Meinem hohen Lesetempo habe ich es zu verdanken, das ich mit dem Buchnachkauf mit und ohne Geschenkgutscheine lieber Freunde und Familienangehöriger kaum nachkomme.
Diesmal habe ich das Buch Die Assassine von Joshua Palmatier in die Finger bekommen.
Normalerweise ärgere ich mich sehr, wenn ich einen Mehrteiler in Händen halte, ohne es vorher zu wissen. In diesem Fall tut das dem Buch bzw. der Story in diesem ersten Band aber überhaupt keinen Abbruch. Es ist in sich stimmig und abgeschlossen und ja, ich freue mich direkt auf eine Fortsetzung.
Ohne von der Geschichte zu viel zu verraten, will ich dennoch ein wenig Bezug nehmen auf den Inhalt.
Im Prinzip könnte diese Story, wenn man mal vom Fantasytouch absieht, in jeder größeren Stadt mit vielen Nationen spielen. Die Stadt Amenkor ist, wie es allgemein üblich ist, in regelrechte Zonen unterteilt. Arm, reich, Mittelschicht, Hafengebiet und Handwerk. Nicht zu vergessen natürlich Paläste und Tempelanlagen, in den verschiedenen Ausprägungen.
Die Bevölkerung ist bunt gemischt und die Hauptfigur Varis erlebt in ihren Baby- und Kleinkindjahren wohl eine heile Welt, was sich aber drastisch nach dem Tod ihrer Mutter ändert. Noch als Kind völlig auf sich gestellt landet sie dort, wo kein Kind landen sollte. In der Gosse zwischen Unrat und tierischen und menschlichen Ratten.
Wenige Lichtblicke erhellen in diesen ersten schweren Jahren ihre kleine Welt und man fühlt sich als Leser schnell in dieses junge Mädchen ein. Zumindest konnte ich das als Frau sehr gut.
Die körperlichen aber auch seelischen Schmerzen und Verletzungen im Laufe der Jahre führt sie, bedingt durch eine ganze Reihe dramatischer Ereignisse, zu ihrer Berufung als Assasine. Vertrauen ist ein so seltenes Gut, das die Wenigen die es sich bei ihr verdienen, extreme Ausnahmen bleiben.
Die Stadt, in der die ganze Geschichte spielt, herrscht nach und nach Nahrungsknappheit und je mehr Waren ausbleiben, desto schlimmer wird die allgemeine Lage. Wie zu erwarten steigt die Kriminalitätsrate von Tag zu Tag an und Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit werden zu Fremdwörtern.
Oft habe ich beim Lesen innerlich zustimmend genickt und fand ihre teilweise sehr drastischen Reaktionen absolut nachvollziehbar. Man kann verstehen, warum sie sich so entwickelt. Es ist sicher nicht zwingend der Weg, den man nehmen kann, aber es ist ein Weg.
Der Schriftsteller beschreibt Menschen, Umgebung und Stimmung hervorragend und man kann nach einer Weile den Gestank des Armenviertels förmlich riechen. Man kann sich vorstellen, selbst in einer dieser engen, halb zugemüllten Gassen in einem Strom von Menschen zu stehen, umgeben von den Geräuschen und Gerüchen einer solchen Szene.
Das die ganze Geschichte auch noch einen Glaubensaspekt hat und höchst dramatisch wird, rundet das positive Gesamtbild ab.
Wie gesagt, ich freue mich, noch mehr von dem Schriftsteller zu lesen und hoffe inständig, das es wirklich in sich abgeschlossene Romane sein werden und er seinen Schreibstil beibehält und höchstens noch verfeinert.