Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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37 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein echter "Psycho"-Thriller!, 2. August 2007
So unterschiedlich können die Geschmäcker sein. Viele Rezensenten werfen dem Roman Langatmigkeit und fehlende Spannung vor, mir ging es genau umgekehrt - ein Thriller bereitet mir selten Herzklopfen, hier war es mal soweit. Ein Buch, das mächtigen Anlauf nimmt und mit einem furiosen Showdown endet.
Die lange zurückliegende Mörder-Jagd in der Anstalt ist die eine Schiene - Francis' Albtraum, die Schatten der Vergangenheit, die ihn wieder einholen, während er seine Geschichte aufschreibt, die andere. Denn zuvor halbwegs genesen kommen nun die brüllenden, fauchenden Stimmen wieder, und Francis' Psychosen nehmen erneut Fahrt auf. Das wird zwischen den Kapiteln erzählt und ist nicht minder spannend als die Geschehnisse in der Klinik. Über mehrere Tage entwickelt sich eine lebensbedrohliche Psychose, die parallel zu den damaligen Ereignissen kulminiert.
Ist das Wahn? Realität? Der Leser bleibt lange im Unklaren, was Francis in seiner Wohnung derart zusetzt - genauso unklar bleibt bis zum Ende, wer da eigentlich gejagt wird in der Anstalt. Gibt es überhaupt einen Mörder? Ist es vielleicht sogar Francis selbst? Oder bildet er sich all das nur ein? Finden die Mordserie und die Ermittlungen lediglich in seinem Kopf statt? Wird hier "nur" die unheimliche Geschichte eines psychisch arg gestörten, bemitleidenswerten jungen Mannes erzählt?
Das alles bleibt bis zu den letzten Seiten vollkommen offen. Und dieses Ende hat es in sich. Denn das ist der Vorteil dicker Bücher: Die Auflösung wird nicht mal schnell auf fünf Seiten abgefrühstückt, nein, das Finale erstreckt sich auf über 80 Seiten - die Beteiligten bringen sich in Stellung, schärfen die Schwerter, machen sich bereit zum großen Kampf, gegen ein Phantom, gegen einander, gegen sich selbst. Dass zuvor schon mal 300 Seiten zwischen dem ersten und dem zweiten Mord liegen, stört mich nicht im Mindesten.
Katzenbach kann elegant, pointiert und ohne jede Effekthascherei schreiben, die Darstellung der geisteskranken Patienten und einer psychiatrischen Anstalt in den '70ern ist realistisch und kein bisschen voyeuristisch. Und Katzenbach spendiert uns ein paar Sätze, die einen mit der Zunge schnalzen lassen. Und dieses Verlangen, es jetzt aber wissen zu müssen, obwohl es zwei Uhr nachts ist und man immer noch 50 Seiten vor sich hat.
Ein intelligenter, umfangreicher Schweißhände-Thriller: Volle Punktzahl.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
absolut empfhlenswert, 2. Mai 2006
Bin gerade mit dem Buch fertig. Der Anfang war ein wenig zähflüssig, aber da ich des Öfteren schmunzeln mußte über die zum Teil doch humorvollen Schilderungen des "Heldens" habe ich weitergelsen. Und es wurde immer besser, die nächsten 500 Seiten hatte ich in einem Ruck durch. Sehr guter Spannungsaufbau und die Beschreibung und Handlungsarten der Figuren ist einfach klasse zu lesen (und - obwohl ein ernstes Thema - sehr humorvoll geschildert).
1 Stern muss ich abziehen, weil ich auch ein weing enttäuscht vom Ende des Buches bin. Hätte gern etwas mehr Teifgang erwartet. Fazit: unbedingt lesen und dabei auf die inneren Stimmen hören
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Stimme in mir, 25. April 2006
Die Stimme in mir
Francis Petrel versteht die Welt nicht mehr. In der einen Minute noch im Kreis der lieben Verwandten, findet er sich kurze Zeit später in einer Isolierzelle gefangen. Seine Muskeln sind wegen der Zwangsjacke völlig verspannt und er hat das Gefühl, dass seine Blase gleich platzt. Dabei war es doch ein Abend wie jeder andere. Nun gut, das er mit dem riesigen Tranchiermesser seine Mutter bedroht hat, war vielleicht etwas misslungen. Aber er wollte seiner Familie doch nichts tun! Diese Stimmen in seinem Kopf waren schuld!
