Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Geschichte erzählt die Apothekerin ihrer kranken Bettnachbarin, die den Ingrid-Noll-Fans wohl bekannt ist aus ihrem ersten Buch Der Hahn ist tot. Hier hat sie schon damals kompromisslos zugeschlagen. Natürlich lauscht sie nun interessiert der Lebensgeschichte ihrer Bettnachbarin.
Doch ganz so gemein mordet Ingrid Noll in ihrem Roman Die Apothekerin nicht mehr. Die Story verliert sich in Langeweile. Der Stoff hätte hier sicherlich mehr Möglichkeiten geboten, die sie einfach nicht wahrgenommen hat. Mit den letzten beiden Büchern ist ihr das glücklicherweise nicht passiert. Schade um die vergebene Chance. --Manuela Haselberger
Buch der 1000 Bücher
Die Apothekerin
OA 1994 Form Roman Epoche Moderne
In Die Apothekerin, Ingrid Nolls drittem Roman, erzählt die Schriftstellerin von den kriminellen Verwicklungen einer scheinbar gewöhnlichen Frau. Mord und Alltag werden von Noll mit viel schwarzem Humor in einen Zusammenhang gebracht, der den Leser nicht erschüttert, sondern schmunzeln lässt.
Inhalt: Die Heidelberger Apothekerin Hella Moormann erzählt in der Frauenklinik ihrer Bettnachbarin Rosemarie Hirte ihre abenteuerliche Lebensgeschichte. Hella, die schon in ihrer Kindheit unabsichtlich mordete, fühlt sich seit jeher zu kriminellen und gescheiterten Männern hingezogen. Mit 35 Jahren verliebte sie sich in den verkrachten Studenten Levin, durch den sie in einen Strudel mörderischer Verwicklungen geriet: Ein vergifteter Großvater, eine tödlich verunglückte Rivalin, eine ungeklärte Vaterschaft und die Liebschaft mit einem verheirateten Mann spielen in den Geschehnissen eine prominente Rolle. Durch den abschließenden Kommentar der »Beichtmutter« Rosemarie Hirte erhält der Roman eine überraschend makabere Wende.
Aufbau: Noll schildert die Geschichte aus der Perspektive der Apothekerin Hella. Dem im Text optisch kursiv dargestellten Geschehen in der Frauenklinik steht die quantitativ überwiegende, aus der Rückblende Hellas erzählte Geschichte gegenüber. Der Roman ist weniger ein klassischer Kriminalroman als ein Spiel mit kriminellen Energien des weiblichen Geschlechts. Wie auch in den anderen Romanen von Ingrid Noll sind Männer bevorzugte Opfer der Täterin. Die nahezu beiläufig begangenen Morde, die aus der Sicht der Erzählerin einer logischen Notwendigkeit entspringen, werden weder von einer auktorialen Instanz wertend kommentiert noch wird die Apothekerin für ihre Taten bestraft. Die Unmoral der Heldin erscheint dank Nolls psychologischem Einfühlungsvermögen auch dem Leser logisch und nachvollziehbar.
Typisch für die Kriminalromane von Noll ist die Wiederkehr von Figuren aus früheren Romanen. So kann der vertraute Leser durch die Figur der Rosemarie Hirte aus dem Roman Der Hahn ist tot (1991) inhaltliche Bezüge zu ihrem ersten Roman herstellen.
Wirkung: Bezeichnend für die Kriminalromane von Noll ist die Darstellung des Tötens als Konsequenz weiblichen Aufbegehrens. Dieses »emanzipatorische« Element erhält jedoch durch den schwarzen Humor der Erzählerin eine erfrischende Komponente, die ihr eine große Beliebtheit, vor allem beim weiblichen Publikum, gesichert hat. K.G.
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Klappentext
Hella Moormann liegt in der Heidelberger Frauenklinik - mit Rosemarie Hirte als Bettnachbarin. Um sich die Zeit zu vertreiben, vertraut Hella der Zimmergenossin die abenteuerlichsten Geheimnisse an. Von Beruf Apothekerin, leidet sie unter ihrem Retter- und Muttertrieb, der daran schuld ist, daß sie immer wieder an die falschen Männer gerät - und in die abenteuerlichsten Situationen: eine Erbschaft, die es in sich hat, Rauschgift, ein gefährliches künstliches Gebiß, ein leichtlebiger Student und ein Kind von mehreren Vätern sind mit von der Partie. Und nicht zu vergessen Rosemarie Hirte in der Rolle einer unberechenbaren Beichtmutter...
»Ingrid Noll macht langsam, aber sicher ihren großen Kolleginnen - Joan Aiken, Margaret Millar oder Celia Fremlin - Konkurrenz. Sie beweist viel psychologisches Gespür für die Abgründe menschlichen Denkens und Handelns." Herbert Pehmer/ORF, Wien
»Ingrid Noll hat nicht nur ein einfühlsames Psychogramm abgeliefert, sondern auch einen spannenden Kriminalroman, der zudem unterhaltsam-ironisch geschrieben ist.« Brigitte, Hamburg
»Ihre mordenden Ladies verbreiten beste Laune, wenn sie sich daranmachen, lästige und langweilige Störenfriede beiseite zu schaffen.« Anne Linsel/Die Zeit, Hamburg
Autorenporträt
Noll, Ingrid dt. Schriftstellerin *29.9.1935 Schanghai Die Apothekerin, 1994 Ingrid Noll zählt zu den erfolgreichsten deutschen Kriminalschriftstellern. In ihren Büchern, die sich bislang nie an dem Muster des klassischen Krimis orientierten, erzählt Noll einfühlsam, ironisch und mit schwarzem Humor von mordenden Frauen hinter der Fassade deutscher Kleinbürgerlichkeit. Aufgewachsen als Tochter eines Arztes in Nanking, schrieb Noll bereits während ihrer Kindheit erste kleine Geschichten. 1949 verließ die Familie China und übersiedelte nach Bad Godesberg. In Bonn studierte Noll 1954 Germanistik und Kunstgeschichte, brach das Studium nach einigen Semestern jedoch wieder ab. 1959 heiratete Noll einen Arzt, arbeitete in seiner Praxis und widmete sich in den Folgejahren der Erziehung ihrer gemeinsamen Kinder. Nach einigen Veröffentlichungen als Kinderbuchautorin begann die bereits 55-jährige Noll Kriminalromane zu schreiben. Mit ihrem Erstling Der Hahn ist tot (1991) gelang ihr ein Publikumserfolg, an den sie mit ihren späteren Büchern, u.a. Die Häupter meiner Lieben (1993) und Die Apothekerin (1994), anknüpfen konnte. Neun Romane der häufig mit Patricia R Highsmith verglichenen Autorin sind im Buchhandel erhältlich, viele dienten bekannten Spielfilmen als Vorlage. 1994 erhielt sie den Glauser-Preis
Auszug
Wenn sich andere Hausfrauen um vier Uhr nachmittags eine Tasse Kaffee kochten, bereitete unsere dicke, kleine Mutter eine wahre Fleischorgie für sich, mich und meinen Bruder. Es war der einzige Fall von Kumpanei, den man ihr nachsagen konnte, und er bereitete uns abscheuliche Lust.
Wie beim Verschwindenlassen einer Leiche mußten alle fleischlichen Überreste beseitigt werden, bevor Vater heimkam. Weder Knochen, Schwarten und Fettklumpen noch Düfte oder schmierige Teller durften von unserem heimlichen Verbrechen Zeugnis ablegen. Zähne wurden geputzt, der Mülleimer entleert und die Küche mit Zitronen-Spray in den Stand der Unschuld zurückversetzt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.