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Die Aufgabe der Literatur: Wie Schriftsteller lernten, das Verstummen zu überleben
 
 

Die Aufgabe der Literatur: Wie Schriftsteller lernten, das Verstummen zu überleben [Kindle Edition]

Ulrich Horstmann
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Die Geschichte des Peter Schlemihl, der seinen Schatten an den Teufel verkauft und der,will er ihn zurückbekommen,noch viel mehr opfern muss.

Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 654 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Fischer E-Books; Auflage: 1 (2. Juni 2010)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B0058G4P1Q
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: #230.043 Bezahlt in Kindle-Shop (Siehe Top 100 Bezahlt in Kindle-Shop)

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Format:Broschiert
Ulrich Horstmann tritt uns in diesem Buch mit dem bewusst zweideutigen Titel als der Literaturwissenschaftler der Gießener Universität entgegen, der er auch ist. Aber er war und ist ebenso sehr Literatur Schaffender, wie man auf seiner Hompage nachlesen kann. Er kann sich also aus eigener Erfahrung ein Bild davon machen, was es bedeutet, wenn ein Schriftsteller erkennt, dass er die Schreibpotenz zu verlieren droht. Auf sein "anderes Leben" deutet auch die Widmung hin: "Meinem Zwilling, tastend", d.h. der wissenschaftlich und der kreativ Tätige sind sich in seinem Fall so ähnlich wie Zwillinge.
In zehn Kapiteln untersucht Horstmann insgesamt zwölf konkrete Fälle des Verstummens aus der deutsch- und englischsprachigen sowie mit Rimbaud einen aus der französischen Literatur. Dabei versucht er nicht nur die Autorenschicksale unter bestimmten Kategorien zu beschreiben, sondern - wie schon der Untertitel andeutet - einen Entwicklungsprozess herauszustellen. Für den Leser ist dabei seine didaktisch clevere Methode hilfreich, jeweils am Beginn eines neuen Kapitels den Fall von den vorangegangenen Lebensentwürfen abzugrenzen. Auf diese Weise behält man als Leser den Überblick und hat gleichzeitig die Möglichkeit an bereits Bekanntes anzuknüpfen. So spannt sich der Bogen von Hölderlin und Robert Walser über Rimbaud, Beckett, Salinger und Koeppen bis zu Hildesheimer.
Als EIN Beispiel mag das Kapitel über Wolfgang Koeppen dienen, das der Autor mit dem herrlich ironischen Titel "Koeppenickiade oder Wie man Schweigegeld verdient" versieht. Koeppen gilt mit seinen drei Romanen "Tauben im Gras" (1951), "Das Treibhaus" (1953) und "Der Tod in Rom" (1954) als scharfsichtiger Chronist der Adenauer-Ära und einer der wichtigsten modernen Schriftsteller. Umso erstaunlicher ist es, dass er nach diesen Werken bis zu seinem Tod 42 Jahre später nichts Vergleichbares mehr veröffentlicht hat. Statt dessen hat er immer wieder Romanprojekte angekündigt, seinen Verleger Unseld damit hingehalten und ihn zu Vorschüssen veranlasst, so dass es zu der paradoxen Situation kam, dass er nicht für seine literarischen Produktionen, sondern für sein Nicht-Schreiben bezahlt wurde, also im übertragenen Sinne "Schweigegeld" erhielt, was er übrigens nicht einmal verheimlicht hat. In einem Interview mit André Muller von 1991 hat er sogar offen zugestanden, dass "ein Autor für einen Verleger eine Investition va banque" sei: "Irgendwann kommt das Geld wieder herein, in manchen Fällen erst nach dem Tode." Koeppen hat also von seinen Vorgängern "gelernt", dass man nicht dem Wahnsinn verfallen muss, wie z.B. Hölderlin oder Robert Walser, um "das Verstummen zu überleben".
So sehr es wissenschaftlich geboten ist, Zitate im Original zu bieten, so schade ist es, dass sie nicht wenigstens im Anhang übersetzt worden sind. Denn nicht jeder interessierte Leser verfügt über ausreichende Englisch- und Französischkenntnisse, zumal wenn es sich um literarische oder literaturtheoretische Texte handelt, deren Vokabular vom Alltagssprachgebrauch deutlich unterschieden ist. Aber alles in allem bietet diese Abhandlung eine sehr anregende Lektüre, die neue Perspektiven eröffnet und dem Leser auch den einen oder anderen vergessenen oder bei uns weniger bekannten Autor nahe bringt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
"Nicht ganz werd' ich vergehen; über das Grab hinaus
dauert meiner ein Teil. Spät noch in Enkelmund
wächst mein Name,
(Horaz, An Melpomene)

Literatur hin, Literatur her - als Leser glaubt man, der Autor schreibt gern. Wenn er aufgibt, mag es immer ein exogener Grund sein und doch gibt es eben diese endogenen, die der Rezensent in der Beschäftigung mit Rimbaud allzu deutlich spürte. Zwischen Ich und Ich-Projektion bewegt ein Autor seine Protagonisten und spürt mit ihnen seine Welt. Individuell, vorgestellt, real. Und so bleibt die Frage, welcher Realität er den Rücken kehrt, wenn es zum Bruch mit dem Schreiben kommt.

Anhand unterschiedlicher Beispiele gelingt es Ulrich Horstmann, Professor der Uni Gießen, bravourös sich diesem Thema zu nähern. Ob Hölderlin im Wahnsinn seine Überhöhung des Hyperion durch Scardanelli mäßigt und als Türmer eher wirr entschwand, oder Robert Walser, der ewig sich jeder Berühmtheit Entsagende und nach drei Romanen entschied, aufzuhören und sein Leben in einer Anstalt zu verbringen, oder eben Rimbaud, der in vierjähriger extensiver Schaffensphase alle Kraft in die Umwälzung der Zeit opferte und damit sich selbst als Autor, - jeder von ihnen wird im Kontext seines Schaffens, in den Gründen seiner Aufgabe und im Vergleich zueinander beleuchtet. Motiv und Strategie des Verzichts interessiert ihn und somit leistet er ein Beitrag zu einem wenig beachteten Phänomen.

Weiterhin beleuchtet Horstmann Salinger, Beckett, der im Auftürmen aller Möglichkeiten des Scheitern seinen Weg machte und vielleicht nicht wirklich enden konnte, solange seine Protagonisten seinem Ende ein Stück voraus waren. Er schrieb sich mit ihnen in die Untätigkeit. Oder Koeppen, dem es gelang aus der Schaffenspause Gewinn zu ziehen, weil ihm in dieser Zeit die Illusion eines neuen Werkes mehr brachte durch die Erwartung, als es ein Buch real geschafft hätte.

In gewisser Weise schreibt Horstmann für sich. Seinem "Zwilling, tastend", widmet er dieses Buch - eigentlich als Schriftsteller, nicht als Wissenschaftler. Sein Buch, dieses vorliegende, beschreibt er als eine Art Selbstmedikation. Ja, es erfüllt einen Zweck, nämlich sich zurückzunehmen in die Reihe derer, die gelernt haben, sich abzuschreiben ohne Selbstverlust im weitesten Sinne. "Einmal lebt ich, wie Götter, und mehr bedarf es nicht." (Hölderlin)

Eine sehr eloquente, bereichernd geschilderte Sicht von einer anderen Seite. Interessierte erwartet eine lesenswerte Wissenserweiterung.
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