Lumina wird als traumatisiert beschrieben, sie hat wie durch ein Wunder einen Flugzeugabsturz überlebt, bei dem unter Hunderten Opfern auch ihr Vater gewesen ist. Vor allem aber hat sich ihrer wie schon ihrer Großmutter ein Geist aus der Vergangenheit bemächtigt, der sie immer wieder zu unkontrollierten Taten treibt. Agneta wiederum hat viel Zeit mit ihrer Großmutter, einer finnischen Schamanin aus dem Volk der Samen, verbracht und besitzt die Augen des Schmetterlings, was nicht nur bedeutet, dass sie ständig mit ihrem als Kind ertrunkenen Bruder kommuniziert, sondern sie auch befähigt, Geister zu sehen und zu vertreiben.
Weniger wäre hier wie so oft mehr gewesen, denn gerade im Beschreiben der japanischen Kultur besitzt der Roman eindeutige Stärken, was wenig verwundert, da die Autorin mit einem Japaner verheiratet ist. Dan nämlich ist kein gewöhnlicher Schauspieler, sondern Star des traditionellen Kabuki-Theaters, in welchem noch heute Männer die Frauenrollen spielen und über die an diesen Dingen interessierte Finnin der Vater Opernregisseur ist erfährt auch der Leser eine Vielzahl interessanter Einzelheiten. Und dann gibt es ja auch noch die tragische Familiengeschichte, von der Dan erzählt und in der sich natürlich japanische Geschichte spiegelt.