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Die Angst vor dem Frieden: Das israelische Dilemma
 
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Die Angst vor dem Frieden: Das israelische Dilemma [Broschiert]

Moshe Zimmermann
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Mosheh Tsimerman
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Quo vadis, Israel? Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern verschärft sich seit Jahren. Moshe Zimmermann zeigt auf, dass die israelische Gesellschaft ihr kostbarstes Gut, den demokratisch legitimierten Staat, zu zerstören droht. Er erklärt die historischen Hintergründe und aktuellen Folgen einer Politik, die den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt nicht durchbrechen kann.

Über den Autor

Moshe Zimmermann, geb. 1943, Historiker, seit 1986 Leiter des R. Koebner-Zentrums für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Bei Aufbau erschien »Deutsche gegen Deutsche. Das Schicksal der Juden 1938–1945« (2008).

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Kundenrezensionen

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31 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Arne Hoffmann TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Broschiert
Durch eine Rezension in der Frankfurter Rundschau war ich auf das Buch "Die Angst vor dem Frieden" des israelischen Historikers Moshe Zimmermann (Leiter des Richard-Koebner-Zentrums für deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem) aufmerksam geworden - ein Buch, das sich als eine wirklich aufrüttelnde Analyse herausstellte. Während man aus unseren Medien nur bruchstückhafte und sehr zurückhaltende Informationen über bedenkliche Entwicklungen innerhalb Israels erhält, zeichnet Zimmermann auf 150 Seiten ein so deutliches und unverblümtes Bild der Zustände in diesem Land, dass man sich schon fast wundert, wie dieses Buch hierzulande überhaupt veröffentlicht werden konnte. Ginge man nach den Kategorien, die man normalerweise auf politische Systeme anlegt, handelt es sich bei Israel Zimmermanns Beschreibung zufolge inzwischen um einen massiv rechtsradikal ausgerichteten Staat. Die Worthülse von der "einzigen Demokratie im Nahen Osten" kommt einem im Verlauf der Lektüre immer mehr wie Hohn vor.

Zimmermann erklärt in seinem Buch zunächst, wie und warum Israel in den letzten Jahren immer fundamentalistischer, militaristischer und gegenüber jeglichen Friedensbestrebungen immer unzugänglicher wurde. Er schildert das Vorgehen der wesentlichen Protagonisten (etwa Medien, Siedler, Hügeljugend und Militär) und ihre zunehmende Radikalisierung und erklärt, wie sich diese Radikalisierung gegen jene wendet, die er als "Israels Geiseln" betrachtet: die Diasporajuden, den Westen und das Gedächtnis an den Holocaust. Dabei wird en passant deutlich, wie der wachsende, oft religiös begründete Hass vieler Israelis auf sämtliche Araber und Muslime von ebenso israelfreundlichen wie massiv rechtslastigen Journalisten und Bloggern im Verlauf der letzten Jahre in den Westen "importiert" wurde.

Beim Lesen dieses Buches wird auch nachvollziehbar, wie dieselben Journalisten und Blogger auf jegliche angemessene Kritik am israelischen Verhalten praktisch nur noch reagieren können, indem sie die Kritiker als "Antisemiten" zu verleumden suchen: Eine Auseinandersetzung auf Sachebene können die Verteidiger der herrschenden Zustände nicht mehr gewinnen! Zimmermann selbst erklärt hier unumwunden, "dass gegenwärtig in Israel _jegliche_ Kritik als Antisemitismus ausgelegt wird. (...) Ein anständiger Mensch muss demnach - so verlangt es die israelische Grundhaltung - jede Kritik an Israel vermeiden, wenn er nicht als Antisemit gelten möchte. Diese Erwartungshaltung wird insbesondere Menschen in Deutschland entgegengebracht." Darüber hinaus werde vor allem dem politischen Gegner, also Muslimen und Linken, die Schuld am Erstarken des Antisemitismus gegeben und dieser somit ideologisch instrumentalisiert. Zimmermann betrachtet dieses Vorgehen als "Missbrauch" und darüber hinaus als einen Bärendienst, wenn es um die Bekämpfung echter Judenfeindschaft gehe - denn dort, wo tatsächlich Israelkritik von Antisemitismus durchsetzt ist, werde das nicht mehr angemessen wahrgenommen: "Da es zu einer konstanten Taktik Israels geworden ist, Kritik an Israel als Antisemitismus zu bezeichnen, besteht die Gefahr, dass auch dann, wenn die antiisraelische Haltung tatsächlich in eine antisemitische Variante (...) übergeht, (...) die Weltöffentlichkeit nicht wachsam genug reagiert."

