Stephen King schrieb "Die Augen des Drachen" (OT: The Eyes of the Dragon) vor rund 30 Jahren für seine Tochter Naomi. Da Kings Tochter an den bis dahin verfassten Werken ihres Vaters kein Interesse zeigte, schrieb Stephen King ein Buch, das sich vollkommen von seinen anderen Geschichten unterscheidet. "Die Augen des Drachen" ist kein Horror-Roman, wie die meisten von Kings Büchern. Es handelt sich um einen Fantasyroman, der an ein Märchen erinnert.
Schon der erste Satz "In einem Königreich names Delain lebte einst ein König, der hatte zwei Söhne." klingt wie die Eingangsformel eines Märchens. Ein weiterer Punkt, den der Roman mit einem Märchen gemeinsam hat besteht z.B. darin, dass dem Leser genaue Ort- und Zeitangaben verborgen bleiben. King schreibt lediglich, dass es sich um ein "sehr altes Königreich" handelt, bei dem sich "nicht einmal Historiker an alles erinnern können".
Obwohl es sich bei "Die Augen des Drachen" nicht um einen Horror-Roman handelt, kann King sich seinem bevorzugten Genre nicht komplett entsagen. Das Böse tritt in diesem Buch in Form des gefürchteten Hofzauberers Flagg auf, der durch seine bösen Machenschaften der heimliche Herrscher des Königreichs Delain ist.
Der Leser wird in diesem Roman von einem allwissenden Erzähler begleitet, der immer wieder auf die Figuren eingeht, vorangegangene und zukünftige Geschehnisse der Handlung aufgreift und Ereignisse und Zusammenhänge erklärt. Dies geschieht im ersten Teil des Buches in einem sehr ruhigen und langsamen Ton, wodurch die Geschehnisse und Handlungsverläufe sich nicht überschlagen oder gehetzt wirken. Dies führt jedoch nicht dazu, dass das Buch monoton oder langweilig ist, sondern unterstreicht die Stimmung des Buches. Gegen Ende der Geschichte wird die Erzählung schneller, wodurch ein Kontrast zum ersten Teil des Buches entsteht.
"Die Augen des Drachen" beinhaltet verschiedene Themen. Mit der Zuneigung, die Sasha ihrem kleinen Sohn gegenüber zeigt, wird Mutterliebe angesprochen. Durch Peter, Noomi, Dennis und Ben geht es um Freundschaft und Zusammenhalt. Darum, für seine Freunde da zu sein und ihnen zu helfen, wenn sie in Not sind. Indem der Hofzauberer Flagg gegen Peter intrigiert, geht es um den Kampf Gut gegen Böse. Weitere Themen des Buches sind u.a. Eifersucht und Manipulation.
Fazit: Bei "Die Augen des Drachen" handelt es sich um ein wundervolles und vielschichtiges Buch, das sich in vielfältiger Weise von Stephen Kings anderen Romanen unterscheidet. Wer sich darauf einlässt und sich bewusst ist, für wen und aus welchem Grund King das Buch schrieb, kann viel Freude an dem Roman haben.
Hinweis zu dieser Ausgabe:
Bei dieser Neuauflage von März 2011 handelt es sich um eine überarbeitete und erstmals vollständige Taschenbuchausgabe in deutscher Sprache. Das Buch wurde in die neue Rechtschreibung gesetzt, einzelne Begriffe wurden neu übersetzt und bisher fehlende Textteile eingefügt.