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Produktinformation
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Glavinics Robinson in der Großstadt heißt Jonas und verträgt das Alleinsein gar nicht gut. Statt das menschenleere Wien und das übrige Europa als seinen persönlichen Abenteuerspielplatz zu betrachten, entwickelt er in kürzester Zeit paranoide Züge, traut sich nicht mehr ohne Waffe aus seiner Wohnung und sieht hinter jeder Ecke die Gefahr lauern. Überall stellt er Videokameras auf, filmt leere Straßenkreuzungen und auch sich selbst beim Schlafen. Tatsächlich häufen sich unerklärliche Ereignisse, und Jonas verbringt Stunden mit dem Kontrollieren der Aufnahmen. Auch den Leser ergreifen beklemmende Gefühle, die Bedrohlichkeit und Unheimlichkeit dieser leeren Welt werden nicht nur für den einsamen Helden immer spürbarer. Das beherrscht Glavinic sehr gut. Am Ende allerdings wartet man vergebens darauf, dass sich die Spannung auflöst und wenigstens ein paar Fragen beantwortet werden. An den Nerven des Lesers zerren im Lauf der fast 400 Seiten aber leider auch die Monotonie der Hand!lung und die sich im Kreis drehenden banalen Gedanken des Protagonisten.
Natürlich ist es verlockend für einen Autor, sich ein so extremes Szenarium auszudenken. Glavinic macht es sich aber zu einfach und missachtet teilweise die innere Logik seines Entwurfs. Wenn wirklich alle Menschen über Nacht und auf einen Schlag verschwunden sind, warum sind dann alle Fahrzeuge sauber eingeparkt und stehen nicht etliche auf den Straßen und Autobahnen herum? Warum sind manche Geschäfte, Lokale und Büros unverschlossen und andere nicht? Und warum bloß funktionieren auch Wochen nach dem Ereignis ausgerechnet Telefon- und Stromnetz immer noch?
Trotz einiger Schwächen durchaus ein lesenswerter Roman, aber ganz sicher nicht das grandiose Meisterwerk, als das er in manchen Feuilletons gefeiert wird. Da würde ich dann doch lieber auf den guten alten Arno Schmidt zurückgreifen, der ein sehr ähnliches Thema -- der letzte Überlebende eines Atomkrieges irrt durch ein menschenleeres Norddeutschland -- in Schwarze Spiegel tatsächlich meisterlich in Sprache gefasst hat. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein zeitgenössisches surrealistisches Meisterwerk aus Österreich,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Arbeit der Nacht: Roman (Taschenbuch)
Wenn ich die anderen Rezensionen lese und merke, sie behaupten, dass die Hauptfigur Jonas zu sehr in eigenen Gedanken kreiste oder dass die Handlung keine innere Logik hätte, dann entsteht bei mir der Eindruck dass ausgerechnet die Stärken des Buches für seine Schwächen gehalten werden. Die logische Brüche sind spannend und viel krasser als bei jedem von David Lynchs Film. Die inneren Gedanken von Jonas schildern eine ganze Geschichte: von Jonas' Familie, seiner Kindheit, seiner Eltern, und vor allem auf einer so unpretenziöser Art und Weise dass man einfach mehr über die Hauptfigur erfahren möchte.Ich meine, wer liest Bücher wie dieses in der Erwartung einer Auflösung am Ende? Dann halt ein Krimi lesen (oder Rosamund Pilcher) und kein surrealistisches Werk. Ich fand das Buch ausgesprochen gut, mutig, bestückt mit alten Motiven die auf eine neue Art und Weise interpretiert werden (á la Wien). Bei einigen Passagen hatte ich Angstzustände, denn die Schlichtheit von Galvinic's Stil widerspricht den Bildern die man beim Lesen vor Augen hat. Und sie sind manchmal einfach nur grausam, paranoid und sehr bildhaft. "Die Arbeit der Nacht" ist nicht jedermanns Sache, das ist klar. Muss es auch nicht sein. Es ist zu gut um jedermanns Ding zu sein. Ich empfehle das Buch all denen, die sich besonders für zeitgenössische deutsche und österreichische Literatur interessieren. Übrigens, gibt es viele unterhaltsame Momente drin. Kompliment! Das Buch liest sich eigentlich wie ein Thriller-Filmklassiker. Die Arbeit der Nacht Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lesenswertes aus Wien,
Von
Rezension bezieht sich auf: Die Arbeit der Nacht: Roman (Taschenbuch)
Der Plot ist wirklich schnell erzählt: Jonas wacht an einem 4. Juli auf und ist ganz allein. In seiner Wohnung, in Wien, auf der Welt. Sicher hat es diese Art von Geschichte von mehrfach gegeben, und sicher ist diese Geschichte selbst auch schon spannender und logisch nachvollziehbarer erzählt worden. Aber diese Rahmenhandlung scheint mir bei der 'Arbeit der Nacht' nur der Aufhänger dafür zu sein, Geschichten aus anderen Ebenen zu erzählen. Nämlich über Erinnerungen (insbesondere an die Kindheit), Beziehungen zu Menschen, Plätzen, Gegenständen und auch über den Wahnsinn, der einen befällt, wenn man mutterseelenallein ist. Dieser Wahnsinn wird, wie ich finde, besonders gut ausgedrückt durch Jonas, der verzweifelt nach anderen Menschen in seiner Welt sucht, sich dabei aber mit einer Shotgun bewaffnet und ständig bereit ist, diese abzufeuern, sollte sich etwas regen.Wer nach einer spannenden Science-Fiction-Geschichte über den letzten Menschen auf Erden sucht, für den ist 'Die Arbeit der Nacht' sicher die falsche Wahl. Ist man aber bereit, in das Gedankengebäude von Jonas einzusteigen, dann ist es spannend, kurzweilig und schlussendlich zwar hoffnungslos, aber auch sehr bewegend. Und die Erkenntnis, dass der letzte Gedanke im Leben eines Menschen der Liebe gelten sollte, nimmt man auch gerne mit. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr intensiv, rundum gelungen,
Von Stefanie "book-addict" (Oesterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Arbeit der Nacht: Roman (Gebundene Ausgabe)
Jonas erwacht im verlassenen Wien in einer leeren Welt. Keine Menschen weit und breit. Nur er, allein.Ist das nicht furchtbar fad? Nein, ist es nicht. Ich habe vor etlichen Jahren "Die Wand" von Marlene Haushofer gelesen (Inhalt ist auf den ersten Blick ähnlich) und es war das schlimmste Buch, das ich je gelesen habe. Ich hatte also große Bedenken bevor ich mich doch zum Kauf dieses Buches entschloss. Und meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet, ganz im Gegenteil: Die Atmosphäre im Buch ist sehr dicht und intensiv, Glavinic gelingt es die Spannung durch das ganze Buch hindurch weiter aufzubauen und hin und wieder jagt dem Leser ein kleiner Schauer über den Rücken. Ähnlich wie in Saramagos "Stadt der Blinden" wird eine utopische Situation beschrieben ohne mit dem science-fiction-Metier auch nur zu liebäugeln: kritisch, persönlich und schnörkellos schreibt und beschreibt Glavinic und zieht den Leser in seinen Bann. Man begleitet Jonas auf der Suche nach anderen Menschen und bemerkt nach und nach, dass nicht das Fehlen anderer sondern eher ihre mögliche Anwesenheit und die eigene Ungewissheit die größten Probleme sind, mit denen er sich auseinandersetzen muss. Großes Kompliment an den Autor! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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