Mit dieser Vorlesung aus dem Frühjahr 1975 beendet Foucault vorläufig eine Reihe von Studien, die sich mit der Entwicklung der individuellen Disziplin und der 'Disziplinarmacht' beziehen.
Foucault verfolgt zu diesem Zweck verschiedene Diskurse, die sich kreuzen, vermischen und schließlich zur Konstitution eines psychiatrischen Diskurses zusammenziehen. Die Verbindungen und Argumentationsfiguren, ihr historisches Auftreten wie ihre Entwicklung im Rahmen ihrer logischen und historischen Möglichkeiten, die Foucault nachzuzeichnen bemüht ist, sind allesamt interessant und bedenkenswert, mitunter aber auch fragwürdig. Zur Vorsicht gemahnt auch, dass Foucault hier mit einem Plan an die Vorlesung herangeht, den er aus zeitlichen Gründen schließlich nicht ganz ausführen wird, so dass der dritte große Baustein seiner Genealogie am Ende der Vorlesung nur mit einem kurzen Abriss bedacht wird.
Wer an der Diskurstheorie und ihren Methoden interessiert ist, wird hier am Beispiel einer Genealogie des psychiatrischen Wissens wichtige Begriffe Foucaults in ihrem Verwendungszusammenhang wiederfinden und einen Eindruck davon erhalten, wie sich Foucault eine 'Geschichte der Denksysteme' vorstellt, die nicht auf einen Ursprung, ein Prinzip oder ein Telos etc. rekurriert.