Insgesamt öffnet Zimmermanns mutiges Buch also nicht nur den Blick auf die erschreckenden Entwicklungen innerhalb Israels, sondern auch auf viele schiefe Diskussionen, die in unserem eigenen Land geführt werden.
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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ulrich Gellermann TOP 1000 REZENSENT
Format:Broschiert
"Die Hälfte der Juden der Welt", schreibt Moshe Zimmermann, "leben in den USA" und stellt so die Staatsdoktrin Israels in frage, nach der das jüdische Volk einen Ort, also Israel, braucht, wo die Juden ihr genuines Recht, jüdisch zu sein, gesichert finden. Es gibt längst mehr Orte, an denen das möglich ist. Kühl und faktisch argumentierend geht der israelische Historiker mit den Mythen seines Landes um. In seinem jüngsten Buch, "Die Angst vor dem Frieden", erzählt er auch von der "Straße der Apartheid", einer Landstraße in Israel, die nicht mehr von Palästinensern befahren werden darf. Es gib leider nicht nur die eine. Auch von israelischen Kommunen weiß er zu berichten, die Gemeindesatzungen haben, wonach nur Personen mit "zionistischer Einstellung" dort wohnen dürfen. So schafft man araberfreie Zonen.

Zimmermann ist sich sicher, dass Araber und Israelis in einem "permanenten Angst- und Spannungszustand" leben, der sie am Denken hindert. Unter anderem zitiert er aus dem Buch des jetzigen israelischen Ministerpräsidenten (Ein Platz an der Sonne): "Im Nahem Osten geht Sicherheit vor Frieden und Friedensverträgen". So bleibt der Unfrieden ein Programm, das ständig neue Unsicherheit produziert. An diesem Programm, so Zimmermann, haben immer die ein Interesse, die damit ihre politische Position behaupten können. Und weil er Israeli ist, setzt er sich weniger mit der Hamas, als mit seinem eigenen Regime auseinander. Das findet man in Israel gerne paradox. Aber an der politischen Bewegungsform der Hamas kann der Autor wenig ändern, an den Positionen seines Landes, so hofft er, schon.

Um seiner Regierung ein gewisses Maß an Vernunft beizubringen, erinnert Zimmermann daran, dass israelische Militäraktionen mit schöner Regelmäßigkeit nur weiteren Terror als Antwort gefunden haben. Und neuer Terror neue Militäraktionen und sofort. Längst ist in Israel ein politisch-militärischer Komplex entstanden, der an einer Wagenburg-Mentalität ein eigenes Interesse hat. In diesem Zusammenhang weist der Historiker auf die Friedensinitiative der arabischen Liga aus dem Jahr 2002 hin, die eine Normalisierung der arabischen Staaten zu Israel vorsah, wenn es sich aus den besetzten Gebieten zurückziehen würde. Der Vorschlag wurde als "typisch arabische Taktik der Täuschung" erst gar nicht in Erwägung gezogen. Als die Initiative fünf Jahre später wiederholt wurde, lehnte man sie erneut ab.

In der jetzigen, von Benjamin Netanjahu geführten Regierung sieht der Autor besonders deren Außenminister, Avigdor Liebermann, als einen Araber-Hasser. Liebermann denkt laut über das Bombardement Irans nach, hat schon mal gedroht den Assuan-Staudamm zu zerstören und repräsentiert immerhin die drittstärkste Partei im israelischen Parlament. Dass zum Beispiel im Holocaust-Museum Yad-Vashem die Texttafeln nur auf Hebräisch und Englisch, nicht aber auf Arabisch abgefasst sind, obwohl das immerhin die Sprache eines Fünftels der Bevölkerung ist, zeigt eine der vielen, alltäglichen Rassismen. Als ein arabischer Abgeordneter zur alljährlichen Gedenkveranstaltung in Auschwitz mitfahren wollte, bekam er Drohbriefe, der Likud-Abgeordnete Danon wollte ihn sogar aus der Delegation ausschliessen. Für Zimmermann ein weiterer Beweis dafür, dass die Denkschablonen notwendig die Angst vor dem Frieden stützen.

Moshe Zimmermann ist ein kritischer Begleiter seiner Gesellschaft, der nur in einer echten Zweistaatlichkeit ein dauerhaft friedliches Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern sieht. Solche wie er gelten der israelischen Mehrheit als linke Spinner. Der letzte große dieser Kategorie war Ytzak Rabin. Seit seiner Ermordung gibt es für friedliche Positionen in der israelischen Gesellschaft keine Mehrheiten mehr. Dem Buch von Zimmermann, das "Das israelische Dilemma" beschreibt, ist Erfolg zu wünschen. Auch in einem Deutschland, dessen philosemitische Grundhaltung längst nicht mehr zur Problemlösung im Nahen Osten beiträgt.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr empfehlenswert 17. April 2011
Von Martin Schnackenberg TOP 1000 REZENSENT
Format:Broschiert
Übertreibung macht anschaulich. Mitunter musste ich das denken, als ich dieses Buch las. Der Autor referiert über die "Angst vor dem Frieden", die zum "gemeinsamen Nenner der politischen Positionen in Israel" geworden sei. Seine Formulierungen (z.B.: "Der Frieden mit den Palästinensern war abgewehrt", "So gesehen ist die Gefahr des Friedens in weite Ferne gerückt. Keine Angst") lassen erkennen, wie besorgt der Autor über die politischen Entwicklung in Israel in den vergangenen 15 Jahren ist, eine Entwicklung hin zum Extremismus, eine Entwicklung, die einen Frieden in der Tat unerreichbar scheinen lässt. Und wenn man dann den messerscharfen, oft wütenden Schlussfolgerungen des Autors folgt, stellt man fest, dass er eigentlich nicht übertreibt, das seine Formulierungen (s.o.), so oxymoral sie zunächst schienen, durchaus angemessen sind.
Auswege bietet Zimmermann nicht an, wie sollte er. Sein Buch ist eigentlich eher eine Anklage, eine Mahnung, eine Zustandsbeschreibung. Und wenn überhaupt, dann liegt darin der Kern zur unmöglich scheinenden Lösung des Konflikts. Die israelische Gesellschaft muss selbst erkennen, dass dieser politische Weg, den die derzeitigen Machthaber beschritten haben und den die derzeitige Mehrheit trägt, nur in die Katastrophe führen kann. Denn die Palästinenser sind nun einmal da und sie werden mehr. Ebenso ist es mit den in Israel lebenden Arabern, deren schwierige Situation Zimmermann auch sehr deutlich beschreibt. Und wenn die Ultraorthodoxen noch so extreme Forderungen stellen, wenn der Außenminister Liebermann noch so katastrophal daher redet, wenn die Siederbewegung noch weitere Siedlungen errichtet: Diese Menschen, diese Nachbarn, kann man nicht wegreden, die sind da, mit denen kann man nur leben, mit denen muss man sich irgendwann verständigen, sonst begibt sich dieser Staat irgendwann in die komplette Isolation. Und vielleicht begreifen durch dieses Buch vor allem die unentschlossenen Israelis, dass es so nicht weitergehen kann. Für mich, als Unbeteiligten, hat das Buch auch in diesem Sinne Hoffnung bedeutet, denn es zeigt ja, dass es hellsichtige, mutige, liberale und zu einer Einigung bereite Israelis gibt, man kann nur hoffen, dass die "Zimmermanns" in der israelischen Gesellschaft und Politik wieder mehr an Gewicht gewinnen.
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