John Katzenbachs neuester Roman „Die Anstalt" spielt sich auf zwei Handlungsebenen ab. Zum einen erzählt Francis in der Ich-Form von seinem heutigen Leben und setzt seine Handlungen in Relation zu Ereignissen, die sich vor 20 Jahren in einer Heilanstalt für geistig Kranke abspielte, in der er von seiner Familie zwangsweise eingewiesen wurde und mehrere Jahre verbrachte. Zum zweiten erzählt er von in langen Rückblenden von seiner Zeit dort. Allerdings wählt hier der Autor die Perspektive eines außenstehenden, allwissenden Erzählers und ermöglicht dem Leser dadurch Einblicke in die Gedankenwelt einer Vielzahl von Personen, welche aus der Ich-Perspektive nicht möglich wäre.
Zu Beginn wiegt der Erzähler uns in trügerischer Sicherheit, sofern man genug Distanz zu den teils doch recht krassen Behandlungsmethoden der damaligen Zeit wahrt. Doch schnell eskaliert die Situation in der Anstalt, als ein grausamer Mord geschieht und eine Staatsanwältin Ermittlungen aufnimmt. Sie macht Francis und seinen Mitinsassen Fireman zu einer Art Hilfssheriffs, die ihr helfen sollen, den Täter zu finden. Die behandelnden Ärzte belächeln von Anfang an die Bemühungen der Staatsanwältin und verweigern jede Unterstützung. So sind die Drei auf sich selbst gestellt, um den Mörder zu finden, während ihnen die Zeit davon rennt. Denn es scheint so gut wie sicher, dass bald ein weiterer Mord geschieht.
John Katzenbachs großes Geschick liegt in den psychologischen Studien und der lebendigen Ausarbeitung seiner Protagonisten. Er lässt dem Leser ausreichend Zeit, sich mit den Personen zu beschäftigen, zeichnet diese jedoch von Beginn an bunt, denn durch den Kniff der wechselnden Erzählperspektive ist einiges des Erzählten unsicher, wird unterschiedlich dargestellt und verunsichert den Leser gehörig. Außerdem legt er geschickt falsche Fährten oder baut erstaunlich kreative Fallen, um den Leser auf die falsche Spur zu lenken oder lässt in einem Nebensatz wie zufällig eine Äußerung fallen wie: „Wenn uns der Handwerker bereits jetzt aufgefallen wäre, hätte sich alles anders entwickelt". Der Leser beginnt fieberhaft zu überlegen, nur um etliche Seiten später zu erfahren, dass er diese Zeile anders interpretiert hat, als sie vom Autor gemeint war. Ziemlich gemein, aber sehr effektiv und anregend. Obwohl der Roman sich sehr flüssig liest, braucht der aufmerksame Leser doch erheblich mehr Zeit bis zum überraschenden Finale als bei vergleichbaren Thrillern weil der Autor immer wieder durch die Freigabe weiterer Details vergangenes in einem anderen Licht erscheinen lässt und der Leser so manches Mal einige Zeiten zurück blättert, um sich die betreffende Stelle nochmals durchzulesen.
Fazit: In einem ungewöhnlichen Ambiente angesiedelter Psychothriller mit ausgeklügeltem Plot, zahlreichen unvorhersehbaren Wendungen, geschickt angelegten falschen Fährten und Finten und sympathischen Figuren. Bis zum ungewöhnlichen und überraschenden Ende wird der Leser vom Buch gefesselt und so mancher wird sich vielleicht fragen, wo die Grenze zwischen gesund und krank liegt.
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