Ich lese hauptsächlich englische SF Kurzgeschichten. Die vielen Nominierungen für den Kurd Laßwitz Preis haben mich neugierig darauf gemacht, was es im deutschsprachigen Bereich Neues gibt.
Von den 16 Geschichten haben mir 7 gut gefallen, während die anderen 9 meinen Geschmack nicht trafen. Insgesamt kann ich die abwechslungsreiche Sammlung mit Vorbehalt empfehlen. Interessanterweise stimmt mein Geschmack nicht mit dem anderer Rezensenten überein, also bitte diese Kritik als rein persönliche Ansicht werten.
Meine Highlights sind:
- "Hör auf die Wahrsagerin, Nishka": gekonnte Vermischung von virtueller und realer Welt, sehr schräg und genau mein Ding. Das sind die experimentellen Geschichten, die man nur in der SF findet.
- "Auslese": Fleischengel holen sich krebskranke Menschen um Informationen auszulesen. Wundervolle Geschichte, hervorragend erzählt. Zwar ohne tiefere Botschaft aber sehr amüsant.
- "Ende der Jagdsaison auf Orange": die Tierwelt auf dem Planeten Orange erinnert ein wenig an Neal Asher. Sorgfältig konstruierte Welt, sehr gelungen.
Gut gefallen haben mir:
- "Die Audienz": interessantes Gleichnis, sehr gut erzählt. Könnte Teil von etwas Größerem werden und würde dann noch besser funktionieren.
- "Lebenslichter": kein angenehmer Blick in die Zukunft. Gute Idee mit netten SF Gadgets, nur die Charaktere können nicht richtig überzeugen.
- "Ich töte dich nach meinem Tod": erneut eine Vermischung von virtueller und realer Welt. Flott geschrieben, hätte etwas länger sein können.
- "Hitze": Benzin ist teuer, Energie muss rationiert werden und die Menschen sind verzweifelt. Sehr gut geschrieben, wenn auch nicht besonders originell.
Aus der Reihe fällt "Finja-Danielas Totenwache". Finja-Daniela liegt im Sterben, ihr Bewusstsein soll in einen jüngeren Klon übertragen werden. Die Autorin nutzt typographische Stilmittel, um diesen Übergang darzustellen. Sehr originell! Dagegen fand ich die Gespräche auf der Party recht öde. Ist mir hier etwas entgangen?
Kommen wir zu den Geschichten, die mir nicht gefallen haben.
- "Sarah": die vielen kurzen Sätze haben das Lesen für mich sehr unruhig gemacht. Die Grundidee ist ebenfalls nicht neu.
- "Ein Schiff wird kommen": eine ältere Agentin versucht, unerklärliche Vorkommnisse auf einem Schiff zu klären. Die Hauptfigur war mir sehr unsympathisch und der Stil hat mir nicht gefallen. Sorry, nicht mein Geschmack.
- "Ausgespielt": der Sohn eines reichen Geschäftmannes wird gesucht. Einige nette SF Ideen sind vorhanden aber so richtig fügt es sich nicht zusammen und zum Schluss geht es einfach zu schnell.
- "Der geborgte Himmel": die Marskolonisten beschließen, zurück zur Erde zu fliegen. Einige wenige wollen nicht mit und bleiben auf dem Mars. Vor 50 Jahren wäre die Idee okay gewesen, aber heute nicht mehr. Die Charaktere sind oberflächlich und ihre Motivationen unklar.
- "Phönix": sehr gut geschrieben mit gelungenen Charakteren, aber die Idee funktioniert bei mir nicht. Ein paar Seiten mehr hätten nicht geschadet, insbesondere um mehr über den Hintergrund zu erfahren. Sorry, Armin!
- "Der Erste Roboter": ein Roboter soll neu programmiert werden und wehrt sich. Technisch plausibel, aber inhaltlich ein völliges Desaster. Kein Vergleich zu den vielen guten Roboter Geschichten, die es gibt.
- "Lod, Lad, Chine": sehr holprige Geschichte, ging komplett an mir vorbei.
- "Kamele, Kuckucksuhren und Bienen": vor 70 Jahren wäre die flott und mit Humor geschriebene Geschichte okay gewesen (man denke an die Mars Odyssee von Weinbaum), aber bei neuen Geschichten ärgert mich die belanglose Handlung maßlos. Da kann die Welt noch so exotisch sein: ohne interessante Bewohner oder Besucher, denen sie etwas bedeutet und die nicht einfach am Ende weiterziehen als ob nichts geschehen wäre, funktioniert es nicht.