Yasmina Khadra hat hier einen hochpolitischen unter die Haut gehenden Roman geschrieben, in dem er den Ursachen des Terrors nachspürt, den Tätern ein Gesicht und eine Geschichte gibt. Er verurteilt nicht, er rechtfertigt nicht, sondern er beschreibt die völlige Verzweiflung von Menschen, die glauben, Selbstmordattentate mit vielen unschuldigen Opfern seien wirklich ein Ausweg.
Wer durch eigene Besuche Palästina in den letzten Jahren kennengelernt hat, wird kein Attentat gutheissen können, er wird aber vielleicht die Menschen verstehen, die sich zu diesem letzten Schritt entschliessen. Khadra gibt einen hervorragenden Einblick in die Hintergründe der Menschen und ihrer Umgebung, die diesen Weg wählen. Der Schlüssel liegt in Yasmina Khadra mahr als Bücher sprechender Aussage: "Wir Araber sind Menschen, die einfach die Erniedrigung, die Beleidigung hassen. Wir können mit Wasser und trockenem Brot leben. Mit nichts. Aber wir können nicht mehr normal leben, wenn man uns erniedrigt." - Und deswegen bleibt die Feststellung: Solange die Demütigung der Besatzung durch Israels Militär bleibt, so lange wird es Menschen in Palästina geben, die für sich keinen anderen Weg mehr sehen.
Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang das ausgezeichnete Buch von Raid Sabbah, Der Tod ist ein Geschenk. Die Geschichte eines Selbstmordattentäters - Sie spielt übrigens ebenso in Jenin.
Rainer Fielenbach