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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Verstummen der Beredten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Aufgabe der Literatur: Wie Schriftsteller lernten, das Verstummen zu überleben (Broschiert)
Ulrich Horstmann tritt uns in diesem Buch mit dem bewusst zweideutigen Titel als der Literaturwissenschaftler der Gießener Universität entgegen, der er auch ist. Aber er war und ist ebenso sehr Literatur Schaffender, wie man auf seiner Hompage nachlesen kann. Er kann sich also aus eigener Erfahrung ein Bild davon machen, was es bedeutet, wenn ein Schriftsteller erkennt, dass er die Schreibpotenz zu verlieren droht. Auf sein "anderes Leben" deutet auch die Widmung hin: "Meinem Zwilling, tastend", d.h. der wissenschaftlich und der kreativ Tätige sind sich in seinem Fall so ähnlich wie Zwillinge.In zehn Kapiteln untersucht Horstmann insgesamt zwölf konkrete Fälle des Verstummens aus der deutsch- und englischsprachigen sowie mit Rimbaud einen aus der französischen Literatur. Dabei versucht er nicht nur die Autorenschicksale unter bestimmten Kategorien zu beschreiben, sondern - wie schon der Untertitel andeutet - einen Entwicklungsprozess herauszustellen. Für den Leser ist dabei seine didaktisch clevere Methode hilfreich, jeweils am Beginn eines neuen Kapitels den Fall von den vorangegangenen Lebensentwürfen abzugrenzen. Auf diese Weise behält man als Leser den Überblick und hat gleichzeitig die Möglichkeit an bereits Bekanntes anzuknüpfen. So spannt sich der Bogen von Hölderlin und Robert Walser über Rimbaud, Beckett, Salinger und Koeppen bis zu Hildesheimer. Als EIN Beispiel mag das Kapitel über Wolfgang Koeppen dienen, das der Autor mit dem herrlich ironischen Titel "Koeppenickiade oder Wie man Schweigegeld verdient" versieht. Koeppen gilt mit seinen drei Romanen "Tauben im Gras" (1951), "Das Treibhaus" (1953) und "Der Tod in Rom" (1954) als scharfsichtiger Chronist der Adenauer-Ära und einer der wichtigsten modernen Schriftsteller. Umso erstaunlicher ist es, dass er nach diesen Werken bis zu seinem Tod 42 Jahre später nichts Vergleichbares mehr veröffentlicht hat. Statt dessen hat er immer wieder Romanprojekte angekündigt, seinen Verleger Unseld damit hingehalten und ihn zu Vorschüssen veranlasst, so dass es zu der paradoxen Situation kam, dass er nicht für seine literarischen Produktionen, sondern für sein Nicht-Schreiben bezahlt wurde, also im übertragenen Sinne "Schweigegeld" erhielt, was er übrigens nicht einmal verheimlicht hat. In einem Interview mit André Muller von 1991 hat er sogar offen zugestanden, dass "ein Autor für einen Verleger eine Investition va banque" sei: "Irgendwann kommt das Geld wieder herein, in manchen Fällen erst nach dem Tode." Koeppen hat also von seinen Vorgängern "gelernt", dass man nicht dem Wahnsinn verfallen muss, wie z.B. Hölderlin oder Robert Walser, um "das Verstummen zu überleben". So sehr es wissenschaftlich geboten ist, Zitate im Original zu bieten, so schade ist es, dass sie nicht wenigstens im Anhang übersetzt worden sind. Denn nicht jeder interessierte Leser verfügt über ausreichende Englisch- und Französischkenntnisse, zumal wenn es sich um literarische oder literaturtheoretische Texte handelt, deren Vokabular vom Alltagssprachgebrauch deutlich unterschieden ist. Aber alles in allem bietet diese Abhandlung eine sehr anregende Lektüre, die neue Perspektiven eröffnet und dem Leser auch den einen oder anderen vergessenen oder bei uns weniger bekannten Autor nahe bringt